Deutschland: Wir begeben uns in die Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Eine große deutsche Partei ringt fünfundzwanzig Jahre nach ihrer Gründung mit der kaiserlichen Obrigkeit. Schwindender Rückhalt in der Bevölkerung, interne Richtungskämpfe und immer neue Konkurrenzparteien machen ihr das Leben schwer. Zehn Jahre nach der Aufhebung des Sozialistengesetzes hat die Partei ihr Pulver verschossen. Sie sucht verzweifelt ihren politischen Einfluss in Deutschland zu erhalten. Sie verspricht sich Erfolg und Anerkennung, indem sie schonungslos gegen die – in ihrer Terminologie – herrschende Klasse vorgeht. Gehörte ihr damaliger Vorsitzender August Bebel im Jahre 1897 noch zu den Unterstützern einer (erfolglos gebliebenen) Petition zur Erreichung der Straffreiheit der Widernatürlichen Unzucht, mit der im wesentlichen männlicher homosexueller Geschlechtsverkehr gemeint war, nutzt sie nunmehr die homosexuelle Orientierung bekannter Persönlichkeiten für ihren Klassenkampf:
-> Die Affäre um Friedrich Alfred Krupp 1902
Handstreichartig macht die SPD durch Verleumdungen und hetzerische Reden und Artikel die Emanzipationsbemühungen schwuler Menschen zunichte. Die seinerzeit weit fortgeschrittene Diskussion über eine Abschaffung oder zumindest Abmilderung der Straftatbestände im Sinne des § 175 Reichsstrafgesetzbuch erlitt einen herben Rückschlag (vgl Christian Schäfer, “Widernatürliche Unzucht”, S 31 mwN). Die SPD hatte ihr Ziel einer Verstärkung homophober Contrainstinkte in der Bevölkerung erreicht. Es sollte mehr als neunzig Jahre dauern, bis die Diskussion über die Strafbarkeit gleichgeschlechtlicher Sexualkontakte zur Streichung des § 175 führte.
Deutschland. Wir begeben uns in die dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Eine düstere Zeit, überladen von sozialen Konflikten. Eine einst große stolze Partei ringt um ihr politisches Überleben. .. continue reading ..
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