Tag: Louis Vierne



12 Jul 09

Übrigens ist Gotteslästerung eine unvergebbare Sünde! Du wirst Dich einmal verantworten müssen!

drohte mir kürzlich einer dieser evangelikalen Hasser. Dabei machte er zwei Fehler. Erstens duzte er mich, ohne dazu eingeladen zu sein. Das mag ich bei Evangelikalen überhaupt nicht. Zweitens erliegt er dem Irrtum, dass Gotteslästerung möglich sei. Wie auch immer, verängstigt, erschüttert und eingeschüchtert machte ich mich auf, Buße zu tun. In Kevelaer am Niederrhein, einer der Hochburgen des katholischen Seelenheils – in jedem zweiten Laden kann man dort Gott kaufen.

Zugegeben, der Grund der Reise in die Provinz war ein anderer. Cameron Carpenter hatte angekündigt, dort im Rahmen der Europa-Promotiontour für sein Album Revolutionary ein Konzert in der Wallfahrtsbasilika zu geben. Aber: Der Revolutionär schwächelt und muss das Bett hüten. So ein Weichei! Louis Vierne hat bis zum letzten Atemzug Orgelkonzerte gegeben und nicht wegen irgendwelcher Erschöpfungserscheinungen sein Publikum versetzt. .. continue reading ..


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3 Aug 08

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=BU4yvKuR1uc]

Wer kennt nicht den berühmten Glockenschlag aus dem St Stephen’s Tower in Westminster, die Westminster Chimes? Diese aus vier Tönen bestehende Melodie geht der Legende nach auf vier Töne aus dem 5. und 6. Takt der Arie “I know that my redeemer liveth” aus dem Messiah von Georg Friedirch Händel zurück. Auch Louis Vierne, seinerzeit Organist an der Großen Cavaillé-Coll-Orgel von Notre Dame/Paris kannte die Chimes und schrieb eines seiner berühmtesten Werke  über diese Tonfolge (hier vorzüglich von Philippe Delacour an der Stahlhut-Orgel von Sankt Martin/Düdelingen gespielt) . Aber kannte Vierne die Westminster Chimes wirklich?

Der Glockenschlag variiert wie folgt:

  1. E, D, C, G
  2. C, E, D, G
  3. C, D, E, C
  4. E, C, D, G
  5. G, D, E, C

Nach dem ersten Viertel erklingt die Tonfolge 1.

Nach dem zweiten Viertel die Tonfolgen 2 und 3.

Nach dem dritten Viertel die Tonfolgen 4, 5 und 1.

Nach dem vierten Viertel die Tonfolgen 2, 3, 4 und 5.

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Die Glocken des St Stephen’s Tower sind übrigens in E-Dur gestimmt.

Wer nun bei Vierne genau zuhört, wird merken, dass Vierne in der zweiten Sequenz die Tonfolge verwechselt hat. Es heißt, dass Vierne’s Freund Henry Willis, ein Londoner Orgelbauer, der Vierne dieses Thema im Rahmen eines Improvisationskonzerts aufgegeben hat, so aufgeregt war, dass er Vierne die Tonfolge auf der Orgel falsch vorgespielt hat (nach verschiedenen Quellen soll er es Vierne vorgesummt haben). Vierne selber hatte zum Zeitpunkt dieser Improvisation den Glockenschlag noch nicht live gehört und hat den ‘Fehler’ in seine spätere Komposition (in D-Dur, 9/8-Takt [sic!]) übernommen.


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