Tag: Händel



20 Dec 09

Vor wenigen Tagen hörte ich in der Kölner Philharmonie eine brilliante Aufführung von Georg Friedrich Händels Messiah (Orchestre et Choeur du Concert d’Astrée, Emmanuelle Haïm).

Händels Oratorium war zu seiner Entstehungszeit nicht unumstritten. Kirchliche Hardliner regten sich auf und meinten, der biblische Stoff dürfe nicht derart weltlich verarbeitet werden. Selbst sein Librettist war über Händels Vertonung des Librettos entsetzt.

Händel war ein musikalisches Genie und ein erfolgreicher Geschäftsmann. Er komponierte nicht nur aus reiner Lust an der Musik, sondern weil die Aufführung seiner Stücke seinen Geldbeutel füllen sollte. Und er war nicht dumm. Lange  vor Marx und Lenin erkannte er, dass Religion das Opium des Volkes ist. Für seinen Messiah nutzt er diese Erkenntnis. Seine Musik kann ohne das alberne Libretto bestehen, umgekehrt nicht. Aber was nutzt die beste Musik, wenn niemand ins Theater geht, um sie zu hören? Also spannte Händel, vom Erfolg früherer Oratorien angespornt, den biblischen Stoff vor seinen Karren. Er machte sich die Religion zu nutze. Darin mag, von musikalen Aspekten abgesehen, der entscheidende Unterschied zu Bachs Weihnachtsoratorium liegen. Bach machte sich und seine Musik zum Diener der Kirche. Mit geschickten Kunstgriffen überhöhte er musikalisch die religiösen Texte. Drastischer formuliert: Die Kirche hat die Musik sich gefügig gemacht.

Händel hingegen war pfiffig genug, den Spieß umzudrehen. .. continue reading ..


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14 Apr 09

Ich wundere mich manchmal sehr über die Biografen großer Musiker. Nun, da sich Georg Friedrich Händels Todestag zum 250. mal jährt, rückt er ins Zentrum des Interesses. Deutschlandradio liefert einen Überblick über aktuelle Händelbiografien. Darin heißt es:

Weil die Quellenlage, nicht was die öffentliche Figur angeht, wohl aber das Persönliche, womöglich Intime, so überraschend dünn ist, fühlten sich Händelbiografen immer schon zum freimütigen Auspinseln jener Leerstellen eingeladen, an denen man dann den wahren, den eigentlichen Mann Händel zu erkennen meint.

“Dass Händels Privatleben geheimnisvoll, hinter einer Mauer des Schweigens versteckt ist, zeigt, wie schwierig, bedroht, einsam und leidvoll er es empfand”,

so wieder Messmer, der auch weiß, warum das so war: Der Meister war schwul.

Geheimnisvoll? Mauer des Schweigens? Versteckt? .. continue reading ..


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8 Mar 09

Eine geistlose, um nicht zu sagen dumme, und das widerum nur, um nicht zu sagen, saudumme Kritik über den Film “The Hidden Heard”, in dem es um das Leben des schwulen Komponisten Benjamin Britten geht, verfertigte ein gewisser Erik Daumann auf Klassik com:

Offenbar im Zugzwang der anscheinend so wichtigen Aufarbeitung gleichgeschlechtlicher Beziehungen unter Künstlern hat die Musikwissenschaft dieses angeblich wichtige Thema ‚Homosexualität’ schon längst aufgegriffen und so manchen unglückseligen Forschungszweig etabliert. Auch auf die Gefahr hin, gelyncht zu werden, sagt der hier Schreibende: Es gibt wichtigere und fruchtbarere Themen der Musikwissenschaft als Untersuchungen, ob es ein männliches oder weibliches Komponieren gibt, ob es gleichsam ‚schwule’ Musik gibt und wer unter den namhaften Komponisten der Musikgeschichte dem gleichen Geschlecht zugetan war. Man gehe bitte in sich und frage sich, welchen wirklich effektiven Nutzen dies für die Erkenntnisgewinnung innerhalb der Musikgeschichte haben soll. Wer käme denn ernsthaft auf die Idee, nach dem Hören von Brittens, Tschaikowskys oder Händels Musik zu fragen: ‚wie schwul ist das denn?’

Dafür, dass Daumann das Thema so ganz und gar nicht interessiert, schreibt er sich dann seitenlang seine und Britten’s Befindlichkeit von der Seele. Lesens- und zitierenswert ist es nicht, der Windling hat weder von Musik noch vom Schwulsein den Hauch einer Ahnung. .. continue reading ..


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3 Aug 08

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=BU4yvKuR1uc]

Wer kennt nicht den berühmten Glockenschlag aus dem St Stephen’s Tower in Westminster, die Westminster Chimes? Diese aus vier Tönen bestehende Melodie geht der Legende nach auf vier Töne aus dem 5. und 6. Takt der Arie “I know that my redeemer liveth” aus dem Messiah von Georg Friedirch Händel zurück. Auch Louis Vierne, seinerzeit Organist an der Großen Cavaillé-Coll-Orgel von Notre Dame/Paris kannte die Chimes und schrieb eines seiner berühmtesten Werke  über diese Tonfolge (hier vorzüglich von Philippe Delacour an der Stahlhut-Orgel von Sankt Martin/Düdelingen gespielt) . Aber kannte Vierne die Westminster Chimes wirklich?

Der Glockenschlag variiert wie folgt:

  1. E, D, C, G
  2. C, E, D, G
  3. C, D, E, C
  4. E, C, D, G
  5. G, D, E, C

Nach dem ersten Viertel erklingt die Tonfolge 1.

Nach dem zweiten Viertel die Tonfolgen 2 und 3.

Nach dem dritten Viertel die Tonfolgen 4, 5 und 1.

Nach dem vierten Viertel die Tonfolgen 2, 3, 4 und 5.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=LiKOhOzQyZg]

Die Glocken des St Stephen’s Tower sind übrigens in E-Dur gestimmt.

Wer nun bei Vierne genau zuhört, wird merken, dass Vierne in der zweiten Sequenz die Tonfolge verwechselt hat. Es heißt, dass Vierne’s Freund Henry Willis, ein Londoner Orgelbauer, der Vierne dieses Thema im Rahmen eines Improvisationskonzerts aufgegeben hat, so aufgeregt war, dass er Vierne die Tonfolge auf der Orgel falsch vorgespielt hat (nach verschiedenen Quellen soll er es Vierne vorgesummt haben). Vierne selber hatte zum Zeitpunkt dieser Improvisation den Glockenschlag noch nicht live gehört und hat den ‘Fehler’ in seine spätere Komposition (in D-Dur, 9/8-Takt [sic!]) übernommen.


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25 Jul 08

Diese Zeile aus Händel’s Messias fiel mir ein, als ich von den Erkenntnissen der Bundesregierung zur Religions- und Glaubensfreiheit auf unserem Planeten las.

Offenbar gibt es kaum eine Region, in der die Menschen nicht aus Glaubensgründen, religiösen Überzeugungen, für oder gegen einen gott (häufig ein und denselben) aufeinander losgehen.

So erfüllt

in einigen muslimischen Ländern die Konversion vom Islam zu einer anderen Religion nach den Regeln der Scharia den Tatbestand der Apostasie und kann mit dem Tode bestraft werden. Im Strafrecht verankert ist das Verbot des Religionswechsels in Brunei, auf den Komoren, in Mauretanien, Oman, Saudi Arabien und Sudan; in Jemen ist das Verbot der Apostasie sogar in der Verfassung verankert.

In Iran liegt dem Parlament ein Gesetzesentwurf vor, demzufolge erstmals auch das kodifizierte Strafrecht für Apostasie die Todesstrafe vorsehen würde. .. continue reading ..


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