18 Dec 08

Ich habe von diesem - unten zu schildernden - Verbrechen bis heute nichts gehört oder gelesen. Eine gut recherchierende ’schwule Presse’ gibt es in Deutschland nicht und für die überregionalen Mainstream-Medien war der Fall nicht interessant. Die Staatsanwältin erklärt warum:

Ich glaube, aus zwei Gründen. Einmal waren Polizei, Staatsanwaltschaft und Verteidigung still. So hat man es auch vor Gericht leichter, weil niemand etwas aus Zeitungen weiß und nachbetet. Und der zweite Grund ist der, dass das Opfer nicht jung und sexy war, nicht mal prominent, sondern ein alter Homosexueller. Da ist die Aufmerksamkeit nicht so groß, was auch wieder traurig ist.

Die Ortspresse schnüffelte ein wenig im Umfeld und in der Vergangenheit des Opfers,

Einmal, das war im Bierzelt beim Sommerfest im Ort, habe sich Jan S. auch an seinen Nachbarn heranmachen wollen, habe sich hautnah an den ehemaligen Lehrer hingesetzt, habe dessen Knie gestreichelt und ihm ins Ohr gehaucht: „Du hast so schöne Ohren.“ Der heute 67-Jährige blieb gelassen und sagte damals in sehr freundlichem Ton: „Bitte lasse zwischen Deinem und meinem Oberschenkel künftig immer zehn Zentimeter Luftraum. Und mein Ohrläppchen gehört ausschließlich dem weiblichen Geschlecht und da wiederum nur meiner Frau. – Von da an“, so sagt der ehemalige Lehrer vor Gericht, „war die Sache bereinigt und Jan hat nie mehr einen weiteren Versuch unternommen.“

ohne genügend Stoff für einen Skandal zu finden. ‘Der alte Homosexuelle’ war wohl zu anständig. Vielleicht passt es den Medien aber auch nicht, dass nicht ‘der alte Homosexuelle’ als schwer gestörte Lebensform dargestellt werden kann, sondern vielmehr die heterosexuellen Täter in diesem grausamen Verbrechen so gar nicht in das schöne schwäbisch-hessische Familienweltbild passen. Szenen, in denen der spätere Mörder von seiner Großmutter sexuell mißbraucht wurde und seinerseits seine Mutter und Mittäterin vergewaltigte, mag man, die in diesem Post verlinkten Presseartikel belegen es, der hochanständigen Welt nur andeutungsweise und sehr versteckt zumuten.

Jeder kann sich wohl die wochenlange mediale Schlammschlacht ausmalen, die sich abgespielt hätte, wenn das Opfer heterosexuell und die Täter homosexuell gewesen wären.

Ein Lob dem Gericht, das, soweit ersichtlich, es gar nicht erst, wie sonst durchaus nicht unüblich, erwogen hat, strafmildernd zu berücksichtigen, dass das Opfer, weil homosexuell, an seinem Schicksal selbst schuld gewesen sei:

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann und seine 49-jährige Mutter den 64 Jahre alten Rentner im April 2008 in Großerlach aus Geldgier zu Tode gequält haben. Sie hatten bei dem Opfer Wertgegenstände und 90 000 Euro Bargeld vermutet. Um den Mann zum Öffnen seiner Tresore zu bewegen, hatten sie ihn über mehrere Stunden schwer misshandelt.

So täuschte der 27-Jährige seinem Opfer, mit dem er eine homosexuelle Beziehung hatte, Zärtlichkeiten vor und schlug ihm dann mehrfach mit einer leeren Weinflasche auf den Kopf. Anschließend schoss er ihm, den Ausführungen des Richters zufolge, fünfmal mit einer Schreckschusspistole ins Gesicht. Dabei wurde das Trommelfell des 64-Jährigen beschädigt. Später übergoss der Mann den Rentner mit Reinigungsmittel und wollte ihn anzünden oder ihm einen Stromschlag versetzen. .. continue reading ..


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