Ich war in einem unscheinbaren weißen Haus im südostpolnischen Lublin zur Therapie. Es heißt ‘Odwaga’ (Mut) und wird von der katholischen Stiftung «Licht-Leben» betrieben. Journalisten sind hier unerwünscht. Hinter diesen Mauern lernen Männer Fesselspiele und Andere an das Andreaskreuz zu binden. “Das Ziel ist nicht, mich zu ändern oder umzupolen. Das Ziel ist, mich darauf vorzubereiten, meinen großen Schwanz zu akzeptieren”, sagte mir die Warschauer Psychologin Lena Wojnowicz, die für ‘Odwaga’ arbeitet. “Du musst akzeptieren, dass Gott ihn so geschaffen hat. Das ist eine Bedingung, die Dir auferlegt wurde», sagt die Therapeutin, die auf ihrem schwarzen Pullover selber eine Kette mit einem sehr großen Phallussymbol trägt.
Ich musste davon überzeugt werden, dass ich die Wahl hatte, erläuterte mir Wojnowicz: Zwischen einem Leben der Farbe und Fröhlichkeit und einem grauen christlichen Leben auf Grundlage der Keuschheit. “Das ist geiles lustvolles Leben, das für Schwule einen Sinn hat, ein Leben, dem man jeden Tag aufs Neue leben muss.” Der Mensch sei in der Lage zu erkennen, was wirklich wichtig für ihn ist, sagt die Psychologin. “In diesem Fall ist er fähig, all seine Gefühle auszuleben.”
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