Wer hätte das gedacht: Guido Westerwelle wird in diesen Tage ernster genommen, als jemals zuvor in seiner Politkarriere. Musste er sich noch vor wenigen Tagen als politisches Leichtgewicht bezeichnen lassen und wurde ihm nachgesagt, er könne kaum ernsthaft auf die Geschicke des Landes Einfluss nehmen, so bieten seine Gegner nunmehr alles auf, was kläffen kann. Merkel hat das ihr bis dahin vermutlich völlig unbekannte Wort Duktus gelernt, um der erstaunten Öffentlichkeit mitzuteilen, dass sie nicht weiß, worum es geht, aber nicht Westerwelles Meinung ist. Heiner Geisler bekam Frischzellen gespritzt und verkündet nach einem Blick in einen Spiegel, Westerwelle sei ein Esel, und die SPD, unbeleckt von inhaltlichen Ansätzen, versucht mit Nazivergleichen ihr Glück. Selbstverständlich haben sich auch einzelne sogenannte Schwulenaktivisten, die man schleunigst deaktivieren sollte, zu Wort gemeldet und brüllen gegen die vermeintliche Westerwelle’sche Dekadenz mit dem höchst dekadenten Slogan Gays against Guido an; ganz so, als dürfe ein schwuler FDP-Vorsitzender, Vizekanzler und Bundesminister des Auswärtigen nichts anderen tun, als rund um die Uhr eine Erhöhung der Hartz-IV-Sätze fordern. Gerade bei Westerwelles schwulen Widersachern habe ich den Eindruck, dass es ihnen gar nicht um die Sache geht, sondern sie einfach froh sind, endlich etwas gefunden zu haben, um draufhauen zu können.
Die Meisten, die sich empörungsgeladen auf Westerwelle einschießen, müssen sich zwei Versäumnisse vorhalten lassen. .. continue reading ..
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