In Mönchengladbach gibt es die s De Leckere Jecke:
Die KG “De Leckere Jecke” ist eine bunte Karnevalsgesellschaft, nicht allein wegen des Regenbogens, der am Revers der Vereinsuniform prangt. Vor fast sechs Jahren gründete sich die erste schwul-lesbische Karnevalsgesellschaft Mönchengladbach und ist mittlerweile nicht mehr aus dem Karneval wegzudenken. (Quelle: Rheinische Post)
54 Mitglieder hat der Verein, davon 15 Frauen (die natürlich kein Glied haben). Komisch: Keine der Frauen ist lesbisch.
Mönchengladbach ist auch einer der Standorte der Hochschule Niederrhein. Im Dezember 2009 berichtete queer.de über einen Vorfall an dieser Hochschule:
In dem Erstsemesterkurs “Psychiatrische und sozialmedizische Grundlagen” soll der Dozent nach Angaben der Studentenvertretung (AStA) behauptet haben, Homosexuelle seien “krank, weil sie nicht der Selbst- und Arterhaltung” dienten. Auch ein Vergleich zwischen “Europäern und Buschmännern” sei “grenzwertig” gewesen, so der AStA, bei dem sich mehrere Studenten beschwerten. Ähnliche Äusserungen habe er auch vor Erstsemestern gemacht.
Ein Gespräch mit AStA-Vertretern machte die Lage schlimmer: Der Dozent habe darin Homosexuelle mit Pädo- und Nekrophilen verglichen. Schwule seien im dritten Reich vergast worden, weil sie krank sind, Juden hingegen, weil sie “böse” waren.
Die Studentenvertreter schalteten daraufhin die Uni-Leitung ein. Diese behauptete, alle Äußerungen seien gedeckt von der Meinungsfreiheit und der Freiheit der Lehre. Die Studenten wurden gebeten, die Öffentlichkeit nicht über den Vorfall zu informieren, um den “Ruf der Hochschule nicht zu beschmutzen”. Dennoch veröffentlichten sie die Geschichte in detaillierter Form in der der AStA-Zeitschrift “42″. Als Konsequenz daraus entschied die Uni-Leitung, eine Evaluation zur Feststellung des Verhältnisses zwischen dem Dozenten und den Studenten durchzuführen. AStA-Vertreter kritisieren, dass sie selbst ein Jahr nach den diskriminierenden Äußerungen stets “mit leeren Versprechungen” abgespeist worden seien und der Dozent “ungestört seinen Lehrbetrieb” fortführen konnte.
Mit dem Verweis auf die Verfolgung unterschiedlicher Minderheiten im „Dritten Reich“ sollte die Auffassung der Medizin der Gegenwart als Kontrapunkt verdeutlicht werden: Meines Erachtens ist es ein Erfolg der Aufklärung, dass Krankheit nicht mehr mit moralischen Wertungen identifiziert wird. Kranke sind per se nicht moralisch (ethisch) verwerflich.
Damit rückt Grundl keinen Deut weit von der ihm zugeschriebenen Äußerung, homosexuelle Menschen seien krank, ab. Seine per-se-Formulierung steht ihm bei zukünftigen Behauptungen über die moralische Verwerflichkeit der Homosexualität nicht im Wege.
Der AStA der Hochschule Niederrhein ist über die Reaktion der Hochschulleitung mehr als entäuscht:
Der Asta-Vorsitzende Gläser ist wütend: »Es gibt kein Verständnis für die Problematik, wir schaffen es nicht, klar zu machen, dass das nicht in Ordnung ist.« Unter den Studierenden gebe es zwar viel Zustimmung für den Protest, aber mehr sei daraus nicht entstanden. »Sie gehen weiter zu seinen Seminaren hin«, so Gläser.
Entäuschend ist auch die ausbleibende Reaktion der Mönchengladbacher Öffentlichkeit. Grundl ist Gutachter für das Versorgungsamt für die Stadt Mönchengladbach und die Ortspresse (Rheinische Post) hat mehrfach über Grundls Lehrauffassung berichtet. Ob die Gleichgültigkeit gegenüber faschistischen Ansichten mit der besonderen Geschichte Mönchengladbachs erklärt werden kann?
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