4 Feb 10

Christl R. Vonholdt hat wieder einmal ihre geschundene Seele erleichtert und ihrem Tagebuch anvertraut, was sie umtreibt. Wie immer, wenn Christl schreibt, geht es um schwule Männer, und die aktuelle Diskussion über die Ergänzungs des Grundgesetzartikels 3 um das Merkmal der sexuellen Identität, lässt sie folgende Mitteilung machen:

Die „sexuelle Identität“ ist nicht angeboren. [...] Zudem sind sexuelles Begehren, sexuelles Verhalten und sexuelle Identität im Lauf eines Lebens mehrfach wandelbar.

Dahinter verbirgt sich Vonholdts Drohung, demnächst lesbisch zu werden.

Ernsthaft: Für Zwecke dieser Entgegnung kann es dahingestellt bleiben, ob Vonholdt den Begriff sexuelle Identität richtig auslegt und ob ihre Auffassung von der Wandelbarkeit richtig ist. Festzuhalten ist vielmehr, dass Vonholdt den Menschen abspricht, ihren Gefühlen folgen und den Menschen lieben zu dürfen, zu dem diese Gefühle führen. Sie weigert sich schlichtweg – und unbegründet – von ihrem Welt- und Lebensbild abzurücken und Liebe als beziehungsstiftendes Gefühl anzuerkennen. Indem sie gleichgeschlechtliche Beziehungen in den Bereich des Beliebigen verweist, bescheinigt sie allerdings verschiedengeschlechtlichen Beziehungen, nicht auf Liebe gegründet zu sein.

Renommierte Sexualwissenschaftler sind aufgrund ihrer Forschung der Auffassung, dass die „sexuelle Identität“ weder klar definierbar noch objektiv messbar ist. Je nachdem, welche Rechte jemand in Anspruch nehmen will, kann er sich selbst zur Minderheit mit dem Merkmal „sexuelle Identität“ zählen oder nicht. Die Soziologin Pepper Schwartz schreibt: „Da die sexuelle Identität rein subjektiv ist, kann sie letztendlich niemals jemand anderem als der betreffenden Person bekannt sein…“

Wie immer bleibt Vonholdt die Quellen der Erkenntnis schuldig. Denen in der Veröffentlichung auf Medrum durch Fußnoten hinzugefügten Verweisen fehlt es an Aktualität und den Vefassern an Renommee. Einerlei: Vonholdt spricht der menschlichen Identität ab, ein Wert an sich zu sein. Sie muss so postulieren, weil aus ihrer Sicht alle nicht ihrem Bild entsprechende Menschen wertlos sind.

Es gibt keinen Grund, warum verschiedenes subjektives sexuelles Begehren und persönliche sexuelle Verhaltensweisen grundgesetzlich unter Schutz zu stellen wären. Von Ausnahmen abgesehen, hat der moderne Staat im Schlafzimmer Erwachsener nichts zu suchen.

Die Vonholdt merkt nicht, wie sie sich selbst widerspricht. Unentwegt steckt sie ihre Nase in die Betten anderer Menschen, vorzugsweise in die schwuler Männer, und verlangt, wechselweise unter Hinweis auf das Gemeinwohl oder das Kindeswohl, der Staat habe ich dafür zu interessieren, was die Menschen im Schlafzimmer machen, insbesondere wenn in dem Schlafzimmer zwei Männer etwas miteinander machen, und speziell in dem Fall, in dem zwei Männer im Schlafzimmer Sex miteinander haben, einzuschreiten, und nun plötzlich macht sie ein Kehrwende und fordert das Gegenteil. Dabei bleibt die Vonholdt ihrer Linie treu: Immer gegen schwule Männer, egal wie die Fakten und Argumente zu (ver-)drehen sind.

Nebenbei bemerkt: Ihr ist ein Logikfehler unterlaufen. Wenn sich der Staat raushalten soll aus den Schlafzimmern, dann muss man alles aus den Gesetzes herausnehmen, was in irgendeiner Form auf die Schlafzimmer und die dortigen Geschlechterkombinationen bezugnimmt; also kein Splittingtarif, kein Erbschsteuererleichterungen und keine Besoldungszuschläge mehr für verschiedengeschlechtlich verheiratete Menschen.

Die Ehe als sexuelle Gemeinschaft wird nicht deshalb vom Grundgesetz besonders geschützt, weil sich der Staat hier um persönliche sexuelle Verhaltensweisen kümmern würde, sondern weil die Ehe der Ort ist, in dem Kinder nicht nur geboren werden, sondern auch am besten aufwachsen können. Wie keine andere Gemeinschaft trägt die Ehe zur Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft bei.

Der Beweis steht aus. Falls er erbracht werden sollte: Was spricht dagegen, gleichgeschlechtliche Ehen auch als Ehen zu bezeichnen und nicht anders als verschiedengeschlechtliche Ehen zu behandeln? Dem Vonholdt’schen Kinderwahn hat das Bundesverfassungericht erst kürzlich, einen Tagebucheintrag von Vonholdt habe ich dazu allerdings nicht gefunden,  trefflich den Wind aus den Segeln genommen.

In den Anträgen umfasst die „sexuelle Identität“ „Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, transsexuelle und intersexuelle Menschen“. Der FDP-Rechtspolitiker Sebastian Kluckert weist aber darauf hin, dass in diese Kategorie auch „Sodomisten oder Pädophile“ fallen können.

Und? Zumindest den sprachlichen Unglückfall des Kluckert hätte die Vonholdt korrigieren können. Vermutlich ist er ihr aber nicht aufgefallen, also schreiben wir meinetwegen im Grundgesetz dazu, dass Sodomisten und Pädophile, die bekanntlich vornehmlich aus den Reihen heterosexueller Menschen kommen, keine sexuelle Identität ist. In einer Fußnote setzen wir dazu, dass die merkwürdige Formulierung von Kluckert und Vonholdt stammt.

Wenn im Grundgesetz steht, dass niemand aufgrund seiner „sexuellen Identität“ benachteiligt werden darf, muss das gesamte Ehe- und Familienrecht geändert werden, um Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Transgendern und Transsexuellen eine gleichberechtigte „Ehe und Familie“ zu ermöglichen.

Ach Christl, die deutsche Sprache erlaubt die Verwendung des traditionellen Konjunktivs auch den Evangelikalen.

Selbst wenn Vonholdts letzter Halbsatz so zuträfe, würde sich die Änderung des gesamten Ehe- und Familienrechts auf eine winzige Änderung im Bürgerlichen Gesetzbuch erstrecken. Wem will die Vonholdt denn jetzt Angst machen? In welchem trüb-braunen Sumpf fischt sie denn jetzt schon wieder?

Ein Lebenspartnerschaftsgesetz für Bisexuelle wäre vielleicht der nächste Schritt.

Warum? Eine bisxuelle Frau und ein bisexueller Mann können heiraten (im traditionellen Sinne). Zwei bisexuelle Männer oder zwei bisexuelle Frauen können eine Eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen. Was da sonst noch an Kombinationen möglich ist, schwirrt wohl eher in Vonholdts Kopf herum, als dass es Lebenswirklichkeit ist.

In Vorpubertät und Pubertät haben viele Jugendliche entwicklungsbedingt Unsicherheiten in Bezug auf ihre Identität und ihre sexuelle Identität. Wenn alle sexuellen Identitäten als gleich im Grundgesetz verankert sind, wird das in Kindergarten- und Schulbüchern so vermittelt werden müssen.

Die Vonholdt ist Kinderärztin (!) und hat Angst davor, dass Kinder etwas über das Leben erfahren! Ich fürchte, wenn es nach der Vonholdt ginge, hätte wir nicht einmal Schwarzweißfernsehen und Schulbücher gäb’s gar nicht, da könnte ja was Gefährliches drinstehen.

Den Kindern wird damit das Leitbild der monogamen Ehe (ein Mann und eine Frau) als Orientierung für ihr Leben genommen.

Da offenbar sich einmal mehr die evangelikale Menschenfeindlichkeit. Eine bestimmte Auffassung wird als Leitbild festbetonniert und wehe allen, die Fragen stellen, die mehr wissen wollen, als der evangelikale Verstand erklären kann.

Kinder lernen nicht mehr, dass Ehefähigkeit eine kulturelle Leistung ist, die erst entwickelt werden muss.

Die spinnt, die Vonholdt. Eine echte kulturelle Leistung wäre es, wenn die Vonholdt und ihre Anhängsel zu der Einsicht kommen würden, dass das menschliche Leben so viel mehr zu bieten hat, als Vater, Mutter, Kind. Ein Blick in die Tagesnachrichten könnte ihr eröffnen, dass viele der traditionenellen Ehen und die aus diesen hervorgehenden gequälten Kinder keine kulturelle Leistung sind.

Da alle sexuellen Lebensweisen gleich sind, werden viele Jugendliche sexuell mehr experimentieren – mit allen damit verbundenen gesundheitlichen und seelischen Risiken.

Neugier nennt man das. Eine der schönsten Gaben, die wir Menschen haben. Es wäre töricht, sie jungen Menschen wegzunehmen.

Die Verunsicherungen über die eigene Identität werden dadurch zunehmen.

Nur, wenn Leute wie die Vonholdt weiterhin dummes Zeug von sich geben.

Aufgrund der dargelegten Bedenken ist eine Erweiterung des Grundgesetzes um das Merkmal „sexuelle Identität“ abzulehnen.

Dargelegte Bedenken? Verzeihung, aber wenn die Vonholdt so etwas schreibt, kommt mir das vor, wie der letzte Gag in einer Büttenrede.

Related posts


Filed under: Glaube, Homophobie

Trackback Uri


2 Comments.

  • grinspause says:

    Jetzt auch endlich auf kath.net zu lesen! Dort mit entsprechender Begeisterung aufgenommen. Macht schon nachdenklich, die katholische Leserschaft zu empfänglich für unwissenschaftliche Stimmungsmacherei zu erleben, während ausgerechnet die evangelikale Zielgruppe auf medrum.de sich durchweg kritisch zu dem Geschreibsel äußert. Wer hätte das gedacht.

    • Interessante Beobachtung. Es könnte daran liegen, dass ein großer Teil der Medrum-Leser auch bei mir mitliest und vielleicht etwas begriffen hat… (nein, ich glaub’s nicht wirklich ;) )



Leave a Comment



Subscribe without commenting