3 Feb 10

Der Skandal um das Berliner Canisius-Kolleg liefert nicht nur Einblicke in Einrichtungen der römisch-katholischen Kirche. Er ist auch ein Paradebeispiel, wie sich die Kirche ent-schuldigt und sich Sündenböcke sucht. Wie so oft müssen homosexuelle Menschen dafür herhalten.

Ganz beiläufig lässt der Leiter des Kollegs, Klaus Mertes, folgende Bemerkung fallen,

Die Kirche leidet an Homophobie. Homosexualität wird verschwiegen. Kleriker mit dieser Neigung sind unsicher, ob sie bei einem ehrlichen Umgang mit ihrer Sexualität noch akzeptiert werden

und wird forthin als mutiger Ermittler, Aufklärer gar, gefeiert und für seine kritischen Worte an seine eigene Kirche gelobt.

Doch was haben die Vorfälle im Canisius-Kolleg mit Homophobie und Homosexualität zu tun?

Nichts! Es gibt keinen Beweis und keine belastbaren Anzeichen, dass die Täter homosexuell sind. Homosexualität und Pädophilie zwei ganz verschiedene paar Schuhe und in Bezug auf die Missbrauchsfälle in der römisch-katholischen Kirche liegt das Problem bei den pädophilen, nicht bei den homosexuellen Priestern.

Mertens Homophobie-Homosexuellen-These ist bereitwillig aufgenommen und zum Beispiel von einem Sprecher des Bistums Berlin nachgeplappert worden. Auch die Medien drucken sie gerne und unhinterfragt ab.

Nach und nach werden der Öffentlichkeit Details bekannt. Einer der Täter ist verschiedengeschlechtlich verheiratet und hat mindestens ein Kind, von einem zweiten heißt es, er sei auch für den Mißbrauch von weiblichen Jugendlichen verantwortlich zu machen.

Mertens dürften im Zeitpunkt seiner Äußerungen die Lebensläufe der Täter bekannt gewesen sein. Warum stellt er also einen Zusammenhang mit Homophobie und Homosexualität her? Die offensichtliche Homophobie in der römisch-katholischen Kirche macht niemanden zu einem pädophilen Menschen und wenn ein Priester oder Ordensmann Jugendliche mißbraucht, hat das widerum nichts mit Homosexualität zu tun; insbesondere dann nicht, wenn die Täter über alle, einerlei ob männlich oder weiblich, herfallen, die sich nicht wehren können.

Mertes hat den Schritt an die Öffentlichkeit und die vorhergehende Briefaktion ohne Not getan. Zeit, sich ein ausgeklügeltes PR-Konzept zu überlegen, hatte er. Und es scheint aufzugehen. Er steht als der große, mutige Held dar und, ganz suggestiv, reinigt er seine Kirche von Schuld und schiebt den Schmutz und Dreck seines Vereins homosexuellen Menschen zu. Kaschiert mit dem Selbstvorhalt der Homophobie wird die innerkirchliche Tätergruppe eindeutig bezeichnet: Nicht die heterosexuellen Priester sind es, die tüchtig Frauen ficken würden, wenn sie dürften, sondern die homosexuellen Männer sind es, die sich an den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen vergreifen.

Mertes hält damit das Lügengeflecht der römisch-katholischen Kirche aufrecht. Er wird damit seinem Kirchenführer in Rom gefallen. Dieser erklärte jüngst zur Vorbereitung seiner Großbritannienreise, dass die römisch-katholische Kirche, insbesondere ihre Moral, die sich in Berlin so schön zeigte, über jeden Zweifel erhaben, schwule Menschen jedoch, weil wider die Natur, immer zu diskriminieren und zu bekämpfen  seien.

In Deutschland wird man sich wohl wieder von den Mertes’ und Ratzingers einlullen lassen. Die Briten jedoch werden dem Hitlerjungen Ratzinger kräftig Feuer unterm Hintern machen.

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Filed under: Glaube, Homophobie, Medien

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4 Comments.

  • Clamix says:

    Im Gegenteil: Die britische Regierung scheint einzuknicken…
    http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,675726,00.html

    • Dieses Amendment ist nicht so wichtig. Zumindest habe ich bisher nicht verstehen können, warum schwule Menschen unbedingt für die Kirche arbeiten wollen.

      Aber ich meinte auch gar nicht die Regierung ihrer Majestät (die den Ratzinger ja überhaupt nicht leiden kann), sondern vielmehr, wie die Öffentlichkeit und die Medien mit dem Besuch umgehen werden. GBP 20 Mio auszugeben, nur um einen Nazi ins Land zu schaffen, wird wohl nicht überall gut angekommen.

  • Naja says:

    Genauer lesen: Laut Tagesspiegel handelt es sich um sexuelle Übergriffe an mindestens sieben Schülern zwischen 13 und 17 Jahren.
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/Canisius-Kolleg-Missbrauch;art270,3015099

    LehrerInnen, die sich sexuell an Schülern vergehen, sind schlicht VerbrecherInnen, wobei bei Opfern unter 14 §176 und bei Opfern über 14 §174 anwendbar ist. Es ist empörend, dass die Taten erst herausgekommen sind, wenn sie wahrscheinlich verjährt sind.

    Nachdem es anscheinend auch Fälle von missbrauchten Mädchen in der Jugendarbeit gegeben hat, handelt es sich bei den Tätern kaum um ausschliesslich homosexuell Veranlagte.

    Andererseits kann man schon im Fall eines 13jährigen Gymnasiasten kaum von Pädophilie (sexuelles Interesse an Kindern vor der Pubertät) sprechen – im Fall von 14-17jährigen Gymnasiasten ganz sicher nicht.

    Hetero-, bi- oder homosexuelle Männer, die sich sexuell für 14-18jährige Jugendliche interessieren, sind nicht pädophil. Wenn sie bei Schutzbefohlenen sexuell aktiv werden, sind sie Sexualverbrecher – genau wie Leute, die Erwachsene vergewaltigen – und das soll deutlich ausgesprochen und entsprechend strafrechtlich verfolgt werden. Aber in solchen Fällen von Sex mit Kindern und Pädophilie zu reden, ist schlicht nicht korrekt.

    Es hat in der katholischen Kirche auch zahlreiche eindeutige Fälle von Pädophilie gegeben, z.B. im Fall von Norbert Denef der mit zehn Jahren missbraucht wurde – aber wenn die Opfer vierzehn und älter sind, sollte man auf den Spruch vom pädophilen Priester verzichten. So ein Täter ist so wenig pädophil wie ein Vierzehnjähriger, der mit seiner gleichaltrigen Freudin schläft.

    • Sirdanc says:

      Pädophilie und Päderastie sind ohnehin unbrauchbare Begriffe, da sie aus dem historischen Kontext gerissen sind; und klingen überdies – nach meinem Empfinden – verharmlosend.
      Besser wäre es von (Sexuellem) Missbrauch, Kindesmissbrauch und Vergewaltigung zu sprechen, denn darum handelt es sich.
      Hier nutzen sexuell deformierte Menschen, hilflose, schächere oder untergebene Menschen aus, um sich sexuelle Befriedigung zu verschaffen.
      Die sexuelle Identität der Täter spielt dabei keine Rolle, da sie nach Opfern und nicht nach Sexualpartnern suchen. Daher kommt es durchaus vor, dass Männer, wie auch Frauen sich an Mädchen und Jungen vergehen. Die ‘Auswahl’ ihrer Opfer folgt lediglich der ‘Verfügbarkeit’ (so zynisch das für manche klingen mag) und ist daher rein willkürlich. Einen Kinderschänder von einer Jungenschule auf eine Mädchenschule zu versetzen ist also überhaupt keine Lösung.
      Im übrigen sind Kinder Kinder. Und das mindestens bis zum 16ten Lebensjahr, nach meiner Ansicht noch lange darüber hinaus.
      Man kann also durchaus den ‘Spruch’ vom “pädophilen Priester” ersetzen durch den ‘durch Erziehung und Religion sexuell deformierten Kinderschänder’.
      Wer sich zur sexuellen Befriedigung wehrlose Menschen, also Opfer sucht, hat keine ‘pädophile Veranlagung’. Mit so etwas wird man nicht geboren. So etwas entsteht durch V-Erziehung, sexuelle Unterdrückung und Frustration, und durch Misshandlung. Daher sollte hinter dem Opferschutz auch die Behandlung der Täter stehen – UND die Suche nach Mitverantwortlichen, sofern diese zu identifizieren sind. Nicht selten gibt es eine deutliche Spur zu einem/einer religiösen FanatikerIn, die mit Ideen von ‘Keuschheit’, Unschuld, Unreinheit, Sünde und Verdammnis eine solche Deformation erst ausgelöst hat.
      Ausserdem sollte der Schutz von alten und behinderten Menschen ebenfalls verbessert werden, da auch diesen oft unbemerkt zu Opfern werden.



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