5 Jan 10

In Köln wird “Skandal” gerufen. Genauer gesagt, auf der Homepage des Freundeskreises ROSA ARCHIV & Bibliothek und dem dazugehörigen Blog:

Was erregt nun die Gemüter?

Es geht um den Internetradioanbieter mySCOUT!com-Radio (CMO Internet Dienstleistungen GmbH, Geschäftsführer Thorsten Norman Mitschele). Dieser Anbieter behauptet von sich selbst:

mySCOUT!com-Radio spielt 24 Stunden am Tag voll schwule Musik. Musik von homosexuellen, bisexuellen und transsexuellen Künstlern und Bands, Titel mit schwulem oder lesbischem Inhalt oder auch Soundtracks schwul-lesbischer Filme! Musik aus allen Stilrichtungen und aus allen Generationen schwuler Kunst und Kultur – einfach alles, was mit dem Thema Homo-, Bi- und Transsexualität zu tun hat.

Mindestens seit dem 19.12.2009, so berichtet Jürgen Zehnle auf den Seiten des Freundeskreises ROSA ARCHIVS, spielt dieser Sender Musik von Bennie Man, Elephant Man und Sizzla, allesamt jamaikanischen Hassstotterer, die die Ermordung schwuler Menschen propagieren. Auf die Dokumentation auf der Homepage des Freundeskreises sei hingewiesen.

MySCOUT!com-Radio muss für jedes gespielte Lied sogenannte GEMA-Gebühren entrichten, die letztlich dem jeweiligen Hassstotterer zufließen. Wie ein ’schwules Internetradio’ extreme Schwulenhasser unterstützten kann, ist mir unverständlich.

Geschäftsführer Mitschele versucht sich wie folgt rauszureden:

Nun gibt es zwei Sichtweisen zu diesem Thema, [...]

Das richtig. Die eine Sichtweise beinhaltet, Hasssängern das Leben so schwer wie möglich zu machen und nicht durch Konzertbesuche, Abspielen ihrer Stücke im Radio, et cetera, wirtschaflich zu fördern Die anderer Sichtweise, der Mitschele wohl anhängt, besteht darin, die Homophobie dieser Hassmusiker zu ignorieren und ihre nicht explizit schwulenfeindlichen ‘Lieder’ so zu spielen, als sei nicht gewesen.

Was sein Internetradio betreibe, sei

Aufklärung und Weiterbildung

Wer worüber und mit welchen Mitteln aufgeklärt werden soll, verrät Mitschele allerdings nicht.

Mitschele, auf dem geistigen Niveau diverser Konzertveranstalter, die  den Homophoben aus Jamaika nur allzu gerne eine Bühne bieten,  argumentierend, kommt dann im Rahmen seines Bildungsprogramms dazu, mitzuteilen:

Es ist ein heikles Thema und nicht einfach da eine vernünftige Lösung zu finden.

Nun, die Lösung liegt auf der Hand: Hassmusik und Musik von Hasstotterern gehört nicht in ein ’schwules Internetradio’.

Statt dessen aber will Mitschele zukünftig homophobe Titel

nur auf Verlangen oder in Sondersendungen spielen

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Ein ’schwuler Radiosender’ bietet an, auf Verlangen Hassmusik zu spielen oder für die Hassmusikbedürftigen sogar Sondersendungen ins Programm zu nehmen!

Der auf der Homepage des Freundeskreises ROSA ARCHIV & Bibliothek geäußerten Kritik an dem Internetradio und den treudoofen Einlassungen Mitscheles schließe ich mich an. Nicht folgen kann ich aber der Kritik am LSVD:

Und was aber am schlimmsten an dieser Geschichte ist, ist das immer dabeisein des LSVD-Logos. Gerade der LSVD, der monatelang gegen Beenie Man und Konsorten öffentlich auftrat, um Auftrittsverbote in Deutschland zu erreichen (siehe seine zahlreichen LSVD-Presseerklärungen), eben dieser LSVD schaut zu, wenn unter seiner Flagge diese schwulenhassenden Interpreten ihre Lieder (worin man auch zur Ermordung von Schwulen aufruft) tagelang – 31 mal in ca. 8 Tagen – und teilweise mehrmals am Tag auf diesem Sender abgespielt werden.

Nun, der LSVD wird wohl kaum veranlasst haben, dass mySCOUT!com-Radio das LSVD-Logo dort platziert, wo Jürgen Zehnle es gefunden hat (zwischenzeitlich ist es übrigens entfernt worden und lediglich in der Fußzeile der myScout!com-Webseiten wird auf die Mitgliedschaft im LSVD hingewiesen). Und selbst wenn die Platzierung des Logos auf Betreiben oder mit Einverständnis des LSVD dort platziert worden sein sollte, heißt das noch lange nicht, dass der LSVD zum Gewährleister einer garantiert homophobiefreien Programmgestaltung mutiert. Darüber hinaus kann der LSVD nicht alle Internetseiten überwachen, auf denen berechtigter- oder unberechtigerweise sein Logo verwendet wird. Dies gilt umso mehr, als die Damen und Herren vom LSVD über die Weihnachtszeit vermutlich schöneres zu tun hatten, als Internetradios abzuhören.

Die Kölner Forderung

Na, da ist UNS allen aber der LSVD eine aussagekräftige und vor allem glaubhafte Erklärung schuldig!

an den LSVD ist überzogen. Der LSVD muss gar nichts erklären. Allerdings wird der LSVD im Hinblick auf die Internetradioprogrammgestaltung seines Mitglieds CMO Internet Dienstleistungen GmbH und vor allem aufgrund der durch ihren Geschäftsführer erklärten Absicht, zukünftig nicht nur Musik von Hassstotterern, sondern auch Hassmusik zu spielen, einen Blick in seine Satzung werfen und die Anwendung des § 3 Absatz 5 1. Alternative, die da lautet

Ein Ausschluss kann nur aus wichtigem Grund erfolgen. Wichtige Gründe sind insbesondere  ein die Vereinsziele schädigendes Verhalten,

zu prüfen haben.

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Filed under: Homophobie, Medien

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