3 Jan 10

Man habe doch gar nichts gegen schwule Menschen, liebe sie sogar, lehne nur die Homosexualität als südig ab – so oder ähnlich versuchen Evangelikale und Anverwandte, auch in den Kommentaren zu meinen Posts, sich als liebevoll darzustellen und über ihre hassende Schwulenfeindlichkeit hinwegzutäuschen.

Menschen, die so reden, wissen überhaupt nicht, was sie anrichten, wenn sie ihrem Kind, ihrem Bruder oder einem anderen nahestehenden Menschen sagen, dass sie ihn für einen Sünder halten.

„Bevor ihr zu Hause oder im Platz der Anbetung Amen widerhallen läßt, denkt und erinnert euch: Ein Kind hört zu.“

Mary Griffith

Kürzlich habe ich den Film ‘Prayers for Bobby’ gesehen. Dieser Film schildert eindrucksvoll das Leben von Mary Griffith, die ihren Sohn Bobby mit dem ständigen Hinweis, er sei ein Sünder, den sie selbstverständlich liebe, in den Tod getrieben hat. Der verdammte Glaube, das ständige Herumfuchteln mit Bibelsprüchen, all der Hass, den die evangelikale Sippe verbreitet, entfremdte nicht nur Bobby und seine Familie, er zerstörte auch Bobbys Zukunft.

Schade ist, dass für den Fersehfilm Stoff, der ohne weiteres für einen Mehrteiler ausreicht, auf knapp 90 Minuten eingedampft und die entscheidenden vier Jahre in Bobbys Leben dramaturgisch ziemlich zusammengequetscht wurden. Allerdings hat diese Verkürzung den Film, zumindest in den USA, auch für ein breites Publikum aufnehmbar gemacht. Die auszeichneten schauspielerischen Leistungen von Sigourney Weaver als Mary Griffith, Ryan Kelly als Bobby und Dan Butler als Larry Whitsell und die gut gelungene Nachzeichnung des monatelangen Prozesses, in dem Mary Griffith endlich zur Vernunft kommt, machen den kleinen Mangel in der anfänglichen Dramaturgie mehr als wett.

Der Film ist äußerst sehenswert. Warum er für Kinder ungeeignet sein soll (FSK 12) erschließt sich mir nicht. Wovor haben die Christen Angst?

Zum kotzen – Verzeihung! – ist wie so oft die deutsche Synchronisation. Die Stimmen der männlichen Synchronsprecher passen allesamt nicht zu den Charakteren, wirken hölzern und gleichförmig. Das Wort schwul wird entweder schwwwwwul oder schwuuuul ausgesprochen, was darauf hindeutet, dass die Herren wohl Probleme mit dem Thema des Films haben. Aber glücklicherweise enthält die DVD auch die originale Audiospur.

Übrigens: Es ist nicht notwendig, die DVD bei dem Nazi-Förderverein Amazon zu beziehen. Es gibt auch weniger rechtslastige Händler.

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Filed under: Homophobie, Medien, USA

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