Hört man Herbert Grönemeyers Singversuch ‘Bochum’, kann der Eindruck entstehen, die Menschen in Bochum hätten von Musik keine Ahnung. Die reichhaltige Bochumer Orgellandschaft beweist jedoch das Gegenteil.
Die vielleicht interessanteste der Bochumer Orgeln befindet sich in der Propsteikirche Sankt Peter und Sankt Paul in der Bochumer Innernstadt. Dort hat der Dorstener Orgelbauer Franz Breil in den Jahren 1958 und 1959 seitlich auf der Querhausempore unter räumlich ungünstigen Bedingungen eins seiner großen Nachkriegsinstrumente errichtet. Nach Erweiterungen in den Jahren 1974 und 1977 verfügt die Orgel heute über 44 Register auf Hauptwerk (elf Register), Rückpositiv (zehn Register), schwellbarem Brustwerk (zehn Register), Pedalwerk (zehn Register) und einer in drei Fußlagen ausgeführten Trompeteria, der das vierte Manual des Spieltisches vorbehalten ist. Dazu gibt es zwei Zimbelsterne, Normalkoppeln und drei freie Kombinationen. Das Pfeifenwerk steht auf Schleifladen, die Trakturen sind elektrisch. Franz Breil, Rudolf Reuter und Gerhard Tipp, der damalige Organist, haben die Disposition entworfen.
Breil war einer der ersten deutschen Orgelbauer, der sich an den Bau von Horizontaltrompeten wagte. Mit der Bochumer Propsteikirchenorgel erhielt zum ersten Mal im Ruhrgebiet ein Instrument Spanische Trompeten in drei Fußlagen (16′, 8′ und 4′).
Breil-Orgeln erfreuen sich heute allgemein keiner großen Beliebtheit. Sie sind Kinder ihrer Zeit und Breil hat den Anschluss an die Zeit verpasst. In den 1950iger bis 1970iger Jahren war Breil im westfälischen Raum und den angrenzenden Gebieten der marktbeherrschende Orgelbauer. Mit dem Ableben Rudolf Reuters, der ‘Obersten Instanz’ in der westfälischen Orgeldenkmalpflege und Mentor Breils, endete die Vormachtstellung des Dorstener Orgelbauers und es folgte in den 1980iger Jahren ein jäher Absturz. Breil konnte weder mit den großen Fabrikorgelbauern, wie Klais, noch dem Historismus verfallenen Werkstätten, wie Ahrend, mithalten.
Man mag darüber streiten, ob die Orgel in der Bochumer Propsteikirche einen guten oder schlechten Charakter hat. Im Gegensatz zu der wesentlich jüngeren und wesentlich größeren Klaisorgel im Bochumer Audimax hat sie wenigsten einen Charakter. Deshalb freut es mich, kürzlich erstmals ein Tondokument dieser Breil-Orgel gefunden zu haben:
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=MnnFznsLznM]
Jacques-Nicolas Lemmens: Fanfare D-Dur
Der Organist ist mir leider nicht bekannt.
Related posts
Filed under: Miscellaneous
Trackback Uri



Commentaries