21 Dec 09

Vor wenigen Tagen startete der Film Avatar in den Kinos (in Deutschland wurde der Filmtitel überflüssigerweise mit dem Zusatz  “Aufbruch nach Pandora” versehen). Es soll sich um einen der teuersten, nach verschiedenen Quellen: um den teuersten Film, der bisher gedreht wurde, handeln. Ich habe die deutschen und englischen Trailer gesehen, an denen man offensichtlich gespart hat, und beschlossen, dass das Filmvergüngen anderen vorhalten bleiben darf (ich habe doch jetzt nett formuliert, was ich von dem Film halte, oder?).

Aber darum geht es jetzt nicht. Via give me a second…. bin ich auf den Blog “Stop Avatar The Future is Transgender not Straight” gestoßen.  Auf dem Blog wird allen Ernstes zu Protesten gegen den Film aufgerufen:

On Friday, December 18, 2009 thousands of people will be protesting the release of the James Cameron movie, Avatar.

Ich habe keine zuverlässige Quelle gefunden, die bestätigt, dass diese Proteste, geweige denn Massenproteste, stattgefunden haben.

The purpose of the protest is as follows:

1) To make all people aware that heterosexual arrogance, assumptions or exclusions of alternative sexualities in movies is no longer acceptable. Diversity and tolerance are human rights.

Bedeutet das, dass nun in jedem Film Quoten-LGBT auftauchen müssen? Auch in Hetero-Pornos? Und muss in jeder romantischen heterosexuellen Liebesgeschichte mindestens einmal gleichgeschlechtlich geknutsch werden? Vorsicht! Die Forderung kann umgekehrt an alle Filme mit ’schwuler Thematik’ gerichtet werden.

2) To speak out for all gay, bi-sexual, genderless and transgender people who are not represented by any character in Avatar.

Mit Verlaub: Es kotzt mich nach wie vor an, das schwule Menschen vor den Karren anderer gespannt werden sollen.

3) To educate people about Evolution and humanity’s transition to transgenderism.

In einem SF-Film? Und woher wollen die Heinis überhaupt wissen, was die Evolution für die Menschen bereit hält?

An anderer Stelle wird erklärt:

1) Avatar may alienate bi-sexual, gay and transgender film-goers.

Niemand ist gezwungen ins Kino zu gehen und diesen Film zu sehen. Ich schaue ihn mir ja auch nicht an!

2) Avatar may in fact, have a pro-heterosexual message or theme.

Ja und? Pro-heterosexuell ist nicht anti-homosexuell. Jedenfalls möchte ich umgekehrt pro-homosexuelle Darstellungen nicht als anti-heterosexuell verstanden wissen! Im Übrigen: Warum sollte den LGBT vorgegaukelt werden, in der Zukunft wäre alles besser?

3) Is Avatar sending a message against Evolution? Science has proven that Darwinian Evolution is fact and humans are currently evolving from the male/female gender gap in Transgender state. From what we can see, Avatar fails to reflect this in its depiction of humans in the future. The film also seems to assume that intelligent beings from other worlds would also be split along male/female gender lines and not be transgender. Why?

Hallo! Das ist ein Film, das ist die Fantasie irgendwelcher Filmemacher und keine Dokumentation der Zukunft.

4) Last but no least, we are also concerned about the militaristic plot elements of Avatar which could convince younger viewers that military life or the use of violence is acceptable.

Okay, schaffen wir die Filmindustrie ganz ab.

Außerdem droht folgende Erleuchtung:

Here’s a summary of what is wrong with the Avatar film:

1) Avatar assumes that the heterosexual, “male” and “female” attraction will still be the primary relationship basis in the future.

Warum sollte der Film den Eindruck erweckten, dass es in ein paar Jahrhunderten anders wäre? Es deutet kaum etwas darauf hin.

2) Avatar ignores the fact of Evolution. Humans are evolving to be being Transgender, NOT heterosexual,

Ich werde mich nach Kräften dagegen wehren, in diesem Transgender-Wischiwaschi unterzugehen.

3) Avatar also assumes that intelligent beings on other worlds would be hetrosexual.

Viel schlimmer ist doch, dass der Film suggeriert, intelligentes Leben würde mit uns Menschen etwas zu tun haben wollen. “The fact that mankind has not been contacted yet shows us that there is intelligent life out there”, soll ein britischer Astronom in einem BBC-Interview geäußert haben.

Ich bin sehr dafür, gegen (offene und versteckte) Homophobie in Film und Fernsehen zu protestieren. Ich sehe aber nicht, dass das Fehlen eines LGBT-Charakters in einem SF-Film irgendetwas mit Homophobie zu tun hat.

Bedenklicher ist vielmehr die Vorstellung der zukünftigen Welt, welche die Initiatoren der Proteste zur Schau tragen. Es gibt, von heterosexuellen Menschen mal spöttisch, mal gehässig vorgetragen, den Vorhalt, irgendwann werde Schwulsein zur Pflicht (oder, im Sinne der Protestler: LGBTsein zur Pflicht). Offenbar wollen die Anti-Avatar-Protestierer genau das erreichen. Ein Blick in die Follower-Liste des Stop-Avatar-Blogs

offenbart, nicht überraschend, die Nähe zu faschistoiden Kreisen.  Einer der Follower, an dem verwendeten Symbol eindeutig zu erkennen, offenbart: We’re Nazi’s. We’re Gay. Get used to it! Dahinter verbergen sich Zukunftsvorstellungen, die mit meinen nichts gemein haben!

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Filed under: Homophobie, Medien, USA

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1 Comment.

  • Leave says:

    “In einem SF-Film? Und woher wollen die Heinis überhaupt wissen, was die Evolution für die Menschen bereit hält?”

    mal davon abgesehen, dass die Protestanten automatisch davon ausgehen, dass die Navi die gleiche Evolutionsgeschichte wie die Menschen besitzen. Die Navi als nächster Punkt in der Evolutionsgeschichte. Dass diese Spezies auf einem ganz anderen Planeten, unter anderen planetarischen Gegebenheiten und in einem ganz anderen Sonnensystem entstanden, lassen die ja völlig außer Acht. Wieso besteht bei diesem Film plötzlich dieser Identifikationsdrang, wenn es doch eine ganz andere Spezies ist? Bei Alien hat sich auch niemand aufgeregt….

    ps: thx für die Verlinkung.



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