Fast immer wenn Justitias Waage aus der Waage gerät, wenn Richter nicht Recht sondern Unrecht sprechen, wenn sie den Blick auf die Wahrheit verlieren, haben Rechtsanwälte mit schmutzigen Fingern dieselben im Spiel.
Es gibt Rechtsanwälte, die mutwillig oder willfährig sich vor den Karren des Unrechts spannen lassen. Ihnen ist es nicht wichtig, die Wahrheit ans Licht zu bringen; ihr Ziel ist es vielmehr, zu verdunkeln, zu vertuschen und zu vernebeln. Nichts fürchten sie mehr, als den klaren Blick der Richter auf sei Sach- und Rechtslage.
Selbstverständlich ist nun nicht jeder Rechtsanwalt bereit, Tatsachen zu modellieren und Gedanken zu manipulieren. Weil es aber nicht allzu wenige sind, die eher auf Stimmungen und Strömungen als auf die Erforschung der Wirklichkeit setzen, darf die Frage gestellt werden, warum diese Berufgruppe, die sich ausnahmslos aus Menschen mit einem hohem (formalen) Bildungsstand zusammensetzt, so anfällig ist, das Recht zu beugen, zu verletzen, zu missachten. Was sind die Motive dieser Menschen, wie sind ihre Methoden?
Die Motive mögen sich gar nicht so sehr von denen der Menschen in anderen Berufsgruppen unterscheiden: Übersteigertes Geltungsbewusstsein, Gier, Lust am Leid anderer, Geldnot, Missgunst,…
Einen Einblick in die Methoden liefert uns ein Rechtsanwalt. Ein Rechtsanwalt soll Anwalt des Rechts sein. Doch Carlos A. Gebauer, Rechtsanwalt und Laiendarsteller in der RTL-Gerichtsshow ‘Das Strafgericht’, vermittelt uns einen ganz anderen Eindruck. In ‘eigentümlich frei‘, einem Mitteilungsblättchen für rechte Zirkel, schreibt er:
Es gab Zeiten, da waren Schwule weithin ungewollt. Selbst das Wort „schwul“ war eine Herabwürdigung. Diese dunklen Zeiten sind vorbei. Gut so.
Wir erkennen den ersten Trick aus der Methodenlehre des juristisch gebildeten Rechtsverdrehers: Es wird ein Zustand belobigt, der gar nicht existiert. Die aktuelle Heitmeyer-Studie zeigt es: Homophobie nimmt in Deutschland zu und – nach verschiedenen Quellen – rund 40 vH der Deutschen lehnen schwule Menschen ab. Wer lieber für Billigproduktionen in Fernsehstudios herumturnt als am wirklichen Leben teilnimmt, weiß natürlich auch nicht, dass die Begriffe ’schwul’, ‘Homo’ und ’schwule Sau’ zu den beliebtesten Schimpfworten auf deutschen Schulhöfen und darüber hinaus gehören.
Homosexualität ist weder Krankheit noch Verbrechen. Sie ist allenfalls Anderssein als andere. So wie jeder in Bezug auf irgendetwas stets anders ist als andere.
Trick zwei: Die scheinbare, verständnisheuchelnde Verbrüderung, der dann die Attacke folgt.
Schon Platon
Trick drei: Man berufe sich auf namhafte Gelehrte, die sich infolge Ablebens nicht mehr gegen ihre Einvernahmung wehren können.
aber wusste: Extremata neigen dazu, in ihr Gegenteil zu fallen. Wo Schwulsein also einstmals inakzeptable Ausnahme war, da will nun scheinen, als werde es bald einzig gangbare Regel.
Der vierte Trick besteht darin, einen natürlichen Zustand in ein künstliches Ausnahme-Regel-Verhältnis zu setzen und damit den Eindruck zu erwecken, als sei die Zahl schwuler Menschen steuerbar, als gebe es ein Schräubchen, an dem zum Beispiel die Bundesregierung drehen könnte, um an Anteil schwuler Menschen zu beeinflussen. Dass perfide an den rechtsanwaltlichen Ausführungen, die mit dem Wort ’scheinen’ als fünften Trick dem Verfasser im Falle des Ertapptwerdens ermöglichen, sich auf das berühmt-berüchtigte Missverständnis zurückzuziehen, ist, dass die Zahl schwuler Menschen zwar nicht durch künstliche Eingriffe erhöht werden kann, wohl aber vermindert. Die Geschichte kennt entsprechende schreckliche Bespiele.
Mehr noch: Mediale Leitorgane werfen aktuell die Frage auf, ob nicht der Homosexuelle gegenüber dem Heterosexuellen klar im Vorteil sei.
Fragen aufwerfen, auch wenn, anders als – Trick sechs – hier rechtsanwaltlich suggeriert wird, die medialen Leitorgane (welche auch immer gemeint sind) nicht massenhaft schwule Menschen glorifizieren, ist nichts anrüchiges. Offenbar passt es dem Herrn Rechtsanwalt nicht, dass die Medien nicht nur negativ über schwule Menschen berichten.
In einem Vorteil, den die Gesellschaft sich zu Nutze machen müsse. Denn – so liest man staunend – Schwule bringen mit, was Führungskräfte brauchen: Keine festen Familienzeiten!
Ich weiß nicht, welchen medialen Leitorganen der Herr Rechtsanwalt diese Thesen entnommen hat. Wir erkennen Trick sieben: Die Quellen vernebeln. Möglicherweise handelt es sich um eine historische Ausgabe der Bravo, die beim Staubsaugen unter dem rechtsanwaltlichen Bett aufgetaucht ist. Die aktuelle Entwicklung ist vielmehr dergestalt, dass schwule Menschen, man mag es begrüßen oder beweinen, sich zu Familienmenschen entwickeln, die lieber ihre Zeit mit den Menschen die sie lieben verbringen, als mit denen, für die sie arbeiten. Trick acht: Tatsächliche Entwicklungen leugnen.
Mehr noch. Wenn und weil sie sich mutig als Schwule geoutet hätten, signalisierten sie ihrer Umwelt, auch mit schwierigen Neuigkeiten offen umzugehen. Dies wiederum schaffe Vertrauen für Zusammenarbeit in weiteren Kontexten.
Wenn es so ist, ist es nichts, was schwulen Menschen zum Nachteil gereicht. Trick neun: Verhaltensweisen überhöhen und als Makel verkaufen.
Nun bleibt zwar unklar,
Trick zehn: Glasklares als unklar verkaufen.
warum das Outing als Schwuler schwierig sein sollte, wo doch die Gesellschaft Homosexualität als akzeptabel abgehakt habe.
Trick elf: Wiederholt die Lebenswirklichkeit entstellen (und durch Konjunktivierung ein Hintertürchen zur Flucht offen halten) in der Hoffnung, daraus werde Wahrheit.
Vielleicht gibt es doch noch restliche Ressentiments,
Trick zwölf: Anbiedern, aber nur scheinbar.
worauf hindeutet, dass die Vokabel vom „Outen“ sich so exzessiver Beliebtheit erfreut – „zugeben“ oder „einräumen“ klängen wohl zu defensiv, „hinweisen“ oder „aufmerksammachen“ [Schreibweise im Original, StM] zu offensiv?
Trick 13: Wortspielereien um Betroffene ins Lächerliche zu ziehen.
Bernd Schachtsiek vom „Völklinger Kreis“, einem Netzwerk schwuler Führungskräfte, lässt sich jedenfalls mit dem Satz zitieren, Schwule seien durch eine Krise gegangen und gingen deswegen „sensibler mit den Sorgen von Kollegen um“. Sensibler also als andere, die nur heterosexuell sind?
Trick 14: Zwanghaft das tatsächlich Gemeinte missverstehen, um so zu suggerieren, dass tatsächlich Gemeinte sei gar nicht gemeint gewesen.
Sensibler als Menschen, die feste Familienzeiten respektieren müssen?
Trick 15: Einen Zusammenhang konstruieren und direkt im Anschluss, als Trick 16, den traditionellen Standardfamilienmenschen ins Spiel bringen.
Nach allem
Trick 17: Den Eindruck erwecken, man habe Stichhaltiges vorgebracht.
kann nicht wundern,
Trick 18: Dem Zuhörer/Leser das eigene Denken abschneiden.
dass nun auch die Frage nach einer sogenannten „Schwulenquote“ in gesellschaftlichen Zusammenhängen wieder lauter diskutiert werden soll.
Trick 19: Etwas, was nie in “gesellschaftlichen Zusammenhängen” ernsthaft diskutiert wurde, als latent schwelende bedrohliche Angelegenheit darstellen.
Folglich werden auch Heterosexuelle sich dem Thema stellen müssen: Bin ich bereit, mich mit meiner Heterosexualität zu outen, auch wenn dies aus quotenrechtlichen Gründen die Gefahr heraufbeschwört, einen angebotenen Platz in der Gesellschaft nicht einnehmen zu können?
Trick 20: Den Eindruck erwecken, als würden schwule Menschen heterosexuelle Menschen an den Rand der Gesellschaft drücken. Der Quotenrechtler hofft dabei, dass niemand die explizite Schwachsinnigkeit seiner Denkweise erkennt.
Oder sollte ich lieber über meine Kinder, meine Familie und über meine sexuellen Neigungen insgesamt schweigen, um gegenebenfalls [Schreibweise so im Original, StM] als vermeintlich kinderloser Scheinschwuler nach Beweislastkriterien einen Job oder eine Stelle zu bekommen?
Trick 21: Fragen in den Raum werfen, auf die ein vernünftig denkender Mensch niemals kommen würde. Aufgepeppte Unvernunft, der ferseherfahrene Rechtsanwalt weiß es, kommt besser an, als schlichte Vernunft. Die Auflage, die Zahl der Klicks lässt sich mit Abstrusitäten eher steigern, als mit trockener Lebenswirklichkeit.
Merke: Schwulenqouten sind zwangsläufig immer auch Heterosexualitäts-Begrenzungsgesetze.
Merke: Homophobie ist zwangsläufig immer auch Vernunftbegrenzung.
Related posts
Filed under: Miscellaneous
Trackback Uri



Commentaries