23 Nov 09

Was verbindet den österreichischen Blogger Andreas Unterberger, Wachtmeister der Reserve und bis zu seiner kürzlich erfolgten Kassation Chefredakteur der Wiener Zeitung, mit dem Braunen Sumpf? Ganz einfach: Er steckt bis zur Halskrause drin!

Österreich erhält zum Jahreswechsel ein Lebenspartnerschaftsgesetz, das sehr umstritten  ist und in der Diskussion mitunter auch als Apartheitsgesetz bezeichnet wird. Dieses Gesetz ersetzt alte Diskriminierungen durch neue und bedeutet alles andere als die Herstellung von Gleichberechtigung schwuler Menschen mit nicht schwulen Menschen. Dem rechten Pack geht aber selbst dieses Gesetz zu weit. Der Blogger Andreas Unterberger, den man ausweislich von Blogverlinkungen wie zu ‘eigentümlich frei’ und ‘Politically incorrect’ ohne weiteres dem rechtsextremen Spektrum zuordnen kann, meint in seinem Post

Schwulenehe: Die miesen Tricks

irgendetwas aufdecken zu müssen.

Tatsächlich aufzudecken sind allerding nur die miesen Tricks, mit denen Unterberger arbeitet:

Was sich rund um die künftig mögliche Ehe homosexueller Paare abspielt, lässt den Beobachter nur noch ergriffen staunen:

Das Österreichische Lebenspartschaftsgesetz spricht nicht von einer Ehe. Unterberger könnte also an der Stelle bereits die Finger von seiner klebrigen Tastatur nehmen und wieder vor seinen braunen Ikonen niederknien. Macht er aber nicht. Einmal von seinen eigenen Wirrnissen auf die falsche Fährte gelockt, kann er nicht mehr innehalten.

Da werden im Vordergrund Scheingefechte um irrelevante Lappalien abgeführt, während die wahren Sauereien im Hintergrund bleiben. Und in der ÖVP begreifen viele nicht, welch verlogenes Spiel da stattfindet.

Aha, Unterberger musste im Hintergrund bleiben und die ÖVP muss sich jetzt sogar von den Rechtsextremisten beleidigen lassen.

Der Umfaller der Volkspartei geht einzig auf das Konto von Josef Pröll und seiner unmittelbaren Umgebung.

Nun, der Geschichtsschreibung nach ist es doch vielmehr so, dass Josef Pröll fleißig zurückgerudert ist, zurück in die Nähe der Dunkelberger, aber durch die braune Brille nimmt man das wohl anders wahr.

Es fällt auf, dass Unterberger nicht in der Lage ist, eine eigene schlüssige Kritiklinie aufzubauen; er kopiert in billiger Manier die Methoden anderer Schwulenhasser. In dem vorstehenden Absatz greift er auf das Vorgehen von Porno Pete zurück, der unlängt auf alle einprügelte, die weniger hassen, als er selbst.

Denn auch in den Arbeitskreisen der Perspektivengruppe – auf die sich Pröll nun gerne beruft – war keineswegs die Schwulenehe, mit welchem Tatort immer, vorgeschlagen worden. Vielmehr ist diese Festlegung erst in der nirgendwo ausdiskutierten Zusammenfassung durch Prölls eigenes Team hineingekommen. So viel einmal zur innerparteilichen Demokratie.

Unterberger kennt sich also in der ÖVP viel besser aus, als der Herr Vorsitzende. Interessant! Wenn Unterberger doch so gut Bescheid weiß über die Verhältnisse und die Wünsche innerhalb der ÖVP, warum kommt er dann über primitives Nachtreten nicht hinaus?

Dass Pröll glaubt, damit ein wählerattraktives Signal zu setzen, hängt zweifellos mit der Unsicherheit eines Mannes mit bäuerlichem Hintergrund angesichts des Großstadtmilieus zusammen. Damit konterkariert er seine an sich eindrucksvolle Performance als Finanzminister, wo er sich ohne sonderliche Vorbildung mit guten Beratern im Expresstempo zum Experten hinaufgearbeitet hat.

Lieber ein bäulicher Hintergrund als ein Nazi-Hintergrund! Und Unterbergers Bildungsbauwerk bricht ja nun gerade in sich zusammen.

Zurück zur Schwulenehe: Der Streit um den Schauplatz (Standesamt versus Bezirkshauptmannschaft) ist eine lächerliche Spiegelfechterei. Wie man etwa an der Ankündigung der Stadt Wien ablesen kann, dass sie die Feier möglichst feierlich gestalten wird. Diese Feiern werden in Wien in den Festsälen der Amtshäuser stattfinden, hat soeben die zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger verkündet.

Das wird nun groß als Kompromiss verkündet, den die wertkonservativ und katholisch orientierten ÖVP-Abgeordneten dem schwulenehe-freudigen Parteiobmann abgeluchst haben. Sind diese Abgeordneten wirklich so dumm, dass sie sich so hineinlegen lassen? Oder sind sie nur feige und charakterlos?

Nun, Unterberger schreibt konsequent von einer Schwulenehe. Wenn er sich doch schon so sehr mit diesem Begriff der Ehe anfreundet, stellt sich die Frage, warum es ihn so auf die Palme bringt, dass diese Ehen im Standesamt, in den Räumen des Standesamts, in der Nähe der Räume des Standesamt oder in sonstigen für festliche Anlässe geeigneten behördlichen Räumlichkeiten stattfinden sollen. Es muss damit zu tun haben, dass er in Erinnerung an seine eigene desaströse Ehe – wie kommt er sonst auf den Begriff “Tatort”? – wohl ein schlichtes Büro für angemessen hält. Glücklicherweise steht es dem verklemmten Geist Unterbergers nicht zu, anderen Menschen vorzuschreiben, in welchem Rahmen sie ihre Ehe oder Lebenspartnerschaft  zu begehen haben.

Menschen, die sich Unterbergers Wahn nicht anschließen, als feige und charakterlos zu bezeichnen, hat sich Unterberger bei seinen geistigen Väter abgeschaut. Die Nazis haben auch jeden, der nicht auf ihrer Linie lag, als feige und charakterlos abgetan.

Der zweite miese Trick: Sollten noch irgendwo ein paar rechtliche Kleinst-Aspekte entdeckt werden, bei denen die „Eingetragene Partnerschaft“ noch immer nicht der Ehe gleichgestellt ist, dann hat die ÖVP mit ihrer Zustimmung zur „Partnerschaft“ den bisher erfolglosen Klagen beim Verfassungsgerichtshof auf totale Gleichstellung Tür und Tor geöffnet. Das Parlament beschließt also in Kürze de facto eine volle Ehe für schwule Paare. Und streitet nur zur Ablenkung über eine absolute Lappalie.

Dieser Sermon sollte den verständigen Leser nicht davon ablenken, dass Dunkelberger nichts anderes fordert, als die Abschaffung von Demokratie und Rechtsstaat. Das Parlament soll nicht mehr entscheiden dürfen und das Verfassungsgericht soll nicht mehr auf der Höhe der Zeit urteilen dürfen, sondern in Unterbergers Mief der Vergangenheit eintauchen. Nun, Unterberger ist nicht der erste Österreicher (und nicht der erste Deutsche), der meint, sein Weltbild über das Recht stellen zu müssen.

Sollten aber wider Erwarten doch noch dauerhaft kleine Unterschiede zur traditionellen Ehe bleiben, die „Eingetragene Partnerschaft“ also so etwas wie eine „Ehe Light“ werden, dann wird die Gleichheitsjudikatur der Verfassungsrichter diese „Ehe light“ mit Sicherheit auch für Paare unterschiedlichen Geschlechts öffnen. Auch das, so hat die ÖVP laut beschworen, hätte nie und nimmer kommen sollen.

Unterberger ringt heftig mit den Begriffen. Und welche Angst er doch hat, dass die Eingetragene Lebenspartnerschaft dazu führen könnte, dass heterosexuelle Menschen sich wieder verstärkt mit dem Gedanken tragen könnten, sich in feste Beziehungen zu begeben. Was für schwule Menschen gut ist, kann und darf nach Unterberger einfach für nicht schwule Menschen nicht gut sein. Apartheit! Die ÖVP, ohne sie verteidigen zu wollen, nimmt anders als Unterberger, nicht für sich in Anspruch, versteinerte und verrostete Ansichten so in Beton gießen zu wollen, dass sie nie mehr geändert werden können. Anders als manch ein ÖVPler zeichnet sich Unterberger als ewig gestriger aus.

Gespannt darf man insbesondere auch sein, wenn Geschwister oder nichtschwule Freunde erstmals für sich die Privilegien der Homo-Ehe einklagen werden. Mit welcher Begründung will man diesen Gruppen dann plötzlich ein Njet entgegensetzen? Nur weil sie nicht sexuellen Verkehr haben?

Auch im Vorstehenden schreibt Unterberger nur bei anderen ab, nun zwar bei ein paar us-amerikanischen Radikalchristen:

The impulse to redefine marriage in order to recognize samesex and multiple partner relationships is a symptom, rather than the cause, of the erosion of the marriage culture. [...] Were it to prove anything, it would prove far too much: the assumption that the legal status of one set of marriage relationships affects no other would not only argue for same sex partnerships; it could be asserted with equal validity for polyamorous partnerships, polygamous households, even adult brothers, sisters, or brothers and sisters living in incestuous relationships.

Es ist bemerkenswert, dass den Schwulenhassern kein einiziges haltbares Argument gegen gleichgeschlechtliche Ehen einfällt. Deshalb verbinden sie gleichgeschlechtliche Ehen immer mit anderen Beziehungskombinationen (Geschwisterehe, Vielehe, Mensch-Tier-Ehe), die aber mit den von schwulen Menschen angestrebten rechtlichen Rahmenbedinungen überhaupt nichts zu tun haben. Wenn es schon nicht so recht funktionieren will, Angst vor schwulen Menschen zu schüren, dann muss eben der Eindruck erweckt werden, als würde die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen die Tür zu allem Möglichen öffnen. Warum bisher weder Geschwister noch Andere scharenweise an die Türen der Standesämter geklopft und das Eherecht eingefordert haben, können weder die Radikalchristen aus den USA noch der armselige Unterberger beantworten.

All das ist aber immer noch harmlos gegen das, was dann an weiteren Konsequenzen über Nebengesetze kommt. Eine besonders drastische – und bisher völlig verschwiegene – Folge werden künftig die Partnerschaften mit (wirklich oder vorgeblich) Schwulen aus Emigrationsländern sein. Damit wird ein neuer, breiter Weg zu Staatsbürgerschaftsehen eröffnet. Und das wohlgemerkt von jener Partei, die sich stolz berühmt, die Schleichwege zur Einwanderung radikal reduziert zu haben.

Unterberger spinnt! Wer bisher die Österreichische Staatsbürgerschaft erschleichen wollte (ausgerechnet die Österreichische!!), der hat es zum Beispiel mit einer Scheinehe versucht. Mögliche Scheinpartnerschaften werden das Problem nicht größer machen. Aber Ausländerfeindlichkeit darf in Unterbergers Ablehnungskanon nicht fehlen. Warum nicht schwule Menschen sich angesichts der Unterberger’schen Verleumdungskampagne ausgerecht als schwul ausgeben sollen, kann und darf Unterbergers Geheimnis bleiben.

Selbstverständlich werden die schwulen Partner aus dem Ausland aber auch noch ein weiteres Recht haben: nämlich jenes auf Familienzusammenführung! Damit aber wird die Bresche in die Migrationsabwehr Maria Fekters noch viel größer. Denn bekanntlich tauchen auch jetzt schon bei der Chance auf Migration nach Österreich oft sehr große „Familien“ aus Drittländern auf. Die entsprechenden Verwandtschaftsdokumente kann man sich in jenen Ländern ja billigst beschaffen.

In denen Ländern, die Unterberger wohl im Blick hat, werden sich die Menschen aufs Äußerste hüten, bei einer Behörde oder sonstwo um eine Bescheinigung nachzusuchen, die sie als mit einem schwulen Menschen verwandt ausweist.

Ich schlage Unterberger vor, zu fordern, das höchstheilige Institut der Vielkindehe nur Erzöstereichern vorzubehalten.

Wie etwa jüngst der Fall eines eingeheirateten Sri-Lankesen gezeigt hat. Da hat Österreich nicht einmal die Aktenzahl der Dokumente des Zuwanderers geprüft, der nun nach dem Tod seiner viel älteren Frau Anspruch auf das Erbe, die ASVG-Pension und auch auf die Hinterbliebenenrente des einstigen Arbeitgebers der Frau erhebt.

Dieser Fall hat nichts mit den Eingetragenen Lebenspartnerschaften zu tun; er dient nur dazu, die latent vorhandene Ausländerfeindlichkeit auch gegen schwule Menschen zu nutzen.

Sehr teuer wird Österreich auch der künftige Anspruch homsexueller Witwer und Witwen auf eine Hinterbliebenenpension kommen.

Es wir nicht teuer, weil nicht alle schwulen Menschen in eine Eingetragene Lebenspartnerschaft streben. Dass die Staatskasse entlastet wird, weil lebensverpartnerte Menschen zum gegenseitigen Unterhalt verpflichtet werden, unterschlägt Unterberger.

Diese bekommt man ja, ohne dass es Kinder gibt, und ohne dass nur ein Cent zusätzlich ins Pensionssystem einbezahlt worden wäre.

Müssen schwule Menschen in Österreich nicht in das Pensionssystem einzahlen? Nun, wenn Unterberger fordert, dass schwule Menschen zwar auf gleichgeschlechtliche Ehen oder Eingetragene Lebenspartnerschaften verzichten, dafür einen Pensionsanspruch ohne eigene Beitragsleistung erwerben, ist das ein nicht uninteressanter Ansatz.

Unterberger ist ausgesprochen geldfixiert:

Also auf Kosten der anderen Pensionsbezieher. Das war historisch nur dadurch rechtfertigbar, dass man verwitweten Frauen mit Kindern unter die Arme greifen wollte.

Aha, verwitwete Frauen ohne Kinder hatten und haben keine Pensionsansprüche!?

Für viele Österreicher bleibt jenseits aller ökonomischer Erwägungen aber auch der schon laut gefeierte Triumph der homosexuellen Szene ein Problem. Denn zweifellos hat ihr von Rot-Grün-Schwarz unterstütztes Auftreten und erst recht die Homo-Ehe propagandistische Züge, die nicht wirkungslos bleiben werden.

Was meint er? Sind in Unterbergers Augen nur Aufmärsche der Neonazis  und Fronleichnahmsprozessionen erlaubt?

Es gibt nämlich noch immer keinen einzigen Beweis für ein Homosexualitäts-Gen,

Richtig! Die Forschung kann aber auch getrost eingestellt werden. Ob Gen oder nicht, ich bin und bleibe von Angebinn schwul.

aber sehr viele statistische Beweise für psychosoziale Zusammenhänge, die zur Homosexualität führen.

Falsch!

Daher gilt zweifellos auch: Je positiver sich die Gesellschaft zur Homosexualität stellt, umso häufiger wird es sie geben.

Blödsinn! Sie wird allenfalls sichtbarer.

Aber keine Politiker hat mehr den Mut, das zu sagen.

Warum sollte ein Politiker, der keine niederen Motive verfolgt, etwas explizit Falsches sagen? Nur weil Dunkelberger schwule Menschen am liebsten in den Knast stecken würde, müssen sich die Politiker doch nicht danach richten. Aber es  ist ja schon hinreichend deutlich geworden, dass Unterberger es kaum ertragen kann, dass nicht ganz Österreich seiner Meinung ist.

Obwohl das beispielsweise gesundheitspolitisch nicht sonderlich erstrebenswert ist – auf Grund des etwas anderen Lebensstils ist bei Schwulen die Lebenserwartung ja deutlich niedriger.

Auch diesen Unfug hat Unterberger irgendwo abgeschrieben. Ob diese These jemals Gültigkeit gehabt hat, ist nicht bewiesen, heute jedenfalls unterscheidet sich die Lebenserwartung nicht schwuler Menschen nicht von der schwuler Menschen (es sei denn, gewaltbereite Menschen setzten das Gedankengut Unterbergers in lebensverkürzende Maßnahmen gegen schwule Menschen um).

Und auch in Hinblick auf die Tatsache, dass die Gesellschaft dringend mehr Kinder braucht, ist die einschlägige Pro-Schwulen-Propaganda durch die Frauenbergerinnen dieses Landes mehr als kontraproduktiv.

Ich wiederhole einmal mehr mein Angebot: Wenn die heterosexuelle Männerwelt versagt, helfe ich gerne bei der Zeugung von Kindern aus. Und für die Erziehung von Kinder sind schwule Menschen ohnehin besser geeignet, als Menschen die sich in der geistigen Verfassung Unterbergers befinden.

Unterberger noch mal richtig ungebildet:

In Schweden etwa wurde im Mai die Homo-Ehe eingeführt, und in dem bekannt liberalen Land haben sich seither ganze 48 Paare das Ja-Wort gegeben.

Bereits seit 1995 können in Schweden rechtlich anerkannte Verbindungen, die in ihrer   gesetzlichen Ausgestaltung über die österreichische Sparversion der Eingetragenen Lebenspartnerschaft hinausgehen, eingegangen werden. In den Jahren 1995 bis 2002 sind 1562 dieser Lebenpartnerschaften begündet worden. Für einen Staat von neun Millionen Einwohnener ist das kein geringer Wert. Die jetzt zulässige gleichgeschlechtliche Ehe wird von der Schwedischen Kirche anerkannt, knapp Dreiviertel der Bevölkerung unterstützen sie – und Schweden ist noch nicht im Meer versunken.

Das heißt freilich: Die Ehelosigkeit ist der Szene gar kein wirkliches Problem – oder es gibt viel weniger Homosexuelle, als sie selbst immer behaupten.

Ehelosigkeit ist für schwule Menschen kein generelles Problem und niemand will einen Zwang zur Ehe. Homosexuelle gibt es übrigens mehr, als Unterberger lieb ist und weniger, als für Österreich gut sein würde!

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  1. [...] außerhalb des rechten Spielfeldrandes sich bewegende  Andreas Unterberger versucht einmal mehr, die Wahrheit zu [...]



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