Verarscht fühle ich mich beim Lesen einer Pressemitteilung der Tora Rosa Gay Investment Agentur:
Christoph Schneider, unabhängiger Anlagevermittler in der zweiten Generation bietet jetzt einen Service, der speziell auf die schwule Zielgruppe zugeschnitten ist.
Gemeint ist: (…) der speziell auf die üppig gefüllten Geldbeutel schwuler Menschen zugeschnitten ist.
stier-mich-an.de ist der Name der Internetseiten auf denen der interessierte Besucher erfährt, was junge Männer mit dem Börsentier, dem Stier verbindet.
“Stier mich an”? Was soll das denn? Erstens sieht Herr Schneider nicht so aus, als würde sich das anstieren lohnen, zweitens gibt die Internetseite nichts her, wo Mann hinstieren könnte. Ein klarer Fall von Überheblichkeit!
Der bekennende Schwule ist einer der ersten Anlagevermittler, der sein Angebot speziell auf die Gruppe der Schwulen zugeschnitten und somit die Marke Toro Rosa, Gay Investment kreiert hat.
Brauchen schwule Menschen speziell zugeschnittene Kapitalanlageangebote?
Nun, wenn man nennenswertes Vermögen sein eigen nennt und man dieses auch behalten will, ist eine sorgfältige Vermögensdisposition nicht das dümmste. Verfügt man nicht selbst über aufreichende Sachkunde, ist es ratsam, die Unterstützung von Steuerberatern und im Kapitalanlagerecht erfahrenen Rechtsanwälten zu suchen. Kapitalanlagevermittler haben in der Regel weder auf dem einen noch dem anderen Rechtsgebiet eine fundierte Ausbildung und können deshalb allenfalls dilettierend aus Broschüren ablesen. Schneider weist auf seiner Homepage als Qualifikation ein Betriebswirtschaftslehrestudium aus; besondere Kenntnisse auf dem Gebiet des Steuerrechts oder des internationalen Kapitalanlagerechts erwähnt er nicht. Kapitalanlagevermittler leben von den Provisionen, die sie für die Vermittlung von Kapitalanlagen erhalten. Ihr Interesse liegt deshalb nicht in einer kundenoptimierten Anlageberatung, sondern in einer ihr Einkommen fördernden Beratung.
Vorstehendes trifft unabhängig von der sexuellen Orientierung des Kapitalanlageberaters und seiner Kunden zu.
Ein speziell für schwule Menschen zugeschnittenes Angebot kann ich mir nur unter folgendem Gesichtspunkt vorstellen:
Wenn man mehr oder wenig viel Geld zur Vermehrung desselben investieren kann, ist es sicher nicht das schlechteste, wenn schwule Menschen ihr Geld nicht gerade in explizit schwulenfeindliche Unternehmen oder Länder stecken. Eine Kapitalanlage, die ihre Erträge aus dem Iran oder Saudi-Arabien oder aus der ExxonMobil Corporation erzielt, kommt für mich nicht in Betracht. Von einen speziell für schwule Menschen zugeschnittenen Angebot und einem Anlagevermittler, der sich gezielt an schwule Menschen richtet, erwarte ich, dass derartige Gesichtspunkte berücksichtigt werden. Das Geld schwuler Menschen muss nicht gerade homophobe Sichweisen in Ländern und Unternehmen fördern.
Nichts dergleichen finde ich auf der Anstierhomepage. Statt dessen geht es unreflektiert um Schiffbeteiligungen, Flugzeugbeteiligungen und dergleichen mehr. Es ist das Standardangebot eines jeden Kapitalanlageberaters. Was daran speziell für schwule Menschen zugeschnitten sein soll, sehe ich nicht.
Nicht gerade ein Ausweis der Fachkunde des Herrn Schneider ist es übrigens, dass er mit dem HCI-Deepsea-Oil-Explorer-Fonds ein schon längst nicht mehr zur Zeichung aufliegendes Fondsprodukt bewirbt, ohne auf die Risiken sogenannter Zweitmarktgeschäfte hinzuweisen. Apropos Risikohinweise: Von einem seriösen Berater kann man durchaus erwarten, dass er seiner Produktanpreisung eine Risikoaufklärung beifügt. Beispielsweise ist die einkommensteuerliche Behandlung von Leasingfonds sehr umstritten. Derartige Hinweise sind bei dem Angestierten nicht zu finden.
Ein wichtiger Teil seiner Tätigkeit betrifft das Thema der Absicherung schwuler Lebensgemeinschaften im Alter. Bis heute werden nicht verpartnerte homosexuelle Paare in Erbschaft – und Schenkungsfällen benachteiligt.
heißt es in der sagenhaften Pressemitteilung weiter. Nun, nicht verpartnerte homosexuelle Paare werden erbschaft-/schenkungsteuerlich nicht anders behandelt als nicht verheiratete heterosexuelle Paare. Eine Benachteiligung vermag ich darin nicht zu erkennen. Der Werbetext ist vielmehr plumpe Bauernfängerei. Im Übrigens muss der erste Schritt für ein nicht verpartnertes oder nicht verheiratetes Paar eine seriöse erbrechtliche Beratung sein; erbschaftsteuerliche Fragen sind demgegenüber zweitrangig.
Entgegen dem in der Pressemitteilung vom 12.11.2009 erweckten Eindruck eines neuen Angebots (“jetzt”), versucht Schneider sein Glück schon seit geraumer Zeit auf dem Mark des ’schwulen Geldes’. Queer.de berichtet bereits unter dem 14.10.2009: “Schwuler anlegen mit Toro Rosa”. Offenbar hat sich seitdem noch nicht die erhoffte Kundenfülle eingestellt.
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