31 Oct 09

Picture 2009-10-31 12_39_29“Sven Epiney ist zu wenig schwul”, mit dieser Feststellung bewegt der ‘Blick’ die Schweiz. Und was die Schweiz bewegt, bewegt auch mich.  :lol:

Sven Epiney (37), der Sonnyboy unter den TV-Moderatoren. Sein Herz gehört seit acht Jahren dem TV-Produzenten Chris Sulser (31). Mit seiner Heiterkeit hievt Sven «Die grössten Schweizer Hits» jeden Sonntag in den Quoten-Himmel. Denn er ist Everbody’s [sic!] Darling. Er ist immer gut drauf und tut niemandem weh. Weder seinen Gästen noch sich selber.

Alle lieben Sven Epiney. Wirklich alle?

Gemäss einer Online-Umfrage des Gay-Magazins «Display» fordern zwei Drittel aller Schwulen, dass Epiney vom Bildschirm verschwinden soll. Chefredaktor Tom Wyss (32) hat die überraschenden Zahlen in der aktuellen Ausgabe kommentiert. Epiney sei bei den Gays «kein Hit», schreibt er. Und: «Damit er ein Idol wäre, müsste er ganz anders, lockerer zu seinem Schwulsein stehen.»

Im Gegensatz zu anderen Homosexuellen wie Marco Fritsche (33) oder Kurt Aeschbacher (61) fehle es Epiney an Profil, weil er selten zu etwas seine Meinung sage. Das Umfrage-Ergebnis wollte Epiney nicht kommentieren – auch gegenüber BLICK nicht.

Ist Epiney zu wenig schwul? BLICK fragte prominente Homosexuelle. «Nein», findet Schauspieler Walter Andreas Müller (64). «Es gibt halt immer noch Zuschauer, für die er der ideale Schwiegersohn wäre», erklärt er. «Da ist verständlich, dass er kein exaltierter Vorzeige-Schwuler sein will.»

Kommunikationsberater Patrick Rohr (41) sagt: «Jeder Mensch muss selber wissen, wie er mit sowas umgeht.»

TV-Moderator Marco Fritsche (33) sieht es wiederum so: «Vielleicht ist ein Mensch, der seine Sexualität zur Nebensache erklärt, in der Entwicklung weiter als ein Gay-Magazin, das sich um den Hosenschlitz von Promis kümmert.»

Für «Display»-Chefredaktor Wyss ist dennoch klar: «Epiney wirkt im Umgang mit seiner Homosexualität verkrampft, obwohl er als TV-Liebling nichts verlieren würde. Er engagiert sich zu wenig für die Sache. Er könnte Vorbild sein für viele junge Schwule, die ihre Identität suchen. Schade!»

Die dämliche Äußerung von Fritsche zeigt, dass die Hosenladen-Theorie von Flips Gut bereits verheerende Wirkung entfaltet. Aber zurück zu Sven Epiney, von dem ich heute, ohne das Gefühl bisher etwas versäumt zu haben, zum ersten Mal gehört habe.

Natürlich muss er bei seinen Auftritten nicht ’schwul sein’, wie auch immer sich das darstellen soll, natürlich muss er nicht bei jeder Gelegenheit Homosexualtiät, die Rechte von schwulen Menschen, namentlich die fehlende Rechte, thematisieren, er muss nicht der mediale Vorkämpfer gegen Diskriminierungen sein. Insbesondere muss er nicht den Vorzeige-Schwulen spielen – das kann ohnehin gewaltig schiefgehen.

Aber eins irritiert mich sehr. Da ich bisher von Sven Epiney und Chris Sulzer nichts hörte, habe ich mir die Homepages der beiden angeschaut.

Bei Epiney gibt es seine Biografie in drei Varianten dargestellt. Ein Hinweis auf Sulzer findet sich nicht, auch nicht dass er mit einem Mann zusammenlebt. Es heißt vielmehr: “Zivielstand [sic!] ledig”. Die Homopage ist vollgestopft mit allen möglichen Informationen über Schulbesuche, Ausbildung, Weiterbildung, und, und, und, aber kein Wort zu seinem Lebensgefährten. Eine Linkliste enthält die Homepage auch; kein Link führt jedoch zu Sulzers Homepage. Bei Chris Sulzer ist es es entsprechend: Viele interessante und uninteressante informationen, jedoch nichts, was auf die Beziehung zu einem Mann, speziell zu Epiney hindeutet.

Dieses gründliche ‘Sauberhalten’ der eigenen Biografie lässt mich der Kritik des ‘Display‘-Chefredakteurs und der Leser der Zeitschrift zustimmen. Mit Idolen, Hosenschlitzen und Vorzeige-Schwulen hat das herzlich wenig zu tun, wohl aber damit, zumindest ein kleines bisschen zu sich selbst zu stehen und die Aufkärungsarbeit nicht dem ‘Blick’ und anderen Kompetenzmedien zu überlassen.

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