“Name ist Schall und Rauch”, lässt Goethe seinen Faust sprechen.
Nun wissen wir wohl alle, dass das so nicht stimmt und ein wohlklingender Name durchaus hilfreich ist. Reicht des Namens Wohlklang nicht, werden oft Titel und akademische Grade beigerührt, und nicht zuletzt die Häufung von Künstlernamen in der Unterhaltungsindustrie, fernab aller Kunst, unterstreicht die Bedeutung des ‘richtigen’ Namens. Unbestätigten Gerüchten zufolge nutzen auch Blogger Aliasnamen.
Sich eines anderen als den von den Eltern verpassten Namens zu bedienen mag verschiedene Gründe haben. Tarnung zum Beispiel; die Alten erinnern sich vielleicht an einen gewissen Willy Brandt, der als Herbert Ernst Karl Frahm ins Geburtenbuch eingetragen worden war und es für sinnvoll hielt, seine Identität zu verstecken. Religiöse Oberhäuptlinge bedienen sich auch gerne solcher Tarnnamen, damit ihre kriminellen Machenschaften nicht mit ihren bürgerlichen Identitäten in Verbindung gebracht werden. Daneben gibt es Sonderfälle wie den Kölner Erzmeisner, der sich lieber Erdbeerschorsch nennt, weil das in den Ohren der rheinischen Frohnaturen lockerer klingt als Erzbischof.
Und noch einen Sonderfall gibt es in Köln, nämlich Khin Yadanar Min. Der ist ein neu zugezogener Bulle und wohnt im Kölner Zoo. Seinen Namen hat er sich, wie alle Säuglinge, nicht selbst ausgesucht. Auch seine Eltern haben diesen Namen nicht ausgesucht. Khin Dingsbums Min ist nämlich ein Elefant und ich habe noch nie einen Elefangen Khin Yadanar Min sagen gehört. Nein, irgenwelche Menschen haben sich diesen Namen ausgedacht. Es ist ein interessantes Phänomen, dass Menschen glauben, Tieren Namen geben zu müssen. Warum eigentlich? Als ob die Tiere es interessieren würde, wie wir sie nennen. Unseren Katzen ist es völlig egal, wie wir sie nennen. Wichtig ist nur, dass wir ihre Rufe richtig deuten. Bei den Elefanten wird es nicht anders sein.
Also Min wohnt jetzt im Kölner Zoo. Der Zoo hat einen Direktor. Dieser Zoodirektor ist ein weiterer Sonderfall. Theo Pagel heißt er. Deshalb hätte man den Elefanten vielleicht besser Khin Yadanar Pagel nennen sollen; klingt ja auch nicht schlecht. Oder einfach Paul Pagel, das könnten die Rheinländer dann auch besser aussprechen, weil da nichts drin ist, was man zu einem ’sch’ verunstalten könnte. Aber egal, Theo Pagel, lassen wir dahingestellt, ob das ein schöner Name ist, ist ein Sonderfall. Er ist nämlich der einzige Kölner VIP, den die CDU nicht gefragt hat, ob er Oberbürgermeister werden will. Und in Köln ist fast jeder ein VIP, oder hält sich zumindest dafür. Die CDU in Köln ist verzweifelt und mehr oder weniger am Ende. Schramma, Fritz, hat nämlich, nachdem ihm der KVB-Reinartz förmlich den Boden unter den Füßen weggerissen hat, die Oberbürgermeisterbrocken hingeschmissen und gesagt, er wisse nicht mehr, wie er der Stadt weiteren Schaden zufügen könne, die CDU möge jemand anderen suchen, um das zu versuchen. Und schon hatte die CDU ein Problem. Es gibt ja so gut wie kein CDU-Mitglied in Köln, gegen das nicht die Staatsanwaltschaft ermittelt. Also ging die Kandidatensuche los. Einen Hilfssheriff im Ruhestand haben sie gefragt, Winrich Grawitzka oder so ähnlich heißt der; den hätte keiner gewählt bei dem Namen, der wollte aber auch gar nicht, und den Feuerwehrchef Stephan Neuhoff. Der wollte auch nicht und hat gemeint, er würde lieber die Brände löschen, die die Politik legt. Dann haben sie den Erdbeerschorsch gedrängt zu kandidieren. Der wollte das sogar machen. Dann hat er aber gefragt, ob er auch alles frei entscheiden dürfe. “Wie? Was denn entscheiden?”, haben die von der CDU zurückgefragt. Ja, hat der Erdbeerschorsch erzählt, er wäre da mal im ELDE-Haus gewesen und hätte so ein paar Anregungen bekommen, wie man die Schwulen los werden könne. Da waren die von der CDU gar nicht abgeneigt, wollten halt, dass auf jeden Fall die Nervensägen LSU mitverschwinden, was der Erdbeerschorsch auch zusagte, aber haben dem Schorsch auch gesagt, er müsse dann mit seiner Truppe, vielleicht verstärkt durch pro Köln und pro Pius am ersten Juliwochenende eine Prozession durch die Stadt machen, damit keiner merkt, dass es keinen CSD mehr gibt und die Grünen womöglich lästige Fragen stellen. Das sei alles kein Problem, entgegneten der Erdbeerschorsch, früher hätte auch keiner Fragen gestellt, wenn einfach Menschen verschwunden seien. Er wisse wie man das macht und schließlich habe er sogar seinen Pressesprecher erfolgreich in der Versenkung verschwinden lassen. Die CDU war beruhigt und wusste das Obermeisteramt schon in guten Händen, als der Erdbeerschorsch weitere Ideen hatte. Gerhard Richter solle seine Domfenster wieder ausbauen und vor den Augen eines Großinquisitors, zum Beispiel Walter Mixa, der seinen Namen von dem gleichnamigen Küchengerät ableitet, vor den Toren der Stadt zerstören. Die Moscheen sollten nach China verkauft werden und alle nicht Normalglaubenden, also alle Nichtkatholiken, sollten im Rhein ertränkt werden, ausgenommen vielleicht irgendwelche orthodoxen Ostkirchenchristen. Da waren die von der CDU erst ganz begeistert drüber, würde das doch die Mehrheitsverhältnisse drastische zu ihren Gunsten verändern. Dann haben die aber den Wolfgang Bosbach gefragt. Der hat auch so einen komischen Namen. Er möchte Bosssssbach ausgesprochen werden. Dabei heißt es Booooosbach. In Westfalen würde man zur Verdeutlichung ein Dehnungs-’e’ einfügen: Boesbach, Bo-esbach. Nur: Die ignoranten Sprachkorrumpierer in Köln würden daraus Bößbach machen, oder Böschbach. Das kann man gar nicht so schnell aussprechen, wie man den Namen wieder vergessen möchte. Geht also nicht. Also bläht der Wolfgang sich auf und meint, er heiße Bosssssbach. Und der Bosssss hat dann den Kölnern gesagt, sie mögen bitte bedenken, dass der Bundeskanzler erstens nicht normalglaubend und zweitens eine Frau ist. Die müsse dann ja gegebenenfalls, wenn sie mal nach Köln komme, man wisse ja nicht, was die Frau so vorhabe, auch in den Rhein rein. Das gebe aber diplomatische Verwicklungen mit den Niederlanden, wenn sie da angeschwemmt werde und Alice Schwarzer würde eventuell auch toben, weil die beiden sich ja ähnlich sehen würden. Das muss man sich mal vorstellen, also jetzt nicht die Frau Bundeskanzler im Rhein, da spielen auch Naturschutzinteressen eine Rolle, aber früher hießen die Bundeskanzler immer Heeeelllllllmuuuuuuuuuuuth und ihre Frauen Hannelooooooooooooore, und jetzt geben wir uns mit Angela Merkel zufrieden. Das klingt wie der Name einer Änderungsschneiderei in Bad Waldliesborn. Egal, die Kölner CDU hat kalte Füße bekommen und ihre Anfrage beim Erbbeerschorsch zurückgezogen. Der tobte natürlich und meinte, die CDU müsse das ‘C’ aus ihrem Namen streichen und dürfe sich nicht mehr catholisch nennen. Darüber wiederum haben sich die örtlichen CDU-Pappnasen empört und aus Rache auf ihren Wahlkrampfplakaten den Dom verkeht eröm, also andersrum abgebildet. Daraufhin ist der Erdbeerschorsch fast geplatzt, leider nur fast. Den Dom andersrum, das gehe ja gar nicht, was denn da die Leute denken sollen von der heiligen katholischen Kirche. Dabei weiß doch jeder, dass der Dicke Pitter die schwulste Glocke der Welt ist. Keine klingt schöner und keine hat einen größeren Klöppel. Jedenfalls haben die von der CDU dann auf Anraten von Jürgen Rüttgers, Vorsitzer des Düsseldorfer Gruselkabinetts, direkt, das ist die rheinische Steigerung von sofort, den Kurt Pether, oder Peter Kurth, furchtbarer Name, da weiß man gar nicht, wo vorne und hinten ist, aus Berlin geholt und zum Erdbeerschorsch geschickt. Der Erbeerschorsch hat sofort im Fatikann angerufen. Eunuchenstimme: “Hier spricht Ratzinker der Sächzehnte. Was wünschen sie?” Schorsch: “Hömma Jupp, der Kurth von der DU [sprich Deee Uhhh] is im Anmarsch. Kann ich den verschwinden lassen? Gibt’s da irgendwelche Bedenken bei meiner nächsten Beichte?” Der Erdbeerschorsch kann richtig volkstümlich sein. Der läuft oft auf den Straßen und Plätzen Kölns umher, sogar bei Dunkelheit, und erschreckt Passanten. Das hat sich mittlerweile zu einer richtigen Touristenattraktion entwickelt, ‘The Erdbeerschorsch Experience’, wird vom Gesundheitsamt neben dem Stadtarchivkrater als weitere bedeutende Attraktion vermarktet und lockt katholische Reisegruppen aus der ganzen Welt und Litauen an.
Dem Vernehmen nach war der 16. nicht ganz so begeistert von des Erdbeerschorschs Vorstellungen, und meinte, Schorschi solle Kurti lieber instrumentalisieren. So entstand die Idee, das Kurti die CSD-Parade an- und in deren Verlauf in den Rhein führe. Wie bekannt, klappte nur der erste Teil des Plans. Jedenfalls haben sich der Erdbeerschorsch und der CDU-Oberkandidat offenbar gut verstanden. Keine Ahnung was da passiert ist – ich mein’, der Schorsch ist ja schon älter und der Pädda noch nicht ganz so alt… Naja, jedenfalls ist der Erdbeerschorsch plötzlich ganz friedlich und hat versprochen, bis zum Bürgerobermeisterwahltag nicht mehr gegen Schwule zu hetzen. Innerlich kocht er natürlich, weil er jetzt nicht die SPD-Zypresse wegen deren Adoptionsideen lang machen kann. Den Theo, das wollt’ ich ja eigentlich schreiben, also den Pagel, haben die von der CDU, warum auch immer, nicht gefragt, ob er Oberbürgermeister werden will. Dabei wäre er der einzige qualifizierte Kandidat. Wer einen Zoo leiten kann, und das kann Pagel, schließlich hat er prächtigen Nachwuchs gemacht, kann auch das Direktorat über eine Stadt wie Köln, deren Ähnlichkeit mit einem Zoo augenfällig ist, übernehmen. Ich vermute, die CDU hat Angst, das jemand wie Pagel die CDU und andere Parteien in die Gehege sperren würde, in die sie gehören.
Besondern geschickt ist ein gewisser Gott. Der verwendet gleich dutzende von Namen. Hat er mal wieder Mist gebaut, sagt er einfach, “nee, war ich gar nicht, das war der Allah”. Allah wäscht seine Hände in Unschuld und verweist auf Jahwe, und so weiter und so fort. 99 Namen soll er haben. Das ist wie mit den Geheimagenten. Die haben auch ganz viele Namen und wenn man herausfinden will, wer sie wirklich sind, dann ist da nichts. Viele Namen, keine Identität.
Identität, genau, Name und Identität, da war ich ja eigentlich drüber dran.
Namen kann man ändern. Rechtlich geschieht dies durch eine Erklärung gegenüber dem Standesamt oder einer anderen zuständigen Behörde. Vornamen kann man unter bestimmten Voraussetzung ändern, Nachnamen kann man zum Beispiel in Zusammenhang mit Eheschließungen oder Lebensverpartnerungen austauschen.
Aber was ist steckt inhaltlich dahinter? Was bedeutet ein Name?
Ein richtiger Name – im Gegensatz zu den fortlaufenden Bezeichnungen zum Beispiel in römisch-katholischen Orden (Schwester A., Schwester B., Bruder C., Pater D., …) oder die alberne Durchnummerierung in Herrscherhäusern (Lissbett I, Lissbett II, Charly I, Willy II) und us-amerikanischen Familien - ist mehr als ein Ordnungsmerkmal und keine Funktionsbezeichnung. Eine Name ist ein Stück weit Identität. Wenn ich nun oben geschrieben habe, dass manche Menschen durch einen vorübergehenden oder dauerhaften Namenswechsel oder einen Aliasnamen, ein Pseudonym, ihre Identität verbergen wollen, stellt sich die Frage, ob mit dem Namenswechsel auch ein Teil der eigenen Identität verloren geht.
Manche Menschen mögen sich gar nicht mit ihrem Namen identifizieren und sind froh, ihn bei der nächstbesten Gelegenheit loszuwerden. Aber das dürfte nicht der Regelfall sein.
Ein praktischer Anwendungsfall der Überlegungen zum Namenswechsel ist zum Beispiel das Eingehen einer Eingetragenen Lebenspartnerschaft. Nehmen wir mal an, Adalbert Meier und Bertholt Müller lebensverpartnern sich. Da könnte dann aus dem Adalbert Meier der Adalbert Müller werden. Hat das Einfluss auf Adalberts Identität?
Wenn jemand viele Jahre, gar Jahrzehnte seines Lebens auf einen bestimmten Namen ‘gehört’ hat, wenn er auf Befragen immer einen bestimmten Namen genannt hat und in den Telefonhörer geknurrt hat, ist dieser Name, auch der Nachname, ein Stück des eigenen Ichs geworden. Gibt man das so einfach ab?
Andererseits könnte ein neuer Name, der gemeinsame Partnerschaftsname, auch identitätsstiftend, identitätserweiternd wirken und das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Nur: Soll es dann Meier oder Müller sein?
Und, daher das komische Beispiel, mal angenommen, Adalbert wird üblicherweise Bert gerufen und Berthold wird überlicherweise auch Bert genannt. Dann würden beide auf Bert Müller oder Bert Meier reagieren. Das kann es auch nicht sein; ein Name soll ja auch unterscheidbar machen. Namenszusätze wären eine Lösung (der Ältere, der Jüngere, der Schönere, der Aktive), kämen mir aber wie eine aufgezwungene Identität vor. Auch das Hinzusetzen des Geburtsnames sehe ich nicht als Lösung. Wer sich Adalbert Meier geborener Müller nennt, kann auch gleich bei Müller bleiben.
Interessant wäre noch, ob sich die alte westfälische Übung, den Nachnamen der stinkreichen Ehefrau irgendwie zu verwursten (zum Beispiel: Jupp Schulte genannt Große Bremer – der arme Jupp hat also eine reiche Tochter des Hauses Große Bremer geehelicht), auch in den Bereich der Eingetragenen Lebenspartnerschaften Einzug hält. Allerdings halte ich dieses alte westfälische Namensrecht eher für identitätsraubend, als für identitätsstiftend. Und Adalbert Müller genannt Meier klingt auch nicht wirklich gut.
Bindestrichnamen finde ich ätzend. Und überhaupt soll doch jeder machen, was er will…
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