Uta Ranke-Heinemann bekommt einen Preis:
Das Forum Essener Lesben und Schwule (F.E.L.S.), der Verein Essen Andersrum und die Essener Aidshilfe vergeben auf dem diesjährigen Essener Christopher Street Day (CSDRuhr) wieder eine Auszeichnung an eine herausragende Persönlichkeit, [...], dieses Jahr heißt die Preisträgerin Frau Prof. Uta Ranke-Heinemann. Frau Ranke-Heinemann hat bereits beginnend in den 70ziger des letzten Jahrhunderts bis heute sich sehr persönlich für die Emanzipation von schwulen Männern und lesbischen Frauen in unserer Gesellschaft eingesetzt. Gerade als Wissenschaftlerin der katholischen Theologie hat sie einen herausragenden Beitrag dazu geleistet, die von der Amtskirche „verordnete“ Einzigartigkeit nur einer lebbaren und tolerierbaren Lebensform – hier die heterosexuelle Partnerschaft – aufzubrechen.
Abgesehen davon, dass ich in der Theologie keine Wissenschaft zu erkennen vermag, stellt sich die Frage, ob Ranke-Heinemann preiswürdig ist.
Es ist nicht ersichtlich, wie Ranke-Heinemann in “besonderer Weise dazu beigetragen” haben soll, “dass sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für lesbische Frauen und schwule Männer [...] verbessern”. Ihr Wirken hat eher einen Aufbau als einen “Abbau von Diskriminierungspotentialen gegenüber der Gruppe gleichgeschlechtlicher Menschen” zur Folge.
Nimmt man ihr schriftstellerisches Schaffen, namentlich ihr bekanntestes Werk ‘Eunuchen für das Himmelreich”, zeigt sich schnell, dass schwule Menschen für Ranke-Heinemann der Knüppel sind, mit dem sie auf Ratzinger, der ihre Liebe verschmäht, einschlägt. Dabei verletzt sie allerdings nicht Ratzinger und die römisch-katholische Kirche, deren Schwulenhass Ranke-Heinemann mit ihren Kirchensteuerzahlungen nach wie vor fördert, sie verletzt vielmehr die schwulen Menschen. Denn um gegen die römisch-katholische Kirche vorzugehen, ‘macht’ sie deren Priester erst einmal schwul. Glaubt man Ranke-Heinemann, dann wimmelt es in den Beichtstühlen und Priesterseminaren nur so von schwulen Männern, die auf die Gelegenheit warten, kleine Jungs zu mißbrauchen. Pädophilie und Homosexualität trennt sie nicht. Auf den Gedanken, dass ein erheblicher Teil der römisch-katholischen Geistlichen nicht schwul ist, sondern männliche Kinder und Jugendliche mißbraucht, weil es für sie die einfachste Möglichkeit zu zwischenmenschlichen sexuellen Aktivitäten und damit Ausdruck eines gestörten heterosexuellen Sexuallebens ist, kommt sie nicht. Sie unterstützt vielmehr die Strategie der römisch-katholischen Kirche, Mißbrauchsfälle allein homosexuellen Menschen anzulasten.
In dem erwähnten Büchlein ist auch die Rede davon, dass die Anzahl der homosexuellen Priester überhand nehme. Ranke-Heinemann vertritt damit die Auffassung, dass homosexuelle Menschen allein wegen ihrer sexuellen Orientierung keine guten Priester seien und knüpft ein Bedrohungspotenzial an die Quantität homosexueller Menschen, das leicht aus dem kirchenlichen Raum hinausgetragen werden kann.
Leider brennt mit Ranke-Heinemanns Fantasie auch ihr Verstand durch, wenn sie von einer frauenverachtenden Homosexuellengesellschaft schreibt und die These vertritt, schwule Menschen hätten die gesamte römisch-katholischen Amtskirche nur geschaffen, um ständig mit kleinen Jungen umgeben zu sein und ihre pädophilen Neigungen auszuleben.
Wer Ranke-Heinemanns Schriften nicht lesen will kann sie hier ihre Thesen erläutern hören (interessant wird es ab Minute 12; vorher hört sich jemand anderer gerne reden):
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Läßt man in Ranke-Heinemanns Ausführungen die kirchlichen Bezüge weg, ist leicht erkennbar, dass das homophobe Grundgerüst des Ranke-Heinemann’schen Denken auch ohne Ratzinger und den Vatikan Bestand hat.
Letztlich hat Ranke-Heinemann dafür gesorgt, dass die Diskussion um die verkrusteten und gefährlichen Strukturen der römisch-katholischen Kirche nicht in eine Reformation, sondern in eine ungeheure Regulierung zu Lasten schwuler Menschen führte, deren Schwulenfeindlichkeit weit über die römisch-katholische Kirche hinaus wirkt.
Ich sehe keinen Grund, ihr zu huldigen.
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