Ach was eine Aufregung um dieses Filmchen.
Ist denn niemandem nach ‘Borat’ aufgefallen, dass Cohen außer billigem Klamauk nichts zu bieten hat? Oder ist meine Befürchtung, dass es vielen Menschen aufgefallen ist, vielmehr zutreffend?
Allein der überzogene Werbeauftrieb zu diesem Filmchen und die schon Monate vor der Premiere begonnene Sensationsmacherei waren doch ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Film inhaltlich nichts zu bieten hat. Ein guter Film jedenfalls hat keine Hauptdarsteller nötig, die im Stier- oder rosa Peniskostüm auf den Straßen und Plätzen herumhüpfen.
Die Gelehrten streiten nun darüber, ob dieser Film Homophobie anprangert und lächerlich macht – und demzufolge eine wertvolle Botschaft enthält – oder ob er vielmehr schwule Menschen lächerlich macht.
Die Queer.de, nachdem sie, ich hoffe allein irrtümlicherweise, Cohen als Satiriker geadelt hat, meint
Doch eines kann man mit Sicherheit feststellen: Seine Absicht, Dummheit, Homophobie, Rassismus und sonstige Abscheulichkeiten des menschlichen Miteinanders zu entlarven, das ist ihm auch dieses Mal gelungen.
Angenommen, es wäre so: Die Dummen, die Homophoben, die Rassisten und die sonst Abscheulichen werden schwer beeindruckt sein!
Da hilft es auch nicht, wenn die Queer.de Cohen zum Helden und mutigen Kämpfer für …, ja für was eigentlich (?), hochstilisiert:
Darsteller und Crew standen also allein da. Kurz nach der ersten Umarmung der beiden Männer flogen Stühle und ein Kämpfer, der das Treiben aus dem Zuschauerraum verfolgt hatte, kletterte in den Käfig und forderte Baron Cohen zum Kampf. Regisseur Charles bekam zwar nicht die benötigten Aufnahmen, aber immerhin konnten Baron Cohen und die Crew gerade noch entkommen. Die Polizei ließ sich übrigens nicht blicken.
Warum soll der Steuerzahler seine Polizisten für schwachsinnige Filmproduktionen aufmarschieren lassen, frage ich mich am Rande.
Die Annahme der Queer.de, Cohen würde irgendetwas oder irgendjemanden, außer seine eigenen Motive, entlarven, erweist sich allerdings aus einem anderen Grund als falsch. Mit dem Verhöhnen und Verächtlichmachen von schwulen Menschen lässt sich gröhlendes Publikum anlocken und Geld verdienen. Allerdings geht dieses nicht so ohne weiteres, wenn man Verträge mit bedeutenden Filmverleihern, großen Kinos, nahmhaften Fernsehsendern und kundenstarken CD-Händlern zu Stande bringen will. Glücklichweise bleibt es heute in halbwegs zivilisierten Ländern nicht mehr unbeanstandet, wenn schwule Menschen verunglimpft und der Meute zum Fraß vorgeworfen werden. Homophobie auf der Leinwand muss also getarnt werden, damit sich die Schwulen und die politisch Korrekten nicht aufregen. Cohen hat, das ist ihm zuzugeben, einen guten Trick angewandt. Er gibt einfach vor, in seinem Film Homophobie anprangern und homophobes Verhalten entlarven zu wollen. Tatsächlich basieren der Film und sein finanzieller Erfolg aber auf der Vorführung (vermeintlich) schwuler Menschen und ihrer Verhaltensweisen und der Abwertung schwulen Lebens. Szenen des Films, in denen sich zwei vorgeblich schwule Männer über Sexspiele mit Feuerlöschern, Sektflaschen und dergleichen mehr auslassen, beziehen ihre Lacheffekte nicht aus der Ungewöhnlichkeit der Sexspielzeuge, sondern aus der Suggestion, Sex zwischen Männern sei immer bizarr und ekelerregend. Es ist kaum vorstellbar, dass derartige Szenen zwischen Menschen verschiedenen Geschlechts in Filmen, die auf ein breites Publikum und den damit verbundenen Kassenerfolg abzielen, einen derart breiten Raum bekommen würden. Und falls doch, würden sie als kreative Sexspielereien rüberkommen, nicht aber als abartiger Männersex.
Nun, schauen wir doch einmal, wer sich diesen Film anschaut.
Homophobe Menschen, die aufgrund der Vorberichterstattung fürchten müssen, (indirekt) vorgeführt zu werden, werden der Lichtspielvorführung fern bleiben. Die vermeintlich gegen Homophobie und Schwulenfeindlichkeit gerichtete Botschaft wird ihre vermeintliche Zielgruppe nicht erreichen.
Nicht schwule Menschen, die Spaß daran haben, einen bekloppten Schwulen zu sehen (Schwule sind ja immer so lustig), werden ins Kino laufen und nicht merken, dass der Bekloppte (ich bitte um Nachsicht für die wenig galante Bezeichnung) nicht schwul ist. Es wird hängen bleiben, dass schwule Männer nicht alle Tassen im Schrank haben.
Schwule Menschen laufen offenbar reihenweise ins Kino, um diesen Film zu sehen. Die Beweggründe dafür werden mir immer fremd bleiben. Ich jedenfalls kann mit dieser Art von Unterhaltung nichts anfangen. Wahrscheinlich wird mir jetzt Humorlosigkeit vorgehalten, jedoch mache ich darauf aufmerksam, dass diejenigen, deren Humorniveau sich auf flachem Brüno-Level bewegt, die in Wahrheit Humorlosen sind. Sie haben ihren Humor irgendwann verloren oder an der Kinokasse abgegeben und befriedigen sich mit Billigangeboten von der Stange, denn mehr bietet Cohen nicht.
Manche schwule Menschen sind der Auffassung, man müsse über sich selbst lachen. Dabei übersehen sie, das Cohen nicht schwul ist und wer ihn oder die von ihm dargestellte Figur auf sich selbst überträgt, sollte einmal sorgsam über sein Dasein nachdenken. Wer allzu häufig über sich selbst lacht, schlimmstenfalls noch über den pseudoschwulen Ersatzkasper Cohen/Brüno, mag bedenken, dass er sich um des Lacherfolgs wegen der Lächerlichkeit preisgegeben hat. Diesen Preis zu zahlen, deutet nicht gerade auf das Vorhandensein eines Selbstwertgefühls hin. Fehlender Selbstwert bezeichnet dann wohl auch die schwulen Menschen, die sich von Cohen begeistert zeigen.
In den USA ist der Film sehr erfolgreich angelaufen. Erstaunlich ist das nicht. Heinrich Brüning hat den US-Amerikanern schon in den 1930iger Jahren einen ausgeprägten geistigen Verfall bescheinigt und befürchtet, dass dieser weiter fortschreiten wird. Seine Prognose hat sich schon längst als zutreffend erwiesen. Und sie lässt sich auch auf andere Personenkreise übertragen.
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