Philipp Gut, Reservatsleiter für Kult bei der Zürcher Lokalzeitung ‘Die Weltwoche’, offenbart uns seine geschundene Seele. Geschunden und geplagt von der Einsicht, dass es mit der heterosexuellen Kultur zu Ende geht.
Auslöser für seinen Schrei um Hilfe ist der Film ‘Brüno’. In diesem Film macht ein heterosexueller Mann mit der Modellbezeichnung Sacha Baron Cohen allerlei merkwürdige Sachen, die, so Philipp Gut, eines heterosexuellen Menschen unwürdig sind. Anders als Gut bin ich nicht der Meinung, dass man diesen Film sehen muss. Damit aber auch ich den geistigen Verfall heterosexueller Menschen bewundern kann, hat Gut seinen Beitrag für die Weltwoche, Dose, Verzeihung, Dossier genannt, mit einem Bild geschmückt. Auf diesem Bild ist ein heterosexueller Mann in einer Art Stierkostüm mit übergroßem Stoffpenis zu sehen. Ich kann Guts entsetzen über diese, in der jüngsten Zeit immer häufiger zu beobachtenden Dekadenz heterosexueller Menschen verstehen. Sie hat auch Gut selbst erfasst und in seiner übergroßen inneren Not versucht er, schwule Menschen für seine Seelenqualen verantwortlich zu machen.
Er bezeichnet Cohen, heteronormativ ordnungsmäßig verheiratet und Vater von mindestens zwei Kindern, als “stockschwul” und meint
Es ist ein irritierender Kult um die Schwulen entstanden, Homosexualität ist zu einer Art Religion geworden. Wer sich outet, wird zum leuchtenden Märtyrer einer bekennenden Kirche. Wer sich dem Kult widersetzt, den trifft der Bannstrahl.
Nun, irritierend ist allenfalls, warum heterosexuelle Menschen wie dieser Kultur-Gut ihre Nase ständig in die Angelegenheiten schwuler Menschen stecken und ihnen Vorschriften in allen Lebensbereichen machen wollen. Umgekehrtes ist nicht zu beobachten. Gut würde besser daran tun, seine eigene Obsession zu beleuchten, anstatt über nicht vorhandene Kulte, Märtyrer (es sei denn, er meint damit schwule Schüler, die nach ihrem Outing von der SVP, den Pius-Brüdern oder sonstigen Extremisten ein paar auf die Schnauze bekommen und gerne auf ihr Märtyrerdasein verzichten würden) und Bannstrahlen zu schwadronieren.
Seine Problemverlagerung auf schwule Menschen stützt er auf zwei Lügen:
Besonders akzeptiert sind sie in der Schweiz. Im Jahr 2005 hat der Souverän mit 58 Prozent der Stimmen sogar ja gesagt zu den eingetragenen Partnerschaften – in der weltweit einzigen Volksabstimmung zum Thema.
Es hat vor und nach der Schweizer Volksabstimmung andernorts eine Vielzahl von Volksabstimmungen zu diesem Thema gegeben, zuletzt in mehreren Bundesstaaten der USA. Guts Verführungstheorie, die übrigens auch von der SVP kolportiert wird, nach der böse schwule Menschen die ehrbaren Schweizer an der Wahlurne zu einer vernünftigen Stimmabgabe verführt hätten, geht nicht auf. Genau diese 58 vH der Schweizer sind es jedoch, die Philipp Gut so ein furchtbares Bauchgrimmen bereiten, denn nur weil diese vielen Schweizer dafür gesorgt haben, das es schwulen Menschen in rechtlicher (nicht in tatsächlicher) Hinsicht in der Schweiz verhältnismäßig gut geht, kann Gut jetzt nicht in plattem Rechtsaußenvokabular mitteilen, was er von schwulen Menschen hält, sondern muss sich winden und angeblich schwule Menschen darstellende heterosexuelle Suppenkasper wie diesen Cohen vorschicken, um irgendetwas Schlimm-Schwules zu konstruieren. Dabei möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass wohl nur heterosexuelle Menschen vom Schlage Gut-Cohen auf den Gedanken kommen, Kinder mit der Paketpost zu verschicken.
Die nächste Lüge:
Und vor allem, worüber man nicht sprechen darf. Der Punkt scheint erreicht, wo die Propagierung des eigenen Lebensstils auf Kosten der Meinungsäusserungsfreiheit ins Intolerante kippt. Jüngstes Beispiel ist der Fall von Carrie Prejean, die den Titel einer Miss California wegen kritischer Äusserungen zur Homoehe abgeben musste (Weltwoche Nr. 26, 25. 6. 09).
Prejean war zu keinem Zeitpunkt Miss California; so konnte sie diesen Titel auch nicht abgeben müssen. Auf ihren Vize-Miss-Titel hingegen muss sie ganz und gar nicht wegen ihrer schwulenfeindlichen Äußerungen, manche sagen, wegen ihres religiösen Wahns, verzichten, sondern weil sie schlicht und ergreifend gegen vertragliche Verpflichtungen, die sie gegenüber dem Busenwunderveranstalter eingegangen ist, verstoßen hat. Sie reizte nämlich schlichweg zu häufig mit ihren weiblichen Reizen (der heterosexuelle Kulturexperte Gut weiß natürlich sofort, dass mit diesen Reizen nur der pralle weibliche Busen gemeint sein kann – und es verwundert nicht, dass er das nunmehrige Fehlen dieser Wichsvorlage beklagt).
Gut bedauert dann noch, dass sich niemand für ihn in seinem staubigen Redaktionszimmer interessiert,
Geradezu ein Gemeinplatz ist geworden, dass der schwule Lifestyle weite Teile des öffentlichen Lebens dominiert. «Beim Schweizer Fernsehen sind Homosexuelle im Vorteil», titelte der Blick vor zwei Jahren. Und verwies auf schwule Moderatoren wie Kurt Aeschbacher, Sven Epiney, Patrick Rohr, Charles Clerc, Dani Fohrler und Christian Franzoso. Das Magazin widmete den Homosexuellen eine Doppelnummer. «Wir werden alle immer schwuler», wurde festgestellt. Schwule Kultur habe «nicht nur die Hoheit in Mode- und Designfragen, schwule Kultur hat uns heterosexuelle Männer (und Frauen) in fast allen Lebensbereichen beeinflusst»
und wünscht sich Prejean und andere Attraktion für stramme heterosexuelle Männer zurück. Jedoch fühlt er sich gleich ertappt bei seinem lüsternen Denken und gelobt, uns vor weiteren Ergüssen über seine sexuelle Trauer zu verschonen, wenn er, ganz der Anstandswauwau, schreibt:
Man läuft ja auch sonst nicht dauernd mit offenem Hosenladen herum.
Seiner Zeitung wird es sicher gut tun.
Philipp Gut hat mit seiner Offenbarung, wie üblich in diesen Fällen, der Theologie- und Ideologiepresse ein Musterstück geliefert. Mangels neuer Ideen würgen sie das Durchgekaute und Halbverdaute wiederholt hervor und schmatzen darauf herum. Pro, ein angeblich christliches Medienmagazin, erhört Guts Hilferuf und zitiert ihn unreflektiert Aber auch André Fritz Lichtschlag, Oberwiederkäuer des Online-Magazinchens ‘ef’ (eigentümlich faschistisch), eilt zu Hilfe und findet gefallen an Gut. Lichtschlag erweitert den Text Guts. Um nicht aufzufallen, schafft er sich ebenfalls mit einer Lüge eine Argumentationsbasis:
Keine andere Wählergruppe hat dem Nationalsozialismus 1933 so zahlreich widerstanden wie ausgerechnet die traditionalistischen Katholiken.
Dieses Theorem innerhalb der von Lichtschlag und anderen, wie zum Beispiel den berüchtigten Pius-Brüdern, gepflegten ‘Schwule=Nazis=böse-Katholiken=gut-Theorie” wird auch durch ständiges Wiederholen nicht Gesetz, denn es ist schlichtweg falsch. Es waren die Katholiken, die via Zentrumspartei Hilter das Ermächtigungsgesetz auf dem Silbertablett zum Geschenk gemacht haben. Die Juden- und Schwulenverfolgung wurde in einer urkatholischen Gegend wie dem westfälischen Münsterland mit Eifer betrieben (und in der Nachkriegszeit von denselben frommen Katholiken verschwiegen) und der gerne als Widerständler par excellence vorgeschickte Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, war der erste römisch-katholische Bischof, der freiwillig und ohne Not in die Hand des Nazi-Regimes einen Eid schwor und trotz angeblich kämpferischer Predigten (‘der Löwe von Münster’ - haha, welch eine Legendenbildung) diesen Eid peinlich genau einhielt. Für ihr Kirchensteuerheberecht haben die Katholiken sich dann durch verschiedene Konkordate vollends an die Nazis verkauft. Widerstand wurde allenfalls von einigen wenigen Katholiken geleistet – vermutlich würden diese Aufrechten heute den gleichen Widerstand gegen die Piusbrüder und Lichtschlag und Konsorten leisten, denn das gefährliche Gedankengut dieser Kreise ist heute nicht anders als vor siebzig Jahren. Nun haben die Neu-Faschisten also auch in der Zürcher Weltwoche eine Fürsprecherin gefunden.
Allerdings gibt sich das Freikorps Lichtschlag nicht mit einem einfachen Nachäffen der Gut’schen Taktik zufrieden. Nein, es holt zum ultimativen Schlag aus und bemüht mit “Martin 783″ einen Kronzeugen, der die Richtigkeit der Gut-Lichtschlag’schen Thesen bestätigen soll. Zu diesem Zweck wird “Martin 783″ als schwul dargeboten. Seine, beziehungsweise die ihm von Lichtschlag oder sonstwem formulierten Sentenzen sind allerdings eine allzu auffällige Huldigung des Gut’schen Artikels. Lichtschlags Trick fällt damit sofort auf und durch. Wiederkäuen führt unweigerlich zu Durchfall!
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