4 Jul 09

Etwas Ungewöhnliches hat sich in Berlin ereignet. Polizei und Staatsanwaltschaft haben es tatsächlich geschafft, drei Gewalttäter vor Gericht zu stellen.

Es geschah nach einer schwul-lesbischen Geburtstagsfeier im ehemaligen Kino Kosmos in Friedrichshain: Eine Gruppe Jugendlicher beleidigt Gäste der Party, ein 23-jähriger Transsexueller und sein 25-jähriger Begleiter stellen sie zur Rede. Worte wie “Scheißschwuchteln” fallen. Später kommt es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung. Am Ende haben die beiden das Nachsehen. Sie tragen Prellungen und Gehirnerschütterungen davon. Der Ältere kommt zudem mit einem Bruch des Mittelhandknochens ins Krankenhaus.

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Schon vor dem Vorfall war das Fest von Jugendlichen gestört worden. Vor Gericht räumte einer der Angeklagten ein, andere Gäste als “Scheißschwuchteln” und “ekelhafte Arschficker” beschimpft zu haben.

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Etwas später, am Frankfurter Tor, kommt es zu einem neuerlichen Zusammentreffen. Die Jugendlichen wechseln die Straßenseite und laufen nun direkt vor den beiden Partygästen her. Ein Zufall, nimmt der Richter am Montag an. Die Angeklagten sagen, sie hätten sich verfolgt und bedroht gefühlt und deshalb in Notwehr gehandelt. Die Geschädigten erinnern sich hingegen an Worte wie “das müssen wir uns von den Scheißschwuchteln nicht gefallen lassen. Denen zeigen wir es.”

Erst als sich Passanten einmischen, lassen sie, so die Beobachtung von Zeugen, von den beiden Männern ab. Auslöser für die Tat waren nach Überzeugung des Staatsanwalt und den Vertreterinnen der Nebenklage aber die schwulenfeindlichen Äußerungen. Vor Gericht entschuldigen sich die Angeklagten dafür. Aber es klingt mehr wie ein Lippenbekenntnis. Gegen Homosexuelle habe niemand etwas, sagen sie. Begriffe wie “Scheißschwuchteln” seien scherzhaft gemeint. “Das eine hat doch mit dem anderen gar nichts zu tun. Scheißschwuchtel meint nur, dass das kein Mann ist.”

Ein Scherz, meint auch der Richter und läßt die drei Täter laufen. Die Schwulen, so seine mutmaßlich Maxime, seien schließlich selbst schuld, warum müssen sie denn auch auf der Straße herumlaufen, sie sollten sich lieber verstecken. Und außerdem, Schwule werden doch gerne beleidigt, die mögen das und Arschficken ist doch wirklich ekelhaft, so etwas zu sagen ist keine Beleidigung, das müssen Schwule wegstecken können:

Selbstbewusste Menschen könnten so einem Konflikt aus dem Wege gehen.

Und überhaupt: Wer sind denn hier die Täter? Die Schwulen sind es! Was erlauben die sich denn, sich zu wehren? Schwule wollen verprügelt werden, das weiß doch jedes Kind!

Auch gegen die Geschädigten sind Verfahren eingeleitet worden. Der Jüngere soll 400 Euro zahlen, dann wird die Sache eingestellt. Der Ältere wartet auf seinen Prozesstermin.

Ich weiß nicht, ob dem Richter klar ist, wie leichtfertig er mit unserer Freiheit umgeht. Wenn die Justiz anfängt, den Rechtsstaat zu entwaffnen,  wenn Gewaltopfer keinen Schutz erfahren und durch die Gerichte verhöhnt werden, werden die Menschen anfangen, sich zu bewaffnen.

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