Die FDP macht in diesen Wahlkampfzeiten schönes Wetter und versucht, sich als schwulenfreundliche Partei darzustellen. Anzeigen in verschiedenen Szeneblättern und Äußerungen des Parteivorsitzenden Guido Westerwelle über die Verfolgungen schwuler Menschen in Teilen des Auslandes sollen den Eindruck erwecken, als sei der FDP das Wohlergehen schwuler Menschen angelegen. Die tatsächliche Politik der FDP beweist anderes.
Vor wenigen Tagen hatte der Landtag des Landes Baden-Württemberg darüber zu entscheiden, ob Eingetragene Lebenspartnerschaften zukünftig, wie fast überall im Bundesgebiet, in den örtlichen Standesämtern beurkundet werden sollen, oder ob sie weiterhin abgesondert von der Öffentlichkeit in den Landratsämtern oder irgendwelchen Hinterzimmern der kreisfreien Städte besiegelt werden.
Die Stimmen der FDP-Abgeordneten waren ausschlaggebend dafür, dass es bei dem Baden-Württembergischen Diskriminierungsverfahren bleibt.
In der Landtagsdebatte legt die FDP dar, warum sie die nette Anzeigenkampagne und die warmen Worte von Klein-Guido überhaupt nicht interessieren, und begründet ihren neuerlichen Arschtritt für schwule Menschen wie folgt:
Die CDU will am baden-württembergischen Sonderweg festhalten. Weil uns die Zusammenarbeit in der Regierungskoalition wichtiger ist als die kosmetische Verbesserung, stimmen wir dem Gesetz zur Änderung des Gesetzes zur Ausführung des Lebenspartnerschaftsgesetzes in der hier vorliegenden Fassung zu.
Schwule Menschen sollen sich, so die FDP, nicht so anstellen. Warum unbedingt ins hübsche Trauzimmer, wenn es Besenkammer und Kellerräume auch tun:
Ich glaube, dass diejenigen, die eine solche Lebenspartnerschaft eingehen wollen, dieses Gesetz mit Fassung tragen werden, weil es ihnen ziemlich egal sein wird, ob sie dies jetzt im Landratsamt oder im Standesamt oder in irgendeinem angemessenen Raum im Stuttgarter Rathaus tun.
Genau! Irgendein Raum für irgendeine Partnerschaft. Was zählen schwule Menschen schon. Ich frage mich, wie dieser homophobe Kasper dazu kommt, darüber zu befinden, was schwulen Menschen egal ist. Aber er meint ohnehin die Definitionshoheit über alles schwule Menschen betreffende zu haben:
Wichtig ist – das möchte ich noch einmal betonen –, dass gleichgeschlechtliche Paare nicht [sic!] diskriminiert werden.
Schon gar nicht von der FDP, wie wir zuvor lernen durften.
Bei allem Verständnis für die Kritik der Opposition kann ich in einer anderen behördlichen Zuständigkeit keine Benachteiligung erkennen. Ob dies jetzt ein Bediensteter des Landratsamts beurkundet oder ein Standesbeamter, spielt rechtlich keine Rolle.
Wie wäre es denn mit einem Gesetz, nachdem FDP-Mitglieder ihre Personenstandsangelegenheit beim Grünflächenamt erledigen müssten?
Wenn die schwule Menschen ins Standesamt wollen, dann müssen sie sich halt umorientieren, denn, so die FDP, Homosexualität ist eine Laune, und zwar nicht der Natur, sondern der schwulen Menschen:
Wenn ich mir dagegen den Sitzungssaal der Königlichen Kreisregierung, also den Sitz des heutigen Landratsamts in Reutlingen, wo Graf Eberhard im Barte an den Wänden prangt, als Ort zum Heiraten vorstelle, davon würde ich mich fast noch einmal umorientieren. Aber da hätte meine Frau etwas dagegen.
Dann wird die FDP richtig blöd:
Für Liberale spielt die sexuelle Orientierung bekanntlich [sic!] keine [sic!] Rolle. Darin unterscheiden wir uns von spießigen Christ und Sozialdemokraten.
Weil aber die sexuelle Orientierung keine Rolle spielt, dürfen heterosexuelle Menschen in die Standesämter und schwule Menschen müssen in die Hinterzimmer der Landesratsämter. Aber die schwulen Menschen, die sind ja auch anders:
Es ist gut, dass wir die Institution der eingetragenen Lebenspartnerschaft haben, denn erst dadurch wird die Verpflichtung zum Einstehen füreinander auch für anders orientierte Menschen verbindlich.
Dieser Attrappenverein FDP ist schichtweg nicht wählbar.
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