Vor 40 Jahren: Der Aufstand

Der Tag der Stonewall-Riots jährt sich nun zum vierzigsten Mal. Obschon  schwule Menschen sich nicht erst seit 1969 gegen Übergriffe des Staates wehren, ist Stonewall noch heute der Inbegriff des Widerstandes gegen staatliche Repressionen.

Gerne werden CSD-Paraden in die Tradition der Stonewall-Riots gestellt. Ist das wirklich so? Können sich die CSD-Paraden, kann sich namentlich die Parade im Rahmen des ColognePride in Köln auf eine derartige Tradition berufen? Nein, sie kann nicht.

Ich sehe einen wesentlichen Unterschied:

Damals vor 40 Jahren haben sich in der New Yorker Christopher Street schwule Menschen, vornehmlich Tunten, Stricher und Ledermänner, gewehrt, weil sie so sein wollten wie sie waren und die ständigen Repressionen des Staates satt hatten. Heute wird nicht, jedenfalls nicht beim Kölner CSD, gegen die staatlichen Repressionen demonstriert; dafür brauchte es eine ganze andere thematische Ausrichtung des CSD. Zugegeben, die staatlichen Repressionen sind heute viel subtiler und weniger augenfällig als  in früheren Zeiten – aber gerade deshalb wäre es wichtig, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit darauf zu lenken. Und eine nicht unerhebliche Anzahl schwulen Menschen geht auch nicht auf die Straße, um dafür einzutreten, so sein zu dürfen, wie sie sind, sondern um für ein paar Stunden so sein zu dürfen, wie sie gerne wären.

Damit meine ich, dass viele Teilnehmer des CSDs vor und nach diesem Feiertag ein angepasstes Leben führen, sich nicht als Tunte, Ledermann oder Liebhaber irgendwelcher Fetische zu erkennen geben, vielleicht sogar ihre Homosexualität verbergen. Dann kommen sie in die große Stadt und leben für einen Tag ihr Wunsch-Ich aus. Damit wird der CSD zu einem Kostümfest und hat kaum etwas Authentisches zu bieten. Es ist ein Unterschied, ob man in seinem Umfeld, in seiner Nachbarschaft, seinem Viertel, sein Leben lebt, deshalb in Bedrängnis gerät und sich wehrt, oder ob man sich für einen Tag im Schutze eines Megaevents unbesorgt produziert und prostituiert und anschließend wieder unauffällig in ein unauffälliges Leben zurückkehrt. Das erste, nämlich ein authentisches Leben zu leben und zu verteidigen, ist sehr mutig, das zweite weniger.

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One Response to Vor 40 Jahren: Der Aufstand

  1. gelderlander says:

    Nun, wir leben offen Schwul. Als Paar. In meinem Berufsleben und dem meines Gatten ebenso.

    Nur einem unserer Nachbarn passt das nicht: Er beschwerte sich kürzlich darüber, das wir beim Sex zu laut wären und das er Probleme habe, das seien Kindern zu erklären.

    Komischerweise haben unsere muslimischen Nachbarn weniger Probleme, aber was so ein ordentlicher Christ vom Balkan ist, naja…

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