24 Jun 09

Ich bitte um Nachsicht für den Post-Titel, aber das, was manchmal in der Zeitung steht, kann ich nicht anders bezeichnen. Zeitung ist in diesem Fall ‘Die Presse’ aus Wien.

Unter der nicht weiter aufregenden Überschrift “80 Prozent der Fußballerinnen sind lesbisch” heißt es als subhead, “Der Wiener Sportsoziologe Otmar Weiß sieht in der weitverbreiteten Homosexualität im Frauensport ein Problem”. Auf die Erklärung hierfür bin ich gespannt.

Für den Wiener Sportsoziologen Otmar Weiß stellt „der hohe Anteil an Homosexuellen im Frauensport“ ein „Riesenproblem“ dar. „Viele junge Mädchen können mit diesen Erfahrungen nicht umgehen, sind überfordert und werden häufig im Stich gelassen“, erzählt der Professor an der Universität Wien.

Vielleicht denkt der Professor an der Universität Wien einmal nach, bevor er dummes Zeug von sich gibt. Nicht der hohe Anteil an Homosexuellen ist das Problem, sondern die Art und Weise, wie nicht homosexuelle Menschen damit umgehen.

Aber besser noch:

„Mädchen spielen Fußball, weil sie Fußball spielen wollen“, betont er. Der Soziologe vertritt die Ansicht, dass Frauen innerhalb eines Teams viel stärker zur Homosexualität tendieren als Männer.

Es wäre schön gewesen, wenn der Professor an der Universität Wien vor seinem Gerede ein aktuelles Fachbuch zur Hand genommen hätte um zu erfahren, dass Mann und Frau nicht zur Homosexualität tendieren, sondern es sind oder nicht sind.

Weiter:

Unter Männern, und seien es die besten Freunde, seien Berührungen einfach nicht üblich.

Kann an der Universität Wien eigentlich jeder Depp Professor werden? War der noch nie auf einem Fußballplatz? Kann er sich vielleicht von seinen stumpfen, heterogenormten Denkweisen verabschieden?

Ingrid Kornberger, Frauenfußballerin, steht in demselben Beitrag dem Professor an der Universität Wien an dumpfen Äußerungen um nichts nach:

Schwule haben eben eine feminine Seite

Frau Kornberger kann gerne mal vorbeischauen und meine feminine Seite suchen. Oder ist neuerdings jeder Mann, der sich nicht für primitives dem Ball Hinterherlaufen interessiert, irgendwie feminin?

Nochmals der bestens informierte Professor an der Universität Wien:

Dass im Sport die Ressentiments gegen Homosexuelle viel größer seien als in anderen gesellschaftlichen Bereichen, weist Sportsoziologe Weiß entschieden zurück. „Das ist ein glattes Vorurteil“, sagt er. Die „Sozialwelt Sport“ sei für alle da.

Na, dann ist ja alles besten im Sport, überhaupt keine Probleme – deshalb outen sich auch jeden Tag dutzende Fußballspieler.

Für Weiß ist der Sport der „größte Sinnvermittler der modernen Gesellschaft“. Sport sei also eine Art Ersatzreligion geworden.

Religion hatte und hat keinen (inhaltlichen) Sinn. Welchen Sinn also hat Sport (mit Ausnahme von gesundheitsfördernden Aspekten, die beim Fußball allerdings schwerlich zu finden sind)? Wie kann etwas inhaltsleeres Sinnvermittler sein?

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