20 Jun 09

EMMA, eine der wohl überflüssigsten Periodika auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt, äußert sich zum Thema CSD in Köln:

Denn der Christopher Street Day – einst ausgelöst von der Gegenwehr homosexueller Männer, die als “Tunten” nicht nur von der Polizei schikaniert, sondern auch von der eigenen Community verachtet wurden – muss sich in Zeiten von Homo-Ehe und schwulen Bürgermeistern (auf die lesbischen Bürgermeisterinnen warten wir noch) tatsächlich die Frage stellen, ob er überhaupt noch Sinn macht.

Offenbar wird bei EMMA das Tagesgeschehen nicht verfolgt, warum auch, schwulenfeindlicher Unsinn ist zeitlos, sonst wäre den Frauen des politischen Periodikums für Frauen nicht entgangen, dass Zürich eine lesbische Stadtpräsidentin hat. Sicher, die EMMA-Frauen hätte noch die für ihre Verhältnisse geistige Höchstleistung vollbringen müssen, zu erkennen, dass das Amt der Stadtpräsidentin dem einer (Ober-)Bürgermeisterin entspricht.

Wie “der Christopher Street Day” sich eine Frage stellen kann, wird das ewige Geheimnis der EMMAs bleiben.

Und wenn ja, welchen?

Wie wäre es, statt rumzustänkern, mit einer Antwort auf die Frage? Aber das ist für die weibliche Periode, Verzeihung, für das weibliche Periodikum, zuviel verlangt.

Vor allem, da der Kampf um die Menschenwürde Homosexueller auf vielen CSD-Paraden längst verkommen ist zum Kommerz- und Porno-Spektakel: Sauna-Werbewagen, öffentlich kopulierende Männerpaare sowie eine massive Präsenz homo- wie heterosexueller SM-Anhänger, die ihre “Sklavin” an der Kette durch die Straßen führen, sind an der Tagesordnung.

Tatsächlich? Ich habe auf noch keinem CSD öffentlich kopulierende Männerpaare gesehen,  beziehe mein Kenntnis der Dinge aber auch nicht nur aus irgenwelchen Schmierenblättern. Ein männlicher homosexueller SM-Anhänger der eine Sklavin durch die Straße führt, erscheint mir eine merkwürdige Konstellation zu sein. Im Übrigen habe ich keine Probleme mit den verschiedenen Facetten männlicher Lebensauffassungen. Wenn die EMMA-Frauen sie haben, können sie ja in ihrem Aschenputtelturm im Rheinauhafen bleiben und dort mit dem Reglementier-, Kontroll- und Denunzierausschuss des KLuST keimfreies stilles Mineralwasser zu sich nehmen. Angesichts der EMMA-Vorsteherin ist  nicht damit zu rechnen, dass ein Prinz kommt und um das Herunterwerfen der Lockenpracht ersucht.

Einige lesbische Frauen haben darum 2004 in Köln den “Women’s Pride” mit eigenen Veranstaltungen ins Leben gerufen.

“Woman’s Pride”?  Kling schon verkrampft – und ist es vermutlich auch. Warum heißt es nicht Lesbian’s Pride? Ach, ich vergaß, es geht ja gar nicht umd den Stolz und das Selbstbewußtsein gleichgeschlechtlich liebender Menschen, sondern um die Sonderambitionen irgendwelcher Feministinnen.

Im Sommer 2007 kam es in der Kölner Community dann endgültig zum Eklat. Bereits im Jahr zuvor hatte es scharfen Protest dagegen gegeben, dass auf der CSD-Parade ein Wagen des Großbordells Pascha mitfuhr, laut Eigenwerbung das “größte Laufhaus Europas”. Als dann im Frühjahr 2007 auch noch das “Sommerblut-Festival”, ein Kulturfestival mit homosexueller Zielgruppe, im Pascha eröffnet werden sollte, da reichte es vielen Lesben und einigen Schwulen.

Ich bedauere außerordentlich, dass sich die Kölner Community, beziehungsweise das, was von ihr noch übrig ist, auch auf Betreiben der EMMA-Neurotikerinnen weiter hat zerrütten lassen und schwule Männer den Feministinnen in den – mit Verlaub – Arsch kriechen.

Das Kölner Beratungszentrum für Lesben und Schwule, Rubicon, protestierte gemeinsam mit dem Homo-Jugendzentrum anyway: “Das Pascha betreibt aggressive entwürdigende Werbung. Diese Werbung ist für das Empfinden vieler Frauen – lesbischer wie heterosexueller – beleidigend und demütigend.” Und: “Die Teilnahme des Pascha überschreitet endgültig die Grenzen der Sexualisierung der Parade.”

Teilnehmen an der Parade wollte die sogenannte sieb(en)te Etage des Pascha. Genauer: Die Menschen, die dort ihre Dienstleistungen anbieten -  vornehmlich transsexuelle Menschen und Callboys. Man(n) muss schon eine gehörige Überdosis Feminismus geschluckt haben, um auf den Gedanken zu kommen, ausgerechnet die sexuelle Minderheit der transsexuellen Menschen von einem CSD auszuschließen. Das allerdings von den EMMAs und den ihnen hörigen LakaiInnen beim KLuST ein gehöriges Diskriminierungspotenzial ausgeht ist nicht neu.

Das Rubicon zog seine rund 20 Veranstaltungen aus dem offiziellen CSD-Programm zurück. Die Kölner Grünen drohten mit einem Boykott des CSD. Und auch innerhalb des KLuST selbst flogen die Fetzen, nachdem die vier männlichen Vorstandsmitglieder die drei weiblichen mit ihrem Votum für die Pascha-Teilnahme überstimmt hatten. So manche homosexuelle Frau stand kurz davor, den Solidarpakt mit den homosexuellen Männern aufzukündigen.

Solidarpakt? Es ist genau aufzupassen: Die EMMA versucht immer wieder lesbische Frauen für sich zu vereinnahmen. Die Solidarität lesbischer Frauen in der ‘Lesart EMMA’ besteht darin, unentwegt zu betonen, dass lesbische Frauen mindest ebensoviel Unrecht, wenn nicht sogar viel mehr Unrecht in der deutschen Geschichte erlitten haben und in der Nazi-Zeit mindestens genauso mörderisch verfolgt wurden wie schwule Männer. Das derartiges nicht belegt ist, hinderte die EMMAs nicht daran, in Zusammenhang mit dem Homo-Mahnmal in Berlin entwürdigende und beschämende Zickenvibrationen zu veranstalten. Auf derartige Solidarität kann ich gut und gerne verzichten! Zum Glück haben die meisten lesbischen Frauen nichts mit dieser fehlgeleiteten EMMA-Männerfeindlichkeit zu tun.

Zur unglückseeligen Kölner CSD-Charta jubiliert die EMMA:

Ein Erfolg für die homosexuellen Frauen, die unter heftigem Beschuss mit Prüderie- und Intoleranz-Vorwürfen für eine Repolitisierung und gegen das menschenverachtende Anything goes gekämpft hatten, möchte man meinen.

Mir ist nicht klar, wie man Diskriminierung und Denunzierung, nichts anderes beinhaltet die Charta, als Erfolg werten kann. Sollten (Konjunktiv!) die homosexuellen Frauen im KLuST tatsächlich die Charta als Erfolg für sich verbucht haben, wäre (erneut Konjunktiv!) das ein erschreckender Beleg für ihre feindseelige Haltung gegenüber schwulen Männern. In dem Fall würde ich vorschlagen, das ‘S’ aus KLuST zu streichen, den von so einem Verein sollten sich schwulen Männer möglichst fern halten. Nach der Nummer mit der CSD-Charta und der schwer erträglichen, von der EMMA unterstützten (oder angeordneten) Anbiederung an die CDU (“Die Kölner Charta macht Furore weit über Deutschlands heimliche Homo-Hauptstadt hinaus – in der jetzt sogar die CDU mit Peter Kurth einen homosexuellen Kandidaten in die Bürgermeisterwahl schickt. Und das ist auch gut so.”) wäre  es allerdings ohnehin das Beste, wenn der KLuST sich auflösen würde. Hilfsweise könnte er aber auch mit dem Speichelleckerverein LSU fusionieren.

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