Müssen schwule Menschen lachen und fröhlich sein, wenn die liebe Normgesellschaft ihrer neurotisches Dekadenz freien Lauf lässt?
“Grossartig”, betitelt es der Entertainer Alfred Biolek nach der Vorstellung. Er wolle es sich gerne noch einmal anschauen.
Nun gut, Biolek fällt selbst in die Rubrik ‘neurotische Dekadenz’ und lebt davon, sich ähnlich wie Dirk Bach zum Affen für das Normpublikum zu machen.
Das Normpublikum ist übrigens in der Lage, schwule Menschen zweifelsfrei zu erkennen:
Hitler steht auf einer Theaterbühne in Berlin. Der offensichtlich schwule Führer, der mit zweitem Vornamen Elisabeth heißt, trägt ein glitzerndes Hakenkreuz und bewegt sich etwas unbeholfen.
Worum es geht? Mel Brooks hat den letzten Rest seines Hirns erbrochen und daraus ein Musical gemacht: The Producers, Frühling für Hilter
Dieses Stück ist entgegen den offiziellen Bekanntmachungen und der ahnungslosen Presseberichterstattung keine Persiflage auf Hitler und die Nazis, nein, es geht darum, schwule Menschen zu per(ver)siflieren. Michel Friedman hat das – unbewusst – zutreffend erkannt:
Hitler ist schwul, dekadent und ein Weichling
‘Schwul’ als Negativmerkmal, nicht nur bei Friedman, sondern in allen Medienberichten, die ich zu diesem Musical gelesen habe, und vor allem auch für Brooks.
Ein “Mann im Trenchcoat” erklärt der Süddeutschen Zeitung:
Man muss ja zwischen Theater und Wirklichkeit unterscheiden können
Ich fürchte, große Teile der hochgeschätzten Öffentlichkeit können genau das nicht und werden sich vielmehr bestätigt sehen in ihren Vorturteilen – nicht über die Nazis, über schwule Menschen!