Die Kölner CSD-Charta, ich gab seinerzeit kostenlos meinen Senf
dazu, ist suspendiert worden, so verkündet es jedenfalls der allgewaltige Erdbeerschorsch KLuST-Vorsteher Markus Danuser:
Nachdem die einstimmig beschlossene CSD-Charta, eine Art-Benimm-Kodex für die Teilnehmer der CSD-Parade, sehr kontrovers aufgenommen wurde, werde man, so Danuser, ihre Anwendung, die eine mögliche „Sanktionierung“ einschließt, „suspendieren“ und sich den Ablauf erst noch einmal in Ruhe „angucken“. Der Klust wolle sich nicht dem Vorwurf der „Aufspaltung der Szene“ und der „Entsolidarisierung“ aussetzen.
Nun, das Wort ’suspendiert’ ist ein Synonym für das Wort ‘beurlauben’ und gehört zu dem Oberbegriff ‘entlassen’. (Das dazugehörige Nomen ist übrigens ‘Suspendierung’, nicht etwa ‘Suspensorium’
)
Diese Entwicklung ist sehr zu begrüßen und ich gehe davon aus, dass der Begriff ’suspendieren’ nicht synonym, sondern im Sinne des Oberbegriffs zu verstehen ist. Der KLuST mag bei nächster Gelegenheit, möglichst ohne lange Diskussion, die Charta formell aufheben, als Relikt übereifriger schwuler Selbstkasteiung dem Museum für Schwule Geschichte übergeben, und sich dann wichtigen Themen zuwenden, zum Beispiel, wie der ColognePride auf die gestrigen Ereignisse in Moskau reagiert oder wie mit dem zeitgleich mit extrem homophoben Hasssängern stattfindenden Summerjam am Fühlinger See umzugehen ist.
Neben der unvermeidlichen Marie-Luise Nikuta wird übrigens reichlich Kölner (möchtegern) Ortprominenz aufkreuzen:
Dann soll Peter Kurth [CDU-Oberbürgermeisterkandidat, StM] nämlich zusammen mit OB Fritz Schramma den Startschuss zur Straßenparade des CSD geben – das wünscht sich Markus Danuser, Vorstand des Kölner Lesben- und Schwulentags (KLuST). „Wir werden ihn einladen und hoffen, dass er kommt“, betonte er gestern im Intercontinental, das extra zur Präsentation des diesjährigen Programms die Regenbogenflagge gehisst hatte. Auch Danusers Kollegin Sabine Arnolds freut sich schon auf die Zusammenarbeit mit dem homosexuellen Politiker. „Sollte er OB werden, würde das Köln bestimmt gut tun“, glaubt sie.
Ich mache den KLuST ausdrücklich darauf aufmerksam, dass
- CSD kein Synonym für CDU ist und CDU nicht der Oberbegriff für CSD ist
- die parteipolitischen Vorliebe der KLuST-Vorsteher und -Vorsteherinnen bei den schwulen und lesbischen Menschen der Stadt nicht mehrheitsfähig ist
- der CSD keine Wahlkampfverstaltung der CDU ist, auch nicht ihrer drei oder vier scheinbar schwulenfreundlichen Funktionäre
- Schramma sich in den vergangenen Jahren nicht allzu oft in der Parade hat sehen lassen und auf seine wahltaktische Anwesenheit ersatzlos verzichtet werden kann
- es keinen Grund gibt, anzunehmen, es würde Köln “bestimmt gut tut”, wenn das Oberbürgermeisteramt nach neun Katastrophenjahren für Köln weiterhin in CDU-Händen bleibt
- meine seinerzeitige Headline nicht als Aufforderung zu verstehen war, einen praktizierenden Katholiken die ProzessionParade eröffnen zu lassen
- auch die SPD, Bündnis 90/Die Grünen und die FDP Oberbürgermeisterkandidaten aufgestellt haben
- der gemeinsame Oberbürgermeisterkandidat von SPD und Bündnis 90/Die Grünen, Jürgen Roters, es war, der, abweichend vom Geschäftsverteilungsplan der Bezirksregierung, in seiner Amtszeit als Regierungspräsident in Köln die erste gleichgeschlechtliche Lebensverpartnerung beurkundet hat und gegen den Widerstand der CDU an seinem Dienstgebäude Regenbogenflaggen hat hissen lassen.
Ich sehe nicht, warum man Herrn Kurth in den Arsch kriechen und dem Kompassnadel-Preisträger (2001) Jürgen Roters vor Kopf stoßen sollte.
Billigt man dem ColognePride zumindest einen Rest an politischem Charakter zu und versteht die Parade zumindest ansatzweise auch als Demonstration für die Gleichberechtigung schwuler Menschen – der KLuST hat freilich eher einen bierzeltnahen Massenhype vor Augen -, dann gibt es keinen Grund, mit der CDU zu demonstrieren, aber viele Gründe, gegen die homophoben Vorstellungen der CDU, namentlich der NRW-CDU, zu protestieren.
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