Marburger Kongress: Akademie für Psychotherapie und Seelsorge unterstützt weiterhin Schwulenheiler

Der LSVD berichtet über ein Gespräch mit den Veranstaltern des Internationaler Kongresses für Psychotherapie und Seelsorge in Marburg (20. bis 24.05.2009):

Die Vertreter der APS [Akademie für Psychotherapie und Seelsorge e.V.] halten an den umstrittenen Referenten Christel Vonholdt, Markus Hoffmann und Michael Gerlach fest. Sie gehören, so die Vertreter der APS, zum christlichen Spektrum, innerhalb dessen der Dialog durch den Kongress in Gang gebracht werden soll.

Wir waren uns mit den Vertretern der APS einig, dass Homosexuelle allein aufgrund ihrer sexuellen Identität weder krank noch therapiebedürftig sind. Herr Dr. Grabe und Herr Dr. Seehuber lehnen Konversions- oder Umpolungstherapien ab. Zu einer eindeutigen Ablehnung von Reparativtherapien waren sie dagegen nicht bereit. Zur Begründung erklärte Herr Dr. Grabe, dass der Begriff Reparativtherapie inhaltlich noch nicht klar definiert sei. Frau Vonholdt habe den Begriff in ihrer letzten Presseerklärung mit neuem Inhalt gefüllt, der erst geklärt werden müsse. Die Vorstellung von „Reparatur“ lehnen Dr. Grabe und Dr. Seehuber aber eindeutig ab.

Wir haben Herrn Dr. Grabe und Herrn Dr. Seehuber drauf hingewiesen, dass diese gewundene Erklärung nicht zur Deeskalation der Situation beiträgt. Daraufhin erklärte Herr Dr. Grabe, dass er Frau Vonholdt nicht desavouieren wolle.

Damit steht nunmehr fest, dass es sich tatsächlich um einen Schwulenheilerkongress handelt und die APS die perfiden Methoden von Hoffmann, Gerlach und Vonholdt deckt. Die Proteste gegen diese Veranstaltung sind nur zu berechtigt!

Mit der Vonholdt’schen Presseerklärung ist offenbar ein Interview der Oberhessischen Presse mit Vonholdt gemeint, in der Vonholdt mitnichten den Begriff Reparativtherapie mit neuem Inhalt gefüllt hat, jedoch erneut offenbarte, dass sie bis zur Halskrause voller Schwulenfeindlichkeit steckt:

Meine leidvolle Erfahrung ist, dass es zu wenig Therapeuten gibt und es dringend mehr bräuchte, um Menschen, die sich eine Abnahme ihrer homosexuellen Empfindungen wünschen, fachgerecht zu begleiten.

Das Thema ist aber derart tabuisiert, dass Menschen oft keine Hilfe finden. Ich kenne Männer, die regelmäßig ins europäische Ausland fahren oder erfolgreich eine Telefontherapie mit kalifornischen Psychotherapeuten durchführen, weil sie in Deutschland keine Hilfe bekommen. Leidenden Menschen das Recht absprechen zu wollen, eine Therapie ihrer Wahl einzugehen und ein Therapieziel ihrer Wahl anzustreben, ist unsensibel und in hohem Maß diskriminierend, weil es sich über die klar formulierten Bedürfnisse von betroffenen Menschen hinwegsetzt.

Ein guter Therapeut, würde, bevor er mit dem ohnehin fruchtlosen Schwulenheilen beginnt, fragen, wie es zu diesen identitätswidrigen Wünschen und Bedürfnissen kommt. Vonholdt ist von seriöser Ursachenforschung weit entfernt, denn ihr Weltbild ist in Beton gegossen:

Wir wenden uns [...] gegen die „homosexuelle Ehe und Familie”.

[...]

Die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau, das zeigen zahlreiche Studien, bietet die bestmöglichen Entwicklungschancen für ein Kind.

Bisher hat Vonholdt nicht eine einzige dieser Studien auf den Tisch legen können – weil es sie nicht gibt!

Der Staat muss deshalb ein Interesse haben, der Ehe zwischen Mann und Frau eine rechtliche und öffentliche Vorrangstellung vor allen anderen privaten Lebensformen zu gehen. Die Umdeutung von Ehe und Familie ist kulturzerstörend.

Es ist schon bemerkenswert, dass Vonholdt die Definitionshoheit über die Begriffe Ehe und Familie für sich beansprucht. Anstatt ein paar Minuten Zeit für klare Gedanken zu opfern, zieht sie es vor, ihr kleines misanthropisches Reich zu verteidigen, indem sie ‘reparativ’ das zu zerstören versucht, was etwas Kultur in ihr Leben bringen könnte.

Der Sexualwissenschaftler Erwin J. Haeberle bezeichnet reparative Therapien als

psychiatrische Reparaturversuche an den angeblich beschädigten Seelen von Homosexuellen, die man damit zu “gut funktionierenden” Hetersosexuellen machen will. Der Ausdruck und die Praxis unterstellen, dass die Homosexualität eine Fehlfunktion ist, die korrigiert werden muss. Dies ist aber ein moralistisches Werturteil, keine objektive wissenschaftliche Feststellung. In der Tat, die Zielpersonen solcher Korrekturversuche halten sich selbst gewöhnlich für voll funktionsfähig und können mit Recht die Volksweisheit zitieren: “Was nicht kaputt ist, soll man auch nicht reparieren.” Jeder Versuch, es trotzdem zu tun, ist nichts als der missionarische Eifer von Kreuzzüglern, die unter dem Mantel der Wissenschaft sexuelle Gleichmacherei betreiben wollen.

und beschreibt damit exakt die Vorstellungen Vonholdts über den Umgang mit schwulen Menschen.

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4 Responses to Marburger Kongress: Akademie für Psychotherapie und Seelsorge unterstützt weiterhin Schwulenheiler

  1. Pingback: Freundliches oder ‘un-freundliches’ Feuer? « Sirdancsblog – Kritik und Rezension

  2. lina says:

    wusste gar nicht über diese veranstaltung. das ist aber wahnsinn..?!

  3. Roberta Riesenbach says:

    Eine solche Veranstaltung und weitere Diskussionen finde ich ganz unnötig.

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