Gott, falls einen gibt, Juden, Christen, Moslems und gegebenenfalls er selbst haben es in den vergangenen Jahrtausenden versäumt, auch nur den geringsten Anhaltspunkt für seine Existenz zu liefern, hat mir meine Homosexualität geschenkt. Wo sollte sie sonst herkommen, wenn die Menschen doch Gottes Schöpfung sind?
Ja, Homosexualität ist ein Geschenk, eher ein Geschenk der Natur, als das eines Gottes, aber sie ist ein Geschenk, denn ich habe dafür nichts getan.
Zwar hat ein Teil meiner Mitmenschen nichts Besseres zu tun, als sich damit zu beschäftigen, wie sie mir dieses Geschenk vermiesen können (Neid?), aber ich gebe es nicht mehr her. Da kann der Zürcher Kantonsrat Michael Welz, seines Zeichens Sprecher der religiös-faschistischen Eidgenössisch-Demokratischen Union (EDU) so oft rufen wie er will
Gott schenke Befreiung aus der Homosexualität!
Angenommen, es gäbe diesen Gott: Warum sollte er so blöd sein, und nur auf das Geschrei dieses Welz mir mein Geschenk wieder wegnehmen? Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, mehr Vertrauen in Gott, dessen Existenz ich nichteinmal ernsthaft in Betracht ziehe, zu haben, als so mancher selbst deklarierter Christ.
Welz hat noch mehr auf Lager:
Die Stadt Zürich werde fünf Wochen lang zu einer Werbeplattform für den homosexuellen Lebensstil umfunktioniert und wende sich damit «vom Segen Gottes ab», sagte Kantonsrat Welz.
Homosexueller Lebensstil! Aha, da weiß wieder einer, der Landwirt Welz aus Oberembrach, ganz genau wovon er spricht. Oder vielleicht doch nicht? Homosexueller Lebensstil heißt zum Beispiel im Gegensatz zum heterosexuellen Lebensstil nicht, die eigenen Töchter jahrelang oder gar jahrzehntelang in Kellerverliesen vor der bösen Welt zu beschützen und ihnen intensive körperliche Vaterliebe zuteilwerden zu lassen, oder die eigenen Kinder im Säulingsalter in den Kühlschrank zu legen, damit sie sich länger frisch halten, oder schwule Männer grausam zu quälen, für physische und psychische Menschenversuche zu verwenden, um ‘Gottes Segen’ für die saubere heterosexuelle Menschheit zu erzwingen, oder, oder, … Einzelfälle? Mitnichten! Die Tagezeitungen würden mit der halben Seitenzahl auskommen und zweidrittel der Richter wären arbeitslos, wenn der gottgesegnete heterosexuelle Lebensstil nicht ein so zweifelhafter wäre.
Ein Hassprediger kommt selten alleine und so gesellt sich zu Welz ein zweiter eidgenössischer ‘Demokrat’:
Nun meldete sich EDU-Fraktionspräsident Stefan Dollenmeier (Rüti) zu Wort. Gleich wie Alkohol und Nikotin sei auch die schwule Lebensform gesundheitsgefährdend.
Die Schwulenhasser schreiben alle beieinander ab, dadurch wird’s nicht richtiger. Der Tagesanzeiger, aus dem ich hier zitiere, hat seinen Bericht, damit die Leserschaft weiß, was “die schwule Lebensform” ist, mit diesem Bild garniert:

Zwei sich küssende Bartmänner! Was ist daran wohl ernsthaft gesundheitsgefährdend? Zwei knutschende Männer! Sie schlagen nicht um sich, prügeln nicht auf andere ein, stechen keine anderen Menschen ab. Sie mögen sich, sie haben sich gerne, vielleicht lieben sie sich sogar. Was ist daran gesundheitsgefährdend?
Die Raten für Suizid, Depressionen und Aids seien bei Schwulen nachweislich höher.
Ob die “Raten für Aids bei Schwulen”, wie Dollenmeier aus Rüti meint, tatsächlich höher sind, wäre noch zu klären. Das viele schwule Menschen an Depressionen leiden und zu viele ihrem Leben ein Ende setzen (wollen) ist allerdings nicht Folge “der schwulen Lebensform”, sondern des heterosexuellen Lebensstils ganz besonderer Ausprägung mancher besonders lieben und gottgesegneten Mitmenschen.
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