Über schwules Blut schreibt Leonard Goldmann in seinem Blog:
Also mir ist es persönlich völlig Wurst wer schwul, bi, oder sonst was ist. Jeder soll machen was er will, solange, so oft und so verrückt er nur kann. Das ist in Ordnung. Ich richte mich da eigentlich nach der Natur- dort gibt es homosexuelle Tiere, warum also nicht auch bei uns…
Jetzt bin ich aber auf einen Punkt gestoßen den ich so in Deutschland nicht für möglich gehalten hätte.
Homosexuelle Männer dürfen in Deutschland kein Blut spenden. Man muss sich das mal vorstellen. Es gibt so viel Bedarf an Blut, Organen oder Knochenmark und tatsächlich wird trotz allem Klagen, mit dem Hypokratischen Eid gebrochen und verfügbares Blut einfach nicht angenommen…Wer sich weiter belesen oder helfen will kann das hier, oder wahrscheinlich beim Verein Schwules Blut e.V.
Das ist eine bemerkenswerte, weil nicht allgemein, vermutlich nicht einmal mehrheitlich verbreitete Auffassung.
Goldmann schreibt aber auch:
Die einzigen No Go Punkte sind für mich wenn homosexuelle Paare Kinder adoptieren, finanzielle Vorteile aus der Ehe schlagen, oder aber finanzielle Vorteile aus dem Tod des Partners in Form von Witwerrente erhalten wollen. Diese drei Punkte widersprechen meines erachtens der Natur.
Das ist weniger bemerkenswert, dafür umso mehr irritierend. Ich hatte bisher nicht wahrgenommen, dass sich die Natur mit den finanziellen Fragen einer Ehe oder mit Rentenangelegenheiten befasst hat. ‘Adoptionen’ von Jungtieren durch homosexuelle Tiere hingegen sind durchaus überliefert.
Auf einen ähnlichen Vorhalt seiner Leser führt Leonard Goldmann in einem weiteren Post seine Ansichten näher aus:
Wie schon erwähnt, finde ich, dass jeder so schwul, bi, oder hetero sein soll wie er nur kann. Im Gegenteil ich bin dafür die Grenzen im Kopf wie auch in den Gesetzbüchern weiter und weiter ein zu reißen. Wir sind überreglementiert, hoffnungslos mit Gesetzen und Regeln überladen, behaupten aber doch wir wären eine freie Gesellschaft.
Recht hat er!
Es ist eine Schande dass es so lange gebraucht hat bis homosexuelle, standesamtlich geschlossene Ehen möglich waren.
Leider ist genau das nicht möglich! Eingetragene Lebenspartnerschaften sind keine Ehen und noch immer zicken ein paar Bundesländer in der Standesamtfrage herum.
Doch gibt es meiner Meinung nach einen großen Unterschied zwischen der Möglichkeit Dinge zu tun, wie eben das jeder, jeden heiraten kann, oder der Tatsache das man für sein tun „finanziell besser gestellt“ wird.
Es geht nicht darum finanziell besser gestellt zu werden, sondern darum finanziell gleich gestellt zu werden.
Der Schutz der Familie ist bei uns im Grundrecht verankert. Daher ist es auch gut, das Familien steuerlich begünstigt werden. Familien sind heute fast mehr denn je, die Basis und die Zukunft unserer Gesellschaft. Ohne maximale Geburtenraten wird Europa nicht von der Finanzkrise sondern von einer umgekippten demografischen Pyramide erschlagen. Dieses Szenario braucht nur noch wenige Jahre und kann nur aufgehalten werden von Familien die wohlerzogenen Nachwuchs ins Leben entsenden…
Maximale Geburtenraten? Was heißt das? Gebähren bis zum umfallen? Und was wird aus den vielen Gebohrenen? Halten wir eine angemessene Betreuung für die Kinder und Jugendlichen bereit? Halten wir ein gutes Bildungswesen und zu gegebener Zeit ausreichend Ausbildungs- und Arbeitsplätze vorrätig?
Gegenwärtig beweist die Lebenswirklichkeit, dass ein erheblicher Teil, vielleicht sogar die Mehrheit der Eltern oder sonst mit der Erziehung betrauten, nicht in der Lage ist, ihre oder die ihnen anvertrauten Kinder wohl zu erziehen. Wenn es so weitergeht, werden uns weder Finanzkrise noch Pyramiden erschlagen, sondern der Nachwuchs.
Es gibt in unserer Gesellschaft dabei eine Menge von guten Institutionen die nur auf den notwendigen Schutz oder die Absicherung von Familien abzielen. Elterngeld, Steuervergünstigungen, Witwen/r Rente, usw. usf.
Sind die Institutionen wirklich gut oder halten wir sie nur für gut? Vieles ist nur Folge undurchdachten politischen Aktionismus. Mit Geld lässt sich nicht alles regeln. Und die Verwitwetenrente dient nicht der Absicherung der Familien, sondern des/der Verwitweten.
Warum soll aber denn ein schwules Pärchen Anspruch auf Witwerrente haben?
Das ist einfach zu beantworten: Weil schwule Menschen, soweit sie Mitglied in der gesetzlichen Rentenversicherung sind, Rentenversicherungsbeiträge zahlen. Und diese Rentenversicherungsbeiträge werden für die eigene Altersversorgung entrichtet; nicht für die Altersversorgung anderer Menschen. Dass wir in der gesetzlichen Rentenversicherung keine vernünftige Kapitaldeckung haben, sondern mit einem hinkenden Umlagesystem arbeiten, ist ein eklatanter Systemfehler der sich noch furchbar rächen wird (ich würde an Goldmann’s Stelle jedenfalls nicht darauf vertrauen, dass ihm die Kinder von heute in ein paar Jahren die Rente bezahlen), hat nichts mit schwul oder nicht schwul zu tun. Wenn zwei Menschen dauerhaft miteinander leben und wirtschaften bringt es die Vernunft mit sich, auch eine gemeinsame Altersversorgung anzustreben, die sich selbstverständlich über den Tod des Erstversterbenden hinaus erstrecken soll. Das hat mit Kindern nichts zu tun.
Ein „Geldwerter“ Dienst an der Gesellschaft durch das heiraten homosexueller Männer existiert nicht. Warum soll aber denn ein schwules Pärchen Anspruch auf Witwerrente haben? Ein „Geldwerter“ Dienst an der Gesellschaft durch das heiraten homosexueller Männer existiert nicht. Auch ist nicht an zu nehmen, das schwule Männer Kinder bekommen und somit die Notwendigkeit entsteht das ein Partner zu Hause bleibt wodurch ein Einkommensverlust kompensiert werden muss. Kurz und knapp gesagt, es fällt mir kein Argument ein warum jemand eine solche Zahlung erhalten sollte, ohne vorher der Gesellschaft den dies rechtfertigenden Dienst erwiesen zu haben.
Nun, ein geldwerter Dienst an der Gesellschaft entsteht auch durch das Heiraten heterosexueller Menschen nicht. Auch nicht durch das Zeugen von Kindern. Im Gegenteil: Es entstehen, um bei der von Goldmann eingeschlagenen wirschaftlichen Betrachtungsweise zu bleiben, für einen Zeitraum von 20 oder mehr Jahren enorme Kosten und es ist völlig unklar, ob diese Kosten jemals wieder ‘hereingeholt’ werden können. Der sogenannte Generationenvertrag hat jedenfalls noch nie funktioniert.
Mit dieser geldbezogenen Betrachtung wird Goldmann nicht weit kommen!
Vielleicht bin ich nicht ausreichend geldfixiert, nicht genug auf die Verrentung meines Lebens bedacht, vielleicht denke ich zu wenig in Geldeswert. Vielleicht bin ich einfach zu altmodisch und zu konservativ, als dass ich Kinder und alte Menschen in ein monetäres Kalkül ummünzen wollte. Jedenfalls sehe ich, anders als Goldmann, eine Partnerschaft und Kinder nicht als Profitcenter.
Ist denn Geld, ein Geldwert, das Entscheidende, wenn es um Menschen geht? Ist nicht Liebe der Wert, der unsere Gesellschaft trägt. Wir können all dem Hass, all den verunglückten Beziehungen, all den zerrütteten Familien doch nicht Geld entgegensetzen. Damit verdecken wir allenfalls die Probleme. Und das, was als Kindergeld und gegenwärtig als Kinderbonus verteilt wird, dürfte eher selten den Kindern zugutekommen, sondern irgendwo versickern.
Ist nicht das, was zwei liebende Menschen sich an Beistand und Schutz gewähren, viel bedeutender als finanzielle Sicherheit?
Können nicht zwei Menschen, die in Liebe zueinanderstehen, allein durch die Stabilität ihrer Beziehung der Gesellschaft einen Wert geben?
Ist es so fernliegend anzunehmen, dass eine Gesellschaft, die zwei liebende Menschen benachteiligungsfrei schützt, eine bedeutende Gegenleistung von diesen Menschen erhält, ohne dass diese Gegenleistung in einer Steuer- oder Kinderquote gemessen werden kann?
Ist es so abwegig, auf den Gedanken zu kommen, dass zwei sich liebende Menschen, die nicht ständig gegen Anfeindungen kämpfen müssen, die nicht ihre Energie in ständigen Streitereien um ihren rechtlichen Status verausgaben, ein beachtlicher Aktivposten an ihrem Arbeitsplatz, in ihrer Nachbarschaft, in der Gesellschaft schlechthin sind?
Vor diesem Hintergrund wirkt Goldman’s Eingangs dargestelltes Entsetzen über das Blutspendeverbot für schwule Männer heuchlerisch. Schwule Männer sollen der Gesellschaft alles geben dürfen oder müssen, auch Geld und Blut, aber nichts zurückerwarten. Ausbeutung nenne ich das!
Goldmann’s Logik zufolge wäre ein Mensch, der sich angesichts seines gefährlichen, aber für andere Menschen überlebenswichten Berufs entscheidet, Ehe- und Kinderlos zu bleiben, nichts wert und hätte keinen Rentenanspruch. Obgleich seine lebensrettende Tätigkeit nach Goldmann’s Gleichung den Wert vieler Kinder aufwiegen würde. Aber: Es widerstrebt mir zutiefst den Wert eines Menschen gegen den Wert eines anderen aufzurechnen. Noch viel weniger mag ich das Leben eines Menschen, wie auch immer es sich darstellen mag, in einen Geldwert fassen. Denn fehlt dieser Geldwert oder ist er nicht groß genug, dann sind wir schnell beim wertlosen Leben, beim unwerten Leben, vielleicht beim Leben als Schaden, bei der Schadenbeseitigung.
Vielleicht ist es das, was schwule Menschen und die heterosexuelle Normgesellschaft unterscheiden: Die erstgenannten kämpfen um ihre Liebe, um ihr Dasein als Menschen. Gegen alle Widerstände und allen – auch finanziellen – Schwierigkeiten zum Trotz. Die anderen haben Dollarzeichen in den Augen, sehen ihre Ehe und ihre Kinder als Geldwert und rufen nach den geldwerten Segnungen des Nachtwächterstaates.
Related posts
Filed under: Miscellaneous
Trackback Uri
2 Comments.
Trackbacks/Pingbacks
-
[...] und die Gleichstellung homosexueller Paare positionierte. Diesen Beitrag wiederrum griff hier Steven Milverton [...]



die Antwort kommt verdammt spät, aber besser als nie:
http://www.leonard-goldmann.de/index.php/allgemein/homoehe-zweiter-akt/