GayWest berichtete kürzlich über einen im Mai in Marburg geplanten “Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge zum Thema Identität”:
Wüstenstrom will’s wieder wissen: Nach den Rückzügen von Graz und Bremen versucht man es diesmal in Marburg, beim 6. Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge, der für den 20. bis 24. Mai diesen Jahres angekündigt ist. Ob die Veranstalter wissen, wen sie da als Redner und Seminarleiter eingeladen haben? Wenn nicht, muss man ihnen wenigstens mangelnde Sorgfalt bei der Auswahl der Referenten vorwerfen. Denn wer jemand mit einem solch dubiosen Hintergrund wie Roland Werner als Hauptredner einlädt, sollte sich nicht auf Unwissenheit berufen. Werner, laut Kongressprogramm “1996, 2002 und 2008 Vorsitzender des Christival”, ist Autor von Büchern mit Titeln wie “Christ und homosexuell?”, “Homosexualität – ein Schicksal?” und “Homosexualität und Seelsorge”. Außerdem ist er Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Institutes für Jugend und Gesellschaft der Offensive Junger Christen. Neben Werner finden sich folgende selbsternannten Homo-Heiler im Kongressprogramm:
- Markus Hoffmann zum Thema “Reifung in der Identität als Frau und als Mann”
- Michael Gerlach über “Sexuelle Identitätskonflikte”
- Christl Ruth Vonholdt über “Weibliche Identitätsentwicklung und mögliche Probleme”
Mit Hoffmann, Gerlach und Vonholdt habe ich mich auch schon beschäftigt. Roland Werner ist mir ebenfalls unangenehm aufgefallen.
Um das Bild der Veranstaltung, der Stadt und Universtität Marburg auf Kosten des Steuerzahlers ein Forum bieten, weiter zu vervollständigen, möchte ich die Aufmerksamkeit auf Raphael M. Bonelli lenken, der in dem Kongressprogramm ebenfalls als Hauptredner (Thema: Identität, Tugend und Selbstwert) angekündigt wird.
Raphael M. Bonelli ist Laienmitglied katholischen Sekte Opus Dei. Er war Organiator und Leiter der im GayWest-Beitrag erwähnten Veranstaltung in Graz, in der er einem Exorzisten ein Forum bot.
PD Dr med et scient Raphael M. Bonelli firmiert als Facharzt für Psychiatrie, Neurologie und ärztlicher Psychotherapeut. Das Opus-Dei-Mitglied hat laut der österreichischen Wochenzeitung Profil vom 10.09.2007 in der Vergangenheit Patienten an die Umpolungsorganisation Wüstenstrom vermittelt.
Er musste seinen damaligen Arbeitsplatz in der Grazer Universitätsklinik aufgeben, nachdem er in einen Skandal verwickelt war. Dabei ging es um eine Studie, die er durchführte ohne die österreichische Ethikkommission zu informieren und ohne die Einverständniserklärungen der Patienten eingeholt zu haben. Er arbeitet heute als niedergelassener Psychiater in Wien.