17 Mar 09

Ich bin auf der Suche. Ich habe schon überall nachgesehen: Im Keller, im Kühlschrank, unter’m Bett, im Bett. Sie ist nirgendwo zu finden. Auch nicht in meinem Portemonnaie, nicht auf meinem Bankkonto. Sie ist einfach nicht da, die Kaufkraft, die enorme Kaufkraft über die ich angeblich verfüge und die mich von meinen kindergeldgesegneten nicht schwulen Mitmenschen unterscheiden soll:

Aktuelle Studie von PINK Marketing und Marketagent.com belegt, dass schwule Männer trotz Wirtschaftskrise über deutlich höhere Kaufkraft als heterosexuelle Männer verfügen. Geld wird vor allem in Kosmetikprodukte, Luxusgüter und Bekleidung investiert.

Aha, eine Studie. Ein kurzer Blick auf die Formalien:

knapp 500.000 schwulen Männer in Österreich

Wer hat die gezählt?

in der 585 homosexuelle und 570 heterosexuelle Männer zu ihrem Konsum-, Lifestyle- und Freizeitverhalten befragt wurden

585 Männer sind rund 0,1 vH der angeblichen 500000 schwulen Männer in Österreich. Für Volksverdummung reicht das aus; für mehr nicht. Der vH-Satz bei den heterosexuellen Männern ist noch um ein Vielfaches kleiner. Bei genauem Hinsehen lässt sich feststellen, dass in diesen 585 Männern auch bisexuelle Männer enthalten sind, ohne das die Zahlen auseinandergezogen werden.

Wer die Deppen sind, die diese Unfug verbreiten?

PINK Marketing-Geschäftsführer Günther Moser [...] Marketagent.com-Geschäftsführer Thomas Schwabl.

Dass diese Herrschaften Geld für den von ihnen verbreiteten Studienunsinn bekommen, zeugt davon, dass sie in der Lage sind, andere über den Tisch zu ziehen.

Folgendes haben sie unter anderem erfunden:

37,7 Prozent der befragten schwulen Männer gaben an, dass ihnen gutes Aussehen „sehr wichtig“ ist, während lediglich 18,7 Prozent der Heterosexuellen Männer ihrem Aussehen eine sehr wichtige Bedeutung zumessen. Besonderen Wert auf die äußere Erscheinung legten Befragte im Alter zwischen 20 und 39 Jahren. Rund die Hälfte der Homosexuellen (47,2 Prozent) kleidet sich gerne in den neuesten Modetrends, während nur 31,8 Prozent der Heterosexuellen modisch die Nase vorne haben.

Warum das erfunden ist? Nun, mein Beweismittel gehört nicht zur feinen englischen Art, aber ein Blick auf den PINK Marketing-Geschäftsführer Günther Moser erklärt, warum ich hier von ‘erfunden’ schreiben kann:

Das Foto habe ich nicht nachbearbeitet! Die veröffentlichen es auf ihrer Homepage!

Die Ergebnisse der ‘Studie’ sind dort zu finden: Schwule Kaufkraft trotz Wirtschaftskrise

Die Herrschaften von PINKNEWES glauben, wie dort zu lesen und dort zu hören ist, offenbar, was sie da zusammengerechnet haben. Nun könnte man sie in ihrem Sandkasten spielen lassen, aber sie mussten es natürlich als ganz tolle Erkenntnisse herausposaunen.

Und das haben die Medien daraus gemacht:

ORF:

Ein homosexueller Mann hat im Schnitt doppelt so viele Hemden im Schrank wie sein heterosexueller Kollege.

Während der heterosexuelle Mann sein Geld tendenziell eher in Sportgeschäften, in Elektro- und in Baumärkten ausgibt, investiert der Schwule mehr in sein Aussehen: Dabei setzt er auf Lifestyle- und Markenprodukte, kauft Uhren, Schmuck und teurere Autos und geht öfter aus.

Der Schwule!

Kurier:

Der schwule Mann will sich beim Shopping verstanden fühlen.

Der schwule Mann!

Die Presse:

Konsum: Kaufrausch in Pink

Sie pflegen sich gerne, lieben Lifestyle, Mode und Kultur, sie gehen gerne aus und treiben viel Sport: Die Klischees über schwule Männer scheinen zu stimmen.

„Schwule Männer hat die Krise noch kaum getroffen“, sagt Günther Moser, Geschäftsführer von Pink Marketing. „Sie haben mehr Geld, geben es bereitwilliger aus und tun sich in der Krise leichter, weil sie unabhängiger sind.“

Es wird nun wieder monatelanger Kleinarbeit bedürfen, deutlich zu machen, dass nicht alle schwulen Männer kinderlos sind, nicht alle schwulen Paare doppelverdiener sind, dass es arbeitslose schwule Männer gibt, …

 

 

Related posts


Filed under: Miscellaneous

Trackback Uri


Trackbacks/Pingbacks

  1. [...] Thomas Schwabl (beide Wien) haben wieder in die unterste Schublade gegriffen und erneut eine sogenannte Studie [...]



Leave a Comment



Subscribe without commenting