Was mag eine örtliche AIDS-Hilfe, in diesem Fall die Münchner, bewegen, Geld für eine Kampagne auszugeben, auf der diese Bilder auf Plakaten und Postkarten zu sehen sind und, so das ausdrückliche Bekunden der AIDS-Hilfe München, Assoziationen zu den menschenverachtenden Diktatoren Russlands (die Angabe „Russland“ deutet auf Putin hin, das Foto erinnert jedoch eher an den Sowjetdiktator Stalin), Nordkoreas und Chiles geweckt werden sollen.
Dass die Herrschaften der Münchner AIDS-Hilfe nun Ihre Wichsfantasien plakatieren wollen, ist eine Sache; mit dieser uniformfetischierten Entblößung müssen sie selber fertig werden.
Schlimmer und schwer erträglich ist es, dass die Münchner AIDS-Hilfe schwulen Männern eine Vorliebe für Diktatoren und wohl auch auch eine Affinität zu Diktaturen unterstellt. Hitlers triumphale Münchener Auftritte haben wohl in manchen Köpfen einen bis heute nachwirkenden Eindruck hinterlassen. Ich frage mich, ob ich in der Vergangenheit meine Schwerpunkte richtig setzte, als ich Evan
gelikale, verwirrte Katholiken und us-amerikanische Politiker der GOP dafür kritisierte, dass sie schwule Menschen mit Geistesgestörten, Mördern oder Kinder- und Tierfickern gleichsetzten, wo doch die AIDS-Hilfe in München ein ganz anderes Kaliber auffährt. Die, in Anschluss an K
ern, kürzlich von Buttars geäußerte Vorstellung, dass schwule Menschen die größte Bedrohung für die Menschheit darstellen, finden in den Plakaten der AIDS-Hilfe München ihre grafische Umsetzung.
Vorsorglich hat sich die AIDS-Hilfe München auch die Terminologe der kleinen und großen Diktatoren zu eigen gemacht:
Natürlich wollen wir nicht grundsätzlich die Autonomie des Einzelnen in Frage stellen.
Natürlich nicht. Auch Diktatoren stellen die Autonomie des Einzelnen nicht in Frage, so lange er die dargereichten politischen Pillen schluckt, nicht der ‘falschen’ politischen anhängt, nicht schwul ist, kein Jude, Christ oder was sonst gerade nicht passt, ist, keine ‘Feindsender’ hört, keine abweichende Meinung vertritt.
Mehrfach habe ich in den letzten Monaten gehört, unter schwulen Männern mache sich ein gewisses Unbehagen darüber breit, dass in den AIDS-Hilfen kaum noch schwule Menschen tätig seien und die Lebensverhältnisse schwuler Männer in der Beratung kaum noch Berücksichtigung finde. Die AIDS-Hilfe München scheint eine schwulenfreie Zone zu sein. Anders lässt sich der Angriff (die militärische Aufmachung der Bilder lässt mich zu dieser Diktion greifen) auf schwule Männer nicht erklären. Da ist von schwanzgesteuerten Schwulen die Rede, die HIV verbreiten und es wird das von vielen in mühsamer Kleinarbeit auf’s Sterbebett gelegte Vorurteil vom schwanzgesteuerten, rücksichtslos umherfickenden Schwulen vor dem Tod bewahrt, wenn es heißt:
Die meisten schwulen Männer haben für sich die Erfahrung gemacht, dass es nicht nur die Vernunft ist, die unser Handeln beim Sex bestimmt.
Alle schwulen Männer dürfen nun die Erfahrung machen, dass das Handeln der AIDS-Hilfe München ganz gewiss nicht von Vernunft bestimmt ist.
Damit stellt sich die AIDS-Hilfe München außerhalb des Kreises derer, die um der Sache dienlicher Präventionsarbeit bemüht sind.
Weitere Meinungen und Meldungen zum Thema:
‘Der Schwanz als Diktator’ – oder: Männer sind gefährlich auf ondamaris
Münchner AIDS-Hilfe schwanzfixiert auf queer.de
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[...] scheinen gut in das dortige Weltbild zu passen. Damit stellt sich sich an die Seite der schwulenfeindlichen AIDS-Hilfe München. Übrigens: Auch die AIDS-Hilfe Köln sammelt [...]