25 Feb 09

Der schon mehrfach auffällig gewordene österreichische römisch-katholische Bischof Andreas Laun hat es sich nicht nehmen lassen, zu der von seinem beinahe Amtsbruder Maria Wagner angeschnittenen Schwulenheilungsfrage Stellung zu nehmen. Am Beispiel seiner Ausführungen lässt sich zeigen, warum die römisch-katholische Kirche so viel dumme Zeug von sich gibt.

Das Bischöflein verbreitet sich auf der rechtslastigen Seite kath.net und meint:

Es ist wie ein Rausch

Wenn der Arzt einem Menschen sagt, er leide an dieser oder jener „Krankheit“, kann der Betreffende erschrecken, beleidigt ist er nicht. Nun, jemand zu sagen, seine Gefühle seien „krank“ ist insofern tatsächlich ein anderer Fall, weil sich der Mensch mit diesen seinen „Gefühlen des Verlangens“ identisch fühlt und darum meint, mit dem Begriff „Krankheit“ persönlich angegriffen zu werden, obwohl schwer einzusehen, warum ein Trieb, der biologisch gesehen eindeutig zwar nicht nur, aber doch wesentlich auf Fortpflanzung gerichtet ist, nicht krank genannt werden dürfte, wenn er in die biologisch falsche, sterile Richtung geht.

Bemerkenswert ist, dass Laun direkt auf’s Ficken rekuriert. Offenbar haben diese Kirchenmänner nichts anderes im Kopf. Gefühle und Sexualtrieb sind zweierlei, aber das ist einem angeblich asexuellen Wesen wie Laun wohl nicht bekannt.

Bezogen auf den Sexualtrieb wissen wir mittlerweile, dass sich ‘Mutter Natur’ etwas dabei gedacht hat, Männer zu produzieren, die lieber Sex mit Männern haben, als mit Frauen. Von einer “falschen Richtung” kann also nicht die Rede sein.

Überhaupt nicht in der Natur vorgesehen ist die völlige Unterdrückung des Sexualtriebs, wie er bei römisch-katholischen Priestern vorkommt. Dieses asexuelle Verhalten scheint mir das eigentlich krankhafte zu sein.

Dazu kommt: Mit „heilbar“ meint man ja eigentlich nichts anderes als „veränderbar“, und damit verwandelt sich die Frage in eine wertneutrale Sachfrage, die sich in moderner Diktion so stellen lässt: Ist die homosexuelle Orientierung veränderbar, und wenn ja, ändert sie sich manchmal „von selbst“ oder nur mit Hilfe eines Psychologen oder gar Arztes?

Die zentrale, von Laun aber nicht gestellte Frage lautet: Muss eine homosexuelle Orientierung, selbst wenn sie heil- oder veränderbar wäre, geheilt oder geändert wäre? Gibt es einen vernünftigen Grund sich überhaupt damit auseinanderzusetzen? Die einfach Antwort lautet: Nein. Und einfache Antworten sind meistens die besten Antworten. Das Laun’sche Kauderwelsch ist jedenfalls dummes Zeug.

Jedoch: Glaube ist veränderbar. Von katholischen Glauben zum evangelischen, vom Glauben an Gott zum Glauben an Allah, vom Glauben zur Vernunft. Glaube ist veränderbar und damit heilbar.

Antwort darauf geben zunächst Tatsachen: Eine dieser Tatsachen ist: Es kommt vor, dass Männer mit Familie plötzlich erklären, sie seien homosexuell, Frau und Kinder verlassen und zu ihrem „Freund“ ziehen. Umgekehrt gibt es Homosexuellen [sic!], die den Schritt der Veränderung in der anderen Richtung tun. Zudem gibt es Menschen mit homosexueller Orientierung, die Hilfe suchen und um Hilfe bitten. Das heißt: Es gibt ganz offenkundig Veränderung der sexuellen Orientierung in beide Richtungen.

Allein das Wort Freund in Anführungszeichen zu setzen, zeigt von der Ignoranz dieses Kirchenkaspers. Im übrigens geht Laun von falschen Sachverhalten aus. Dabei ist auch hier die Anwort so einfach. In dem ersten von Laun angesprochen Fall war der betreffende Mann von Anfang an homosexuell, im zweiten von Anfang an heterosexuell. Heilungs- oder veränderungsbedarf hinsichtlich der sexuellen Orientierung besteht nicht.

Wer meint, gegen die gegen diese Tatsachen die „Wissenschaft“ auf seiner „ideologischen Seite“ zu haben, irrt: Der amerikanische Psychiater R. Spitzer, dessen Einfluss maßgeblich mitgewirkt hat bei der Entscheidung, Homosexualität aus der liste der „Krankheiten“ zu streichen, sagt heute auf Grund seiner Untersuchungen: die homosexuelle Neigung ist tatsächlich veränderbar!

Spitzer sagt das Gegenteil von dem, was Laun ihm unterstellt. Um Schwulenhassern wie diesem Laun etwas entgegenzuhalten, arbeitet Spitzer an der us-amerikanischen Website Respect my Research mit und zeigt dort auf, wie Idioten wie Laun wissenschafliche Arbeiten missbrauchen.

Nun, Wagner hat noch traditionell von Heilung gesprochen, aber der Sache nach hat er recht, es gibt Veränderung und die Homosexuellen haben ein Recht darauf, auch wenn eine Mehrheit der Betroffenen, nach dem Urteil von G. v. Aardweg, einem anderen Fachmann auf diesem Gebiet, die Veränderung nicht erreichen können, auch wenn sie es wollten.

Aardweg soll ein Fachmann sein? Vergleiche nur die Anmerkungen von Walter Conzelmann (via www.gaynial.net) zu Aardwegs “Das Drama des gewöhnlichen Homosexuellen”. Zu den Heilungsmethoden Aardswegs gehört das Durchprügeln:

Die entsprechende Methode des ‚Durchprügelns‘ kann zum Beispiel so aussehen: ‚Ach, du Jammerfritze, schnappe dir einen Teller mit Glasscherben und friss sie auf, aber schnell! Los, hinunter mit der Flasche Blausäure, dann kannst du dich auf dem Boden wälzen, dann weißt du wenigstens, wieso du hier herumschreist!‘ Oder: ‚Ich habe große Lust, dich zum Fenster hinauszuwerfen, dort unten in die Dornenbüsche, und das tue ich jetzt auch! Hier bekommt du eins mit einem Rohr aus Blei über. Da hast du einen Fußtritt, dass du mitten durchbrichst. Jetzt schütte ich dir Benzin über den Kopf, und dann machen wir ein Feuerchen‘ usw.“ -

Alles in allem lässt sich festhalten, dass die römisch-katholische Kirche weder die Lebenswirklichkeit klar erkennt, noch ihre alten Inquistitionshandbücher weggelegt hat.

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