24 Feb 09

Das zentrale und die Schlagzeilen beherrschende Thema des diesjährigen Kölner Karnevals war die Frage, ob die Pappmascheevariante der Frau Bundeskanzlerin mit entblößten Brustwarzen durch die Straßen der Stadt gekarrt werden darf oder nicht. Nach anderen Meldungen muss man in der hiesigen Presse ein wenig suchen:

Karneval brutal

Gewalt an Fastelovend

Polizistin erlitt Gehirnerschütterung

„Ein neuer karnevalistischer Hooliganismus“

In den  in diesen Berichten genannten Zahlen sind die Einsätze der Bundespolizei nicht enthalten.

Das WDR-Fernsehen ging in seiner Berichterstattung nur kurz auf die Gewaltexesse ein und schunkelte dann lieber wieder mit angeheiterten Reportern zur Berichterstattung über das stadtweite Saufgelage.

In den Blogs und Foren des Kölner Stadt-Anzeiger streiten die üblichen Verdächtigen darüber, ob die Gewalt nun von Menschen mit oder ohne Migrationhintergrund ausgeht. Sie bleiben unter sich. Das Thema ist nicht interessant und nicht beliebt. Was sind schon weit über 1000 Polizeieinsätze, was sind schon zerstochene Hälse und zerschnittene Gesichter, was kümmern uns verletzte Polizisten und viele hunderttausend Euro für den Einsatz von Ordnungs- und Rettungskräften, wo doch am Aschermittwoch alles vergessen ist?

Der wahre Skandal droht im Juli! Wenn die Schwulen über die Stadt herfallen. Ja, dann wird’s ganz schlimm, wenn die alten Männer im Hundekostüm und mit der Peitsche kommen. Da könnten, oh welch ein Graus, Kinder einen nackten Männerarsch sehen, oder gar einen Schwanz, einen steifen womöglich. Da biegen sich die Domtürme! Wie soll man das nur den lieben Kleinen erklären, die man just am Tag der CSD-Parade in den letzten Winkel der Innenstadt zerren muss, dorthin, wo man sonst das ganze Jahr über nichts zu tun hat? Darüber kann man sich wochenlang echauffieren.

Die armen Kinder, denen zwar Blutlachen zuzumuten sind, nicht aber der Anblick sich küssender Männer! Die armen Kinder müssen doch vor umherfliegenden Kondomen geschützt werden; schließlich sind sie es nur gewohnt, dass ihnen beim Karneval Flaschen an den Kopf geworfen werden.

Ich haben einen Vorschlag, falls der KLuST immer noch ein Motto für den diesjährigen Cologne Pride sucht: Ohne Gewalt!

Aber das wäre gegen den Mainstream. Und gegen den Mainstream will der sozialisierte Schwule ja nicht sein.

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