5 Feb 09

Die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) sah sich in den letzten Wochen einer massiven Kritik ausgesetzt.

Auslöser ist ein Beitrag in der von der BpB finanziell geförderten Schülerzeitung Q-Rage. Der Präsident der BpB hatte in einem Begleitschreiben zu dieser Schülerzeitung erläutert

“In der Zeitung finden sich interessante Informationen, wie islamistische und evangelikale Gruppen, die wichtige Freiheitsrechte in Frage stellen, Jugendliche umwerben.”

und damit unwissentlich ins Schwarze getroffen. Sofort quitschte die evangelikale Sippe los und versetzte ihr Netzwerk in Alarmbereitschaft.

Der BpB-Präsident machte als erstes einen Rückzieher und verkündete, seine Behörde habe die in Rede stehende Ausgabe der Schülerzeitung und er selbst das von ihm unterzeichnete Begleitschreiben nicht gelesen.

Dieser Vorgang wirft die Frage auf, was das für ein merkwürdiger Präsident ist. Die BpB ist eine nichtrechtsfähige Anstalt im Geschäftsbereich des Bundesinnenministers (Aufmerken: Wolfgang Schäuble ist Vorgesetzter des BpB-Präsidenten!).  Der Präsident der BpB ist Bundesbeamter und wird nach B 6 bezahlt. Für monatliche Dienstbezüge von mindestens EUR 7700 EUR beaufsichtigt dieser Präsident  gerade einmal 210 Beschäfigte und verwaltet einen Etat von EUR 35 Millionen. Der Aufgabenbereich der Anstalt ist überschaubar und dürfte von 210 Mitarbeiten bequem zu erledigen sein. Den Leiter dieser Behörde nach B 6 zu besolden ist höchst unangemessen (zum Vergleich: Der Leiter eines nordrhein-westfälischen Finanzamts mit 400 Beschäftigten und einem Steueraufkommen von EUR 5 Milliarden muss sich mit EUR 5500 ‘zufrieden geben’). Und dieser Frühstücksdirektor der BpB hatte also keine Zeit, zu lesen was er unterschreibt, was er zur Lektüre empfiehlt?

Nun, nachdem er aufgewacht war, sah er sich dem Druck seines Kuratoriumsvorsitzenden (die BpB verschwendet Steuergelder nicht nur für ihren Präsidenten, sondern leistet sich auch einen wissenschaftlichen Beirat und ein Kuratorium), das ist ein CSU-Politiker, ausgesetzt und schrieb eiligst ein Schreiben, mit dem er sich bei den evangelikalen Fundamentalisten (Evangelikale sind immer Fundamentalisten, sonst wären sie keine Evangelikalen) entschuldigte.

Die beiden Verfasser des Q-Rage Artikels, zwei 18 Jahre alte Schüler, wurden von dem BpB-Präsidenten als diejenigen erkannt, die ihn in seinem gemütlichen Präsidentendasein störten und gerieten in seine Schusslinie:

Thomas Krüger, Präsident der bpb, stellt hierzu fest: “In dem Artikel werden Evangelikale pauschal mit christlichen Fundamentalisten gleichgesetzt. Eine Gleichsetzung der evangelikalen Bewegung mit dem christlichen Fundamentalismus halte ich für unangemessen und nicht zutreffend. Differenzierungsversuche bleiben in dem Artikel bruchstückhaft. So kann in der Tat ein falscher und diskriminierender Eindruck entstehen.”

Damit macht der Präsident deutlich, dass er den fraglichen Artikel nicht, weder vorher noch nachher, gelesen hat, denn sonst wäre er nicht zu dieser Wertung gekommen.

Um den Evangelikalen vollends in den Arsch zu kriechen, sollen in der nächsten Q-Rage-Ausgabe evangelikale Texte erscheinen und die BpB wird auf Kosten des Steuerzahlers in den kommenden Ausgaben von ‘Informationen zur politischen Bildung’ und ‘Aus Politik und Zeitgeschichte’ eine positives Bild der evangelikalen Feinde der Demokratie zeichnen.

Nach dem evangelikalen Christival bedienen sich die Evangelikalen, namentlich die Deutsche Evangelikale Allianz, nun innerhalb kurzer Zeit schon zum zweiten Mal staatlicher Förderung, um ihre Propaganda unter’s Volk zu bringen.

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