10 Dec 08

Die LSU gehöre zu meinen Feindbildern, schrieb mir kürzlich jemand in den Kommentaren.

Nun, die LSU und ihre Mitglieder gehören gewiss nicht zu meinen Feindbildern, aber jedesmal wenn ich via LSVD eine Pressemitteilung von diesem Verein erhalte, sehe ich ’schwarz’. So auch heute.

Zunächst der Kleinkram:

Die Überschrift der Pressemitteilung lautet “Homosexualität ist ein Menschenrecht”. Nun, das geht schon begrifflich nicht. Homosexualität bezeichnet eine sexuelle Orientierung und kann als solche kein Recht, beziehungsweise keinen Rechtsanspruch verkörpern. Zu den Menschenrechten wäre vielmehr zu zählen, nicht wegen der sexuellen Orientierung verfolgt oder benachteiligt zu werden. Und zu den Menschenrechten gehört es auch, die homosexuelle Orientierung in gleichgeschlechtliche Handlung umsetzen zu dürfen. Letzteres ist nicht allein homosexuellen Menschen vorbehalten. Nach meinem Verständnis wären allerdings vielmehr das Recht auf Liebe und das Recht auf Gleichheit der Liebe als Menschenrechte zu formulieren.

„Jedem stehen die Menschenrechte allein schon aufgrund seines Menschseins zu. Die sexuelle Identität ist ein wesentlicher Teil der menschlichen Persönlichkeit. Jeder muß das Recht auf ein selbstbestimmtes Sexualleben haben. Das ist der Kern des Menschenrechtsgedankens“, unterstreicht der Bundesvorsitzende Thole.

heißt es weiter. Anders als Herr Thole schließe ich auch Frauen und Menschen, die sich nicht mit einem grammatischen Genus eindeutig bezeichnen lassen, in den Schutzbereich der Menschenrechte ein. Seufz, es gibt, auch im Internet, so wunderbare Hilfen für geschlechtsneutrale Formulierungen…

In ihrer konsequenten Abwehrhaltung gegenüber der deutschen Sprache schreiben die LSUler den Beweggründen für einen Mord (“Das ist Mord aus niedrigsten Beweggründen!”) Eigenschaften zu, die sie nicht haben können. Gründe sind weder hoch, noch niedrig. Damit wir uns trotzdem verständigen können, haben unserer Vorfahren das schöne Adjektiv ‘nieder’ unserem Sprachschatz hinzugefügt. Und so können wir Beweggründe, die wir für unehrenhaft halten, als niederste Beweggründe bezeichnen. Auch die LSU-Leute könnten das.

“Thole wendet sich auch gegen jede Art von Relativismus”, heißt es weiter in der Pressemitteilung und das sagt/schreibt sich sehr leicht, wenn man nicht weiß, was Relativismus überhaupt ist. Wikipedia ist zwar nicht große Klasse, hilft aber für den Anfang auf die Sprünge.

Das vollständige Zitat in der Pressemitteilung lautet

Thole wendet sich auch gegen jede Art von Relativismus, egal ob dieser mit kultureller Vielfalt, religiöser Toleranz oder regionalen Traditionen vermeintlich begründet wird.

und ist im Grunde nichts anderes als die begrüßenswerte Erklärung des Austritts aus der CDU oder der CSU.

So, nun zum Grundsätzlichen:

Doch leider sieht die Realität in über 70 Staaten der Erde immer noch anders aus. Dort gibt es Diskriminierungen unterschiedlicher Art bis hin zur Todesstrafe für homosexuelle Liebe.

schreiben die von der LSU in der Pressemitteilung und ich frage mich, “verdammt, wie blöd sind die eigentlich?” Sorry, solch ein buntscheckiger Unsinn ärgert mich maßlos.

1. Es gibt rund 200 Staaten auf dieser Erde. In ganz wenigen Staaten, vielleicht fünf oder zehn, je nachdem, wie man den Staatsbegriff definiert, werden schwule Menschen nicht durch die Legislative diskriminiert. Deutschland gehört zu den Staaten, in denen schwule Menschen in nahezu allen Lebensbereichen diskriminiert werden.

2. Mir ist nicht bekannt (und mir ist eine ganze Menge bekannt), dass es einen Staat gibt, in dem gegenwärtig die Todesstrafe für “homosexuelle Liebe” vorgesehen ist. Oder ist “Liebe” für die LSU die kindlich-naive Umschreibung für Sex? Richtig ist, dass in einer ganzen Reihe von Staaten die Vornahme  gleichgeschlechtlicher  sexueller Handlungen mit der Todesstrafe bedroht ist.

Die LSU versucht mit aneinandergereihtem Schmarrn von der schwulenfeindlichen Politik der CDU und der CSU abzulenken. Da wird Herr Pofalla bejubelt

„Die Menschenrechte gelten universell und sind unteilbar. Wir müssen die Universalität der Menschenrechte und den Kampf für ein selbstbestimmtes Leben nicht nur an Jahrestagen einfordern. Ich unterstützte hier nachdrücklich die Position des CDU-Generalsekretärs Ronald Pofalla, der fordert, dass jeder Tag ein Tag der Menschenrechte sein muß.“

ohne dazu zu sagen, dass die Tage, an denen der Bundestag über das Erbschaftsteuerreformgesetz und das Bundesbeamtengesetz Beschluss gefasst  hat, wohl für die CDU/CSU-Fraktion (und andere) kein Menschenrechtstag war, während der Tag, an dem der Bundestag das Schornsteinfegerwesen neu regelte, offenbar in der zeitlichen Nähe einer dieser Menschenrechtstage gelegen haben muss.

Nun kann die LSU gut dazu kommen, des Generalsekretärs Position zu unterstützten, hat sie doch zuvor, insoweit nicht ungeschickt, in der Pressemitteilung erklärt, was Menschenrechte in Bezug auf Homosexualität sind:

Jeder muß das Recht auf ein selbstbestimmtes Sexualleben haben. Das ist der Kern des Menschenrechtsgedankens.

Es geht also um’s Ficken. Ficken dürfen, wen man ficken will, ist nach dem Verständnis der LSU der Menschenrechte Kern. Und damit sind sie bei Pofalla und allen, die zum Beispiel dem Bundesbeamtengesetz zugestimmt haben. Ficken darf ich meinen Freund hier in Deutschland so viel ich will. Dagegen haben die Unionisten nichts – jedenfalls sagen sie es nicht offen. Gewisse Limitierungen hätte man sicher ganz gerne: Nicht zu oft, nicht mit jedem, immer schön mit Kondom, nicht zu viele verschiedene Sexpartner. Aber eventuelle Verstöße will man nicht gleich mit dem Tode bestrafen; Regelungen zum Beispiel über das Krankenversicherungsrecht sind da unauffälliger. Und vor diesem Hintergrund lässt sich leicht auf andere Länder zeigen und sagen, “nein, nein, Ihr dürft doch keine Schwulen hinrichten; wenn Ihr schon gegen die Menschenrechte verstoßen wollt, dann macht das doch bitte nicht so auffällig; schaut her, hier in Deutschland machen wir das auch ganz subliminal”.

Dass sich die CDU/CSU-Fraktion kürzlich trotz des Geschwafels ihres Parteisekretärs ausdrücklich gegen eine Forderung nach Gewährung von Menschenrechten für schwule Menschen in Bezug auf deren sexuelle Orientierung  in den ASEAN-Staaten gestellt hat, erwähnen die Helden der LSU aus naheliegenden Gründen nicht. Deshalb mache ich das: CDU, CSU, SPD und FDP: Aus Zeitgründen gegen Menschenrechte für Schwule

Nun sind wir hier in Deutschland und ich will mich nicht nur unbeanstandet von meinen Freund ficken lassen. Ich liebe ihn! Und diese Liebe ist keine “homosexuelle Liebe”, es ist die Liebe zweier Menschen zueinander, miteinander und füreinander. Es ist keine andere Liebe, keine “homosexuelle Liebe”, die gesondert behandelt oder bezeichnet werden müsste. Ich bin geneigt zu schreiben: Niemand kann etwas dafür, dass der Mensch, den ich liebe, ein Mann ist. Ich möchte diese Liebe in unserem Staat leben, wie jede Liebe zwischen Menschen hier bei uns gelebt werden kann. Die CDU und die CSU wollen das nicht. Sie diskriminieren mich, sie diskriminieren meine Liebe und die meines Freundes.

Und die Damen und Herren der LSU begreifen das nicht!

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Filed under: Dummheit, Homophobie

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  1. [...] vermute, die machen das mit Absicht bei der LSU. Ich meine,  so lustige Pressemitteilungen frei Haus zu liefern, die mir einen schnell geschriebenen Post [...]



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