19 Nov 08

Die deutsche Abteilung der Mormonen hat vor wenigen Tagen zu den Volksabstimmungen in den USA zu den same-sex-marriages Stellung genommen. Die deutschen Mormonen halten es wie ihre us-amerikanischen Glaubenskumpanen und reihen eine Lüge an die nächste:

Nachdem Proposition 8 (Antrag 8) im Juni dieses Jahres zur Abstimmung vorgelegt wurde, haben die Einwohner Kaliforniens das Für und Wider der gleichgeschlechtlichen Ehe erörtert.

Das ist falsch. Nicht die Einwohner Kalifornien haben etwas erörtert; es ist ihnen vielmehr von außerhalb des Staates Kalifornien eine bestimmte Sichtweise aufgepresst worden. Die Finanzierung dieser Kampagnen erfolgte zu zwei Dritteln mit Geld, dass die Mormonen zur Verfügung gestellt haben.

Nach eingehender Debatte zwischen den Vertretern der verschiedenen Auffassungen haben die Stimmberechtigten beschlossen, die Verfassung des Bundesstaates Kalifornien dahingehend zu ändern, dass die Ehe eine Verbindung zwischen Mann und Frau sei.

Das ist falsch. Nicht die Stimmberechtigten haben etwas entschieden, sondern die Mehrheit der sich an der Abstimmung beteiligt habenden Menschen hat enschieden.

Wir hoffen, dass sich jetzt und in Zukunft alle mit dieser Frage befassten Beteiligten gut informieren und Anderdenkenden stets respektvoll und höflich gegenübertreten. Niemand, auf welcher Seite er oder sie auch stehen mag, sollte verunglimpft, eingeschüchtert oder drangsaliert werden oder unter falschen Darstellungen zu leiden haben.

Diese Auffassung ist höchst befremdlich. Waren es doch gerade die Mormonen und die von ihnen beauftragten und finanzierten Grabenkämpfer, die fernab jeder Objetivität eine unerträgliche Schlammschlacht gegen schwule Menschen geführt haben. Dabei haben sie Verunglimpfungen ersonnen, die einem normal denkenden Menschen üblicherweise nicht einfallen. Aber auch hier gilt wohl der alte Grundsatz: Die Kirche darf alles, aber wehe, wehe, jemand wagt es, an der Kirche Kritik zu üben.

Die Kirche legt auf die Feststellung Wert, dass es ihr in dieser Frage immer um die heilige und von Gott eingesetzte Institution Ehe ging – eine Verbindung zwischen Mann und Frau.

Auch das ist falsch. Es gibt keinen Gott. Demzufolge kann auch kein Gott die Institution Ehe eingesetzt haben. Ein bisschen Geschichtskenntnis würde den Mormonen nicht schaden. Menschen haben sich schon zu dauerhaften zweisamen Verbindungen zusammengeschlossen, als noch niemand christliche (einschließlich mormoniale), jüdische oder islamische Götter und ähnlichen Unfug erdacht hatte.

Die gegen die Kirche erhobenen Vorwürfe, sie sei fanatisch oder schikaniere andere, waren und sind schlicht und einfach unhaltbar.

Anderen Menschen ein Grundrecht zu nehmen, nämlich das auf Eheschließung, ist keine Schikane, nein, nein, es ist pure Nächstenliebe.

Der Widerstand der Kirche gegen die gleichgeschlechtliche Ehe begründet keinerlei Feindseligkeiten gegen Schwule und Lesbierinnen und entschuldigt diese auch nicht.

Wie groß kann Heuchelei eigentlich sein?

Die Kirche erhebt darüber hinaus keine Einwände gegen die Ansprüche gleichgeschlechtlicher Paare bei der Krankenhausversorgung oder der ärztlichen Versorgung schlechthin, bei der Wohnungsvergabe sowie im Arbeitsrecht und im Erbrecht, solange diese der Unversehrtheit der herkömmlichen Familie und den verfassungsmäßigen Rechten der Kirchen nicht schaden.

Das ist falsch. Amerikanische Mormonenprediger haben bereits erklärt, dass sie auch gegen eine rechtliche Absicherung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften außerhalb einer Ehe sind.

Bevor die Kirche der Einladung folgte, sich einer breit angelegten Koalition zugunsten der Verfassungsänderungen anzuschließen, [...]

Das ist ebenfalls falsch. Die Mormonen sind keiner Einladung zu einer Koalition gefolgt. Sie haben diese Koalition geschmiedet. Mittlerweile sind Unterlagen bekannt geworden, anhand derer diese Pläne bis in die neuziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zurückverfolgt werden können.

Auch wenn die Abläufe in einer Demokratie anspruchsvoll und schwierig sein können, sind die Heiligen der Letzten Tage doch zutiefst dankbar für die Ideale einer wahren Demokratie, und sie achten sie.

Die Unterdrückung einer Minderheit ist keine Demokratie, sondern Diktatur; in diesem Fall Mormonendiktatur.

Abschließend noch ein Beispiel, mit welchen Klimmzügen die Mormonen, die Heiligen deren letzten Tage hoffentlich bald anbrechen, sich als unfehlbar, als rein und edel darstellen. Auf der deutschen Homepage heißt es:

1998 gab Präsident Gordon B. Hinckley die folgende Erklärung bezüglich der Haltung der Kirche zur Polygamie ab:

“Diese Kirche [hat] mit denen, die die Polygamie praktizieren, nichts zu tun. Es sind keine Mitglieder der Kirche. … Wenn festgestellt wird, dass eins unserer Mitglieder die Mehrehe praktiziert, wird es exkommuniziert, was die schwerste Strafe ist, die die Kirche verhängen kann. Diejenigen, die an so etwas beteiligt sind, übertreten nicht nur Zivilgesetze, sondern auch das Gesetz dieser Kirche.”

Nun bringen viele Menschen die Mormonen mit Polygamie in Verbindung. Und tatsächlich gibt es mormonische Gruppen, die Vielweiberei (nicht aber Vielmännerei) mit ihrem Glauben ohne weiteres in Einklang bringen können. Auch der Mormonenzweig, dem die deutsche Abteilung angehört, und die sich in aller Bescheidenheit selbst als Heilige bezeichnen, hat bis Ende des 19. Jahrhunderts der Vielweiberei gefröhnt. Das ist geschichtlich belegt. Also muss man, da man heute davon nichts mehr wissen will, darüber eine gehörige Portion Glaubensnebel wabern lassen. Das liest sich so:

Der Herr hat seinem Volk zu verschiedenen Zeiten geboten, die Mehrehe zu praktizieren. So gebot er es beispielsweise Abraham, Isaak, Jakob, Mose, David und Salomo (Lehre und Bündnisse 132:1).

In neuerer Zeit gebot der Herr auch einigen der ersten Mitglieder der Kirche, in Mehrehe zu leben. Dem Propheten Joseph Smith [der Kirchengründer und Verfasser des sagenhaften Märchenbuch 'Mormon'] und seinen engsten Vertrauten, unter anderem Brigham Young und Heber C. Kimball, fiel dieses Gebot nicht leicht, aber sie befolgten es. Die Durchführung wurde von den Führern der Kirche geregelt. Wer eine Mehrehe einging, brauchte eine Genehmigung. Die Eheschließung musste mit der Siegelungsvollmacht des Priestertums vollzogen werden. 1890 empfing Präsident Wilford Woodruff eine Offenbarung, dass die Führer der Kirche die Mehrehe nicht mehr lehren sollten.

Was, wenn dieser “Herr” seinem mormonischen Volk demnächst gebietet, Homosexualität zu praktiziert? Denkbar ist das, denn, wie gerade gelesen, ist aller Glaube reine Willkür, alles ist austauschbar – insbesondere der rechte Glaube!

Nachtrag 21.11.2008:

Hier noch ein Hinweis auf eine Seite mit weiteren Informationen zum Thema Mormonen gegen schwule Menschen:

Move Sundance

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