10 Nov 08

Capleton, jamaikanischer Reggea-Sänger, verlangt in seinen Liedern, schwule Männer zu töten, zu verbrennen… Stop! Halt! Stimmt alles gar nicht. Capleton singt in einer Sprache, die nicht jeder versteht, am allerwenigsten die Jamaikaner, deshalb stimmt auch das alles nicht, was die schwulen Jungs aus Jamaika berichten und wie sie Liedtexte übersetzten. In Wirklichkeit mag Capleton nämlich Schwule und sorgt sich um deren Seelenheil.

Eine übertrieben geduldige Baseler Zeitung hat sich die Mühe gemacht, Capleton zu befragen. Nach dem er sich zunächst mädchenhaft zickig angestellt hat, ließ er sich schließlich doch interviewen. Allerdings nicht, ohne sich des Beistands eines Vertreters der Homosexuelle Arbeitsgruppe Basel (Habs) zu versichern.

Und dann, ich hätte da doch selber drauf kommen können, erklärt er:

dass Texte wie «Burn Out Di Chi Chi» nicht als Aufruf zur Verbrennung von Schwulen, sondern als Reinigung der eigenen Seele vor korrumpierenden Einflüssen zu verstehen seien.

Dass wir depperten Nicht-Jamaikaner das nicht verstehen und ihm anderes unterstellen, kann er nicht verstehen und deshalb

fühlt sich Capleton als Opfer einer rassistischen Kampagne.

Dabei hat ihn doch niemand wegen seiner Rasse oder Herkunft angegriffen. Aber möglicherweise habe ich ihn erneut missverstanden. Vielleicht meint er ja, für ein friedliches Miteinander einzutreten sei Rassismus. Wie auch immer, der Mann hat sogar handfeste Beweise:

Ich kann Ihnen Dokumente zeigen, die dies beweisen, und die Sie beschämen würden.

Tja, nur leider hat er sie niemandem gezeigt, die Dokumente…

Aber bevor ich jetzt daraus falsche Schlüsse ziehe, schaue ich doch mal, wie es weitergeht mit der Plauderei. Unter Aufsicht seiner Managerin gibt sich Capleton als herzensguter und liebender Menschen:

Ich lebe und liebe meine Musik.

Daraus darf man nun nicht schließen, dass Capleton selbst schwule Männer jagd und verbrennt. Nein, er singt nur davon. Aber im Grunde, ich verstehe es nur nicht, singt er nicht einmal davon, sondern

Wenn ich singe, dass wir alle brennen müssen, dann rede ich nicht davon, Leute zu verfolgen oder zu ermorden.

Das ist jetzt etwas kompliziert. Capleton meint damit nicht, dass wir alle, also auch er, schwul sind und deshalb brennen müssen. Nein, es ist ein Navigationsproblem:

Sondern, dass wir uns reinigen müssen, dass wir unsere Dämonen besiegen müssen, um nicht nach Babylon zu gelangen.

Ich weiß ja nicht, was diesem Capleton im Kopf herum spukt, aber wenn ich seine Musik konsumieren würde, würde ich wohl auch die Orientierung verlieren. Doch auch in diesem Punkt könnte ich mich irren. Ebenso wie ich mich in meiner Einschätzung von Jamaika geirrt habe. Ich hatte angenommen, Wikipedia und andere Quellen verbreiten es ja auch so, dass es dort recht blutig zuginge und die dortige ‘Mordquote’ die höchste auf unserem Planeten sei. Aber: Alles falsch! Capleton erklärt:

Wir sind aus dem Land des «One Love», der einen Liebe. Liebe zwischen allen Menschen, egal, wer sie sind und woher sie kommen.

Ich bin mir nun nicht sicher, ob Capleton nicht mehr alle Tassen im Schrank hat, jedenfalls nicht mehr in der richtigen Reihenfolge, oder ob – es kann ja alles sein, als Außenstehender auf dem Weg nach Babylon durchschaut man das ja vielleicht nicht so richtig – ‘love’ vielleicht in der Ortssprache der Begriff für Verbrechen, Mord, Totschlag, Folter, Vergewaltigung, Blutrausch, Rache und/oder Hass ist. Angesichts der Meldungen aus Jamaika würde es Sinn machen, wenn Capleton tatsächlich meint: Hass zwischen allen Menschen, egal, wer sie sind und woher sie kommen.

Aber, wie gesagt, ich begreife Capleton’s höhere Weißheiten vermutlich nicht. Und er hat ja die Guten auf seiner Seite, denn

Schon Bob Marley hat davon geredet, dass das Feuer weiter brennen muss. Wenn Bob Marley «I Shot The Sheriff» gesungen hat, ging es nicht darum, dass er tatsächlich den Sheriff erschossen hat.

Für wie blöd hält dieser Typ eigentlich den Rest der Welt? Genug von seinem dummen Gelaber! Garath Thomas, britisches Regierungsmitglied, kennt sich mit den Verhältnissen auf Jamaika aus, war mehrfach dort, und berichtet folgendes:

“During those visits I have been struck by the extent to which homophobia and the anti-gay legislation is impacting the effort to fight the surge of HIV infections,” he said.

During a recent meeting with Jamaica’s Prime Minister, Foreign Minister and Trade Minister, Mr Thomas raised the issue head on.

“We had an acknowledgment there was an issue, though there was not a conversation about immediate next steps,” he said.

Mr Thomas also met with members of Jamaica’s gay community and said he was shocked by their experiences.

“Some of their stories are horrific,” he told PinkNews.co.uk.

“People who have been forced out of churches, out of their jobs and on occasion, violence.

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