12 Oct 08

Seit Monaten schon erleben wir, wie Krisen gemacht werden. Zunächst die Subprime-Krise, aus der eine Bankenkrise, neuerdings gar eine Finanzkrise geworden ist, mit Ausläufern in andere Wirtschaftszweige wie die Automobilindustrie. Von Panik und Kontrollverlusten getrieben belehren sich Politiker, Wirtschaftsweise, Blogger und Journalisten gegenseitig darüber, was nun tun sei, nicht zu sei und schon längst hätte getan werden müssen. Steinbrück und Merkel geben der Krise, die in Grunde nichts anderes als eine Politikkrise ist, täglich nicht schöner werdende Gesichter. Auf den Gedanken, die Wirtschaftsprozesse einfach altbewährten Regelsystemen zu überlassen, nämlich denen der Marktwirtschaft, kommt niemand. Was wir zur Zeit an den Börsen erleben, sind nichts anderes als Automatismen der Selbststeuerung. Sie funktionieren! Kalendertägliches Experimentieren, ständiges Auf- und Zudrehen von Hähnen und panikartig zusammengezimmerte Gebote und Verbote sind für den Markt wenig bekömmlich. Krisenreaktionen sind selten gute Reaktionen. Da ist von Staatsgarantien für Spareinlagen die Rede. Wer ist den der Staat? Merkel und Steinbrück sind es nicht, auch Köhler ist es nicht. Der Staat sind die Sparer. Steuerzahler und Sparer sind die selben Personen. Welchen Sinn macht es nun, einer – möglicherweise nicht sorgfältig ausgewählten – Bank eine Spareinlage zu geben und anschließend zu sagen, “Für den Fall, liebe Bank, dass Du schludrig mit meinem Geld umgehst, garantiere ich Dir mit meinem zukünftig noch zu verdienenden Geld, dass Du mir mein bei Dir angelegtes Geld zurück zahlen kannst”? Ich werde das Gefühl nicht los, dass wir im Moment alle ziemlich verarscht werden.

Es fällt auf, dass all unsere großen Bankchefs auf Tauchstation gegangen sind. Statt die Karten auf den Tische zu legen und eine belastbare Analyse der Lage zu präsentieren, schicken sie den Deutsche Bank Chef im Ruhestand, Hilmar Kopper, vor, dem nichts anderes einfällt, als nach Staatshilfen zu rufen. Es ist bemerkenswert, dass der amtierende Deutsche Bank Chef, der sich seinen Job bestens bezahlen lässt, nicht mehr blicken lässt. Es lohnt sich, gerade am Beispiel Ackermann darüber nachzudenken, wie Bank und Ethos zusammen passen.

Ludwig Poullain, von 1966 bis 1968 Generaldirektor der Landesbank für Westfalen, dann Vorstandsvorsitzender der aus der Fusion der Landesbank für Westfalen mit der Rheinischen Girozentrale und Provinzialbank entstandenen Westdeutschen Landesbank (WestLB) und Ende 1977 nach einem, aus heutiger Sicht lächerlichen, Skandälchen aus dem Amt geschieden, sollte im Juli 2004 anlässlich der Verabschiedung des damaligen NordLB-Chefs eine Rede halten. Poullain durfte, nachdem er das Manuskript eingereicht hatte, nicht mehr ans Rednerpult treten; zu heikel war das, was er unter anderem über Herrn Ackermann sagen wollte.

Die FAZ hat diese ungehaltene Rede dokumentiert. Zur Sonntagslektüre anempfohlen:

Sittenverfall im Bankwesen

 

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