Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat, ich vermute, die entsprechenden Meldungen sind bekannt, mindestens EUR 300 000 000 zum Fenster hinausgeworfen. Angeblich aufgrund eines technischen Versehens. Zwischenzeitlich heißt es, dass der Betrag vielleicht sogar doppelt so hoch sei.
Unter den vielen Zahlen, die in diesen Tagen in Zusammenhang mit der sogenannten Finanzkrise durch den Blätterwald rauschen, wirken EUR 300 Mio fast schon lächerlich. Von Milliardenverlusten ist jeden Tag die Rede.
Gerade deshalb lohnt sich es, einen Augenblick darüber nachzudenken, wieviel Geld das eigentlich ist. Josef Ackermann, der angeblich bestbezahlte Arbeitnehmer in Deutschland, beispielsweise müsste hierfür, bei einem Jahressalär von EUR 14 Mio, rund 21 Jahre lang arbeiten (= Vorstand der Deutschen Bank AG) sein.
Betrachten wir den Vorgang doch mal aus Sicht des Steuerzahlers. Der Steuerzahler ist der Depp, der in Deutschland frag- und klaglos alles bezahlt. Auch die EUR 300 Mio (oder mehr) wird er bezahlen, denn die KfW gehört ihm. Verluste und entgangene Gewinne dieser Bank nimmt er schon seit geraumer Zeit ohne mit der Wimper zu zucken zur Kenntnis. EUR 300 Millionen entsprechen zum Beispiel in etwa dem Jahressteueraufkommen des Finanzamts Lüdinghausen (Kreis Coesfeld, Nordrhein-Westfalen). Das heißt, eine ganze Region hat ein Jahr lang Einkommensteuern, Umsatzsteuern und Körperschaftsteuern gezahlt; Geld, dass dann von anderen auf nimmer wiedersehen in die USA überwiesen wurde. Oder nehmen wir die Region Lausitz und Oberspreewald in Brandenburg. Das Jahressteueraufkommen des dortigen Finanzamts in Calau liegt bei etwa EUR 150 Millionen. Die dortigen 180 Finanzbeamten brauchen also zwei Jahre, um den Calauern EUR 300 Mio abzunehmen.
Wenn ich der Steuerzahler wäre, würde ich nicht den Lehmann Brüdern 300 Milliönchen überweisen lassen, denn die sind ja schon vor über 160 Jahren ausgewandert. Ich würde den Calauern etwas Gutes tun, den 180 Finanzbeamten dort zwei Jahre Urlaub spendieren und die Lausitz und den Oberspreewald für eben diese zwei Jahre zum Steuerfreigebiet erklären.
Hm, irgendwie blöd: Ich bin der Steuerzahler – und das ist kein Calauer.