1 Sep 08

Das evangelikale Magazin idea hat jüngst in zwei Beiträgen Schwulenheilungen beworben. kath.net, die österreichische Schwesterorganisation von kreuz.net, bringt beide Artikel im Volltext. Unter der Überschrift “Wenn Homosexuelle unglücklich sind” darf der Psychologe Michael Gerlach (Krumbach) seine Thesen zur Schwulenheilung darlegen und mit der Erkenntnis, “Schwul sein ist nicht genetisch bedingt”, besingt der Psychiater Christian Spaemann (Braunau/Österreich) seine Heilungserfolge.

Er wäre ein leichtes, die Vorstellungen von Gerlach und Spaemann Satz für Satz als pseudowissenschaftlich und homophob zu enttarnen. Ich möchte jedoch den geschätzten Leser und die ebenso geschätzte Leserin bitten, sich selbst ein Bild zu machen und zu diesem Zweck die Beträge von und über Gerlach und Spaemann zu lesen und daran anschließend sich mit dem Post “Vaernets Experimente in Buchenwald” von Ondamaris zu beschäftigen und einmal darüber nachzudenken, ob das Gedankengut, das Gerlach und Spaemann pflegen und verbreiten, nicht der geistige Nährboden für den barbarischen Umgang mit schwulen Menschen ist, den Ondamaris dokumentiert.

Eine sehr persönliche Anmerkung sei mir gestattet:

Ich empfinde Menschen wie diesen Michael Gerlach und diesen Christian Spaemann als Bedrohung.

Wenn die gewählten oder nicht gewählen Mächtigen in Deutschland wieder einmal meinen, dass schwule Menschen ein Problem seien und die Schwulenfrage gelöst werden müsse – so eine Befürchtung ist gewiß kein Hirngespinst -, dann werden Gerlach und Spaemann als erste bereit stehen und ihre Hilfe anbieten, ihre Lösungsansätze präsentieren und die Chance nutzen, ‘praktische Erfahrungen’, in welcher Anstalt, in welchem Lager auch immer, zu sammeln. Als das Nazi-Regime in Deutschland Menschen Menschen jagen ließ, waren es einfache Leute, die von einem Tag auf den anderen ihren perversen Instinkten freien Lauf ließen und die Macht, die ihnen als SS-Mann, als Lageraufseher, als Polizist oder Gefängniswärter gegeben war, ausnutzten, um Menschen zu foltern und qualvoll zu töten. Es waren aber auch Ärzte, Naturwissenschaftler und Psychologen, die ihre perifide ‘Wissenschaft’ gegen die Menschen einsetzten. Carl Gustav Jung, einer der bekanntesten Psychologen der Nazizeit, aber auch der Nachkriegszeit, nutzte zum Beispiel die Gunst der Stunde, um seine abstrusen Theorien über schwule Menschen zu verbreiten und diente sich den damaligen Machthabern an, bei der Lösung des Homosexuellenproblems behilflich zu sein.  Er präsentierte Methoden zur Beseitigung der Homosexualität. Homosexualität lässt sich aber nur durch Beseitigung der homosexuellen Menschen beseitigen. Man kann sie ermorden oder durch grausame Hormontherapien, wie in den Experimenten von Buchenwald und anderen Orten geschehen, und Psychotherapien, wie sie Gerlach und Spaemann im Sinn haben, entmenschlichen. Damals, in der Nazizeit, mussten diese sogenannten Wissenschaftler, die in meinen Augen nichts anderes als perverse Monster sind, sich nicht verstellen. Sie konnten ihre Ideen offen aussprechen und Menschen für ihre Experimente anfordern. Heute geht das nicht so einfach. Die Schwulenheiler müssen ihre Absichten tarnen, geben sich milde oder gar mitfühlend. So mag man die Ausführungen von Gerlach und Spaemann vielleicht sogar als einfühlsam und besonnen empfinden. Beide betonen die Freiwilligkeit ihrer Experimente. Aber es sind nur Experimente, die sie betreiben! Es sind Menschenversuche, die Gerlach, Spaemann und andere durchführen, denn trotz jahrzehntelanger Heilungsversuche kann die Schwulenheilergilde, egal ob sie mit chirugischen Eingriffen, Hormontherapien oder Gehirnwäsche, nicht anderes ist insbesondere die sogenannte reparative (Psycho-)Therapie, arbeitet, kein belastbares Therapiekonzept vorweisen. Selbst der von den Schwulenheilern so gerne zitierte Professor Robert Spitzer hat sich weit davon distanziert, dass seine Forschungsergebnisse als Beleg für eine mögliche Schwulenheilung angesehen werden könnten. Die von Spaemann genannte Heilungsquote von einem Drittel ist schlichtweg erlogen; nicht einen einzigen ‘geheilten’ Menschen hat er präsentiert. Wenn nun Menschen wie Gerlach und Spaemann unter anderen Rahmenbedingungen zum Zuge kommen würden, bräuchten sie keine wissenschaftlichen Standards mehr einzuhalten. Dann genügten ein paar den Mächtigen gefällige Thesen und Menschen wie dieser Gerlach und Spaemann erhielten freie Hand; dann könnten sie schwule Menschen für die freiwillige Teilnahme an ihren entmenschlichenden, identitätsraubenden Versuchen, für ihre die Menschenwürde zerstörende Scharlatanerie anfordern. Davor habe ich Angst!

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