Er muss verdammt tief sitzen, der Regenbogenflaggenschock. Wochen nach dem umstrittenen Hissen der Regenbogenflagge kommt der Aushilfskarikaturist Götz Wiedenroth und vertreibt sich seine Langeweile mit einer homophoben Kritzelei.
Es gab Zeiten, in denen bemühten sich die Karikaturisten, die etwas auf sich hielten, das Tagesgeschehen zeitnah und vor allem geistreich auf die Schüppe zu nehmen.
Wie der Karikaturist Wiedenroth wünscht sich auch ein gewisser Chefmixer im Lesersandkasten der Zeit mit mehrwöchiger Verspätung eine Heteroflagge. Um diesem Wunsch Nachdruck zu verleihen stellt er zunächst eine falsche Behauptung auf:
So mussten vor kurzem 29 Beamte Buße tun, weil Sie sich in internen Mails darüber beschwert hatten, dass Sie zum Hissen der Regenbogenfahne – während der EM - vor dem Polizeipräsidium antreten mussten.
Mitnichten mussten die Beamten, denen der Polizeipräsident in sehr maßvoller Auslegungen des Beamtenrechts Disziplinarverfahren erspart hat, zum Hissen der Flagge antreten. Der Chefmixer, dessen Lesermeinung von der Zeit als Nachricht (!) über den Äther gesendet wurde, fügt noch weitere Unwahrheiten hinzu:
Nachfragen, ob die 29 Beamten nicht besser auf den Fanmeilen aufgehoben wären, statt artig der Schwulen- und Lesbenfahne beim Flattern im Wind nach zu schauen – beantwortete Sozi Glietsch erst gar nicht sondern verfügte selbstherrlich, dass die Beamten bei der “feierlichen Zeremonie” die “Hände an die Hosennaht” zu legen hätten um hernach beim Akt des Fahnenhissens “ehrfürchtig zu grüssen”.
Vor diesem zusammengereimten Hintergrund ist des Chefmixers Sandkastenüberlegung
Man stelle sich kurz das Gegenteil vor: Schwule Polizisten müssten beim Hissen einer imaginären Hetero-Fahne zwangsweise antreten! Der nächste Christopher Street Day hätte sein neues Thema und Claudia Roth würde mit Freund Wowereit aus Protest in den Hungerstreik treten.
dummes Zeug. Schwule Menschen in Berlin haben angesichts der zunehmenden Gewalt gegen Schwule wohl andere Sorgen, als sich mit Flaggenfragen zu beschäftigen. Aber so weit kann der Chefmixer über den Rand seines Sandkastens nicht hinausblicken.
Wunderbar macht dieser Chefmixer deutlich, wie sich Homophobie in Textform manifestiert. Ich frage mich nur, warum manche nicht schwule Menschen solch eine Angst vor schwulen Menschen haben, dass sie sogar vor Regenbogenflaggen reißaus nehmen und ihre Identitätskrise durch ein eigenes Fähnchen bewältigen wollen.
Nun, auf seiner persönlichen Profilseite (die Seite heißt Profilseite, auch wenn jemand gar kein Profil hat) lässt Chefmixerchen durchblicken, wes Geistes Kind er ist:
Interessen: Gegen den Strom schwimmen. Am liebsten auf einem schönen Kreuzfahrtschiff mit Sonnendeck, 1A-Bordservice und schnuckeligen weiblichen Animateuren die jede Nacht vernascht werden wollen.
Da wünsche ich ihm doch, dass er genug Blödchen findet, damit er wenigsten ausreichende körperliche Befriedigung erfährt.