21 Aug 08

Der Kölner Stadt-Anzeiger beschäftigt sich in einer Artikelserie mit den Ereignissen des Jahres 1933. In einem Beitrag wird auch grob die Rolle der römisch-katholischen Kirche und deren enge Verbindung mit den Nationalsozialismus beleuchtet.

Wie sieht es aber heute aus? Von Köln ausgehend verbreitet sich seit ein paar Jahren unter dem Namen ‘Pro Köln’ (Bürgerbewegung pro Köln e. V.) erneute die braue Brühe durch Nordrhein-Westfalen und auch darüber hinaus. Es mehren sich die Anzeichen, dass es erneut vorzügliche Verbindungen zwischen der römisch-katholischen Kirche und dem rechten Pack gibt. 

In Immekeppel, einem kleines Dorf, zu Overath gehörig, unweit Kölns, sollte ein neuer Vorsitzender des Heimatvereins gewählt werden. Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet über den Wahlabend

Bewerber Harald K. [der in Wirklichkeit Christoph Heger heißt, TGD] stellte sich in einer Rede vor und nannte seine Ziele als Vorsitzender. Zum Ende des Vortrages ließ er den kurzen Satz fallen, der seitdem die Gemüter erhitzt: „Ich bin Mitglied bei Pro NRW.“ 

Pro NRW ist der landesweit tätige Ableger von Pro Köln, einer vom Verfassungsschutz des Landes Nordrhein-Westfalen beobachteten rechtsradikalen Organisation. Doch in einer Gemeinde, in der Besuche des Kirchenchores beim Papst, Fußballergebnisse und Blumenschmuck für den Dorfbrunnen wichtiger sind, als gesellschaftspolitische Entwicklungen, wurde die Trageweite dieser Mitteilung nicht erkannt. 

 „Viele im Saal wussten erst gar nicht so genau, was das ist“, 

erzählt der bei dieser Heimatvereinsversammlung ebenfall anwesend gewesene Overather Bürgermeister Andreas Heider (CDU). Er tat das einzig richtige: 

Sofort unterbrach er gemeinsam mit [dem CDU-Landesabgeordneten] Deppe die Sitzung und erklärte den Zuhörern, was sich hinter dem Kürzel verbirgt. 

Es stellte sich dann heraus, dass dieses Pro NRW Mitglied des Kirchenvorstands der örtlichen römisch-katholischen Pfarrgemeinde, Vorsitzender des Kirchenbauvereins dieser Pfarrgemeinde und Ritter des päpstlichen Mercedarier-Ordens ist. Ein Blick auf seine Homepage erlaubt weitere Erkenntnisse über seine Weltsicht. 

Die Heimatvereinsversammlung, von der oben berichtet wird, hat bereits im April 2008 stattgefunden! Drei Monate später, die Kirche dachte nicht daran, zu reagieren, wurden Heider und Deppe unruhig:

Ende Juli schrieben die beiden Politiker jeweils einen Brief an Dechant Gereon Bonnacker, der für die Gemeinde zuständig ist, und weitere Verantwortliche in der Kirchengemeinde. „Ob sich die Pfarrgemeinde St. Lucia einen Kirchbauvereins-Vorsitzenden mit einem derart schlimmen politischen Hintergrund leisten will und kann, müssen Sie und die Gremien ihrer Pfarrgemeinde entscheiden. Ich jedenfalls werde weder privat noch als Bürgermeister mit Leuten zu Tisch sitzen, die ausländerfeindliches bzw. rechtes Gedankengut teilen und verbreiten“, erklärte Heider in dem Schreiben. „Wir haben sofort die rechtlichen Möglichkeiten geprüft“, erklärte Bonnacker. Der Bitte, als Vorsitzender des [Anm TGD: privatrechtlich orgarnisierten] Kirchenbauvereins zurückzutreten, kam Harald K. [im August 2008, TGD] nach. Im Kirchenvorstand ist er immer noch. 

Eine offizielle Stellungnahme der örtlichen kirchlichen Gremien oder des Erzbistums Köln liegt bisher nicht vor, das Gemeindeleben in Sankt Lucia geht seinen gewohnten Gang. In Köln hat Pro Köln einen Arbeitskreis unter der Bezeichnung ‘Christen pro Köln’ gegründet. Ein Gründungsmitglied ist Ellen Sänger, ehemalige stellvertretende Vorsitzende des CDU-Stadtbezirksverband Köln-Ehrenfeld, die gemeinsam mit dem früheren CDU-Stadtbezirksverbandsvorsitzenden zu Pro Köln wechselte. Frau Sänger sitzt im Pfarrgemeinderat von Sankt Peter in Neuehrenfeld. Auch hier gibt es keine Reaktion von offizieller römisch-katholischer Seite. 

Im September 2008 findet in Köln ein von Pro Köln initiierter Anti-Islam-Kongress statt mit öffentlichen Veranstaltungen, zu denen unter anderem österreichische FPÖ-Mitglieder und Jean-Marie Le Pen erwartet werden. Zwischenzeitlich sind bereits mehrere Gegenveranstaltungen geplant (vergleiche zum Beispiel: hingesetzt.mobi). In den Presseberichten dazu heißt es, neben dem Deutschen Gewerkschaftsbund und der evangelischen Kirche habe auch die katholische Kirche zum ‘Widerstand’ aufgerufen. Das ist mitnichten der Fall. Zwar gibt es einzelne Stellungnahmen von Angehörigen der römisch-katholischen Kirche und von Laienverbänden. Eine offizielle Stellungnahme des Erzbistums gibt es nicht. Insbesondere schweigt sich der sonst so redegewandte Erdbeerschorsch Meisner zu diesem Thema aus. Verwunderlich ist das nicht, lassen doch frühere Äußerungen Meisners Rückschlüsse auf das bevorzugte geistige Spektrum (nicht nur) dieses Kirchenführer zu. Und so kann Pro Köln, die Realität durchaus richtig einschätzend, der Presse mitteilen: 

Insofern ist auch die Überschrift eines Artikels aus dem Kölner Stadt-Anzeiger vom 3. Juli 2008 irreführend, wo man die Aussage tätigt: “Die Kirche wehrt sich gegen pro Köln.” – Nicht die Kirche wehrt sich, sondern der Redakteur des Kölner Stadt-Anzeigers Helmut Frangenberg sowie Mitglieder von katholischen Laiengremien, die ebenso wie der örtliche Pfarrer oder der stellvertretender Caritas-Direktor Peter Krücker nur ihre persönlichen Meinungen wiedergeben, welche keineswegs die Haltung der katholischen Amtskirche bedeuten.

Die römisch-katholische Kirche wird auch diesmal wieder den Weg gehen, von dem sie sich den größten Nutzen für ihren Machtanspruch verspricht: Mit dem braunen Pack gegen die Menschen und gegen die Freiheit!

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