15 Aug 08

Obwohl ein Teil meiner Gefühle noch auf Männer gerichtet war, ging ich mutig diesen Schritt. Dieser gemeinsame Weg der Klärung war für mich sehr wertvoll. Wir konnten viele Bereiche besprechen und klären. Diese freundschaftliche Beziehung zu einer Frau gehörte zu meinem Heilungsprozess dazu. Eine zweite gemeinsame Zeit mit einer Frau kam dazu. Ich erlebte das erste mal in meinem Leben, dass eine Frau Interesse zeigt an mir als Mann und auch an meiner Biographie. Leider ergab sich dann aber doch keine feste Beziehung. Was Beziehungen mit Frauen betrifft, merke ich – ich brauche viel Zeit, Kraft und vor allem Geduld.”

So beschreibt ein gewisser Mischa allen ernstes die Folgen einer stundenlangen Gehirnwäsche durch Living-Waters. Hinter Living-Waters verbirgt sich eine mit Wüstenstrom in Zusammenhang stehende Gruppe von Schwulenheilern. Sie verbreiten unter anderem in den USA, Deutschland und der Schweiz ihr Unwesen.

Die Schilderung von Mischa lässt nur ansatzweise erahnen, was für seelische Wracks die Therapieversuche von Living-Waters hervorbringen. Mischa will mit Männern nicht glücklich werden, dass hat man ihm eingetrichtert; mit Frauen wird er niemals glücklich werden. Und die Frage, was falsch daran ist, eine liebende und sexuelle Beziehung mit einem Mann zu haben, hat er wohl nicht gestellt. Und sie wäre ihm auch nicht ehrlich beantwortet worden.

Mischa’s Geschichte wird von dem Verein ‘Der Neue Weg’, Zürich, verbreitet. Mit diesem Verein, eine evangelikale Sekte, verhält es sich merkwürdig. Zunächst haben Sie in ihren Rundbriefen fleißig für Wüstenstrom, Exodus, gaytostraight, und ähnliche Umpolungsclubs Werbung gemacht und Bedeutungsschwanger eigene Veränderungsangebote angepriesen und versucht, Veränderungswünsche zu wecken.

Nun jedoch, im neuesten Rundbrief heißt es plötzlich:

Schwulenbild

In Vorträgen, Zeitschriften und Büchern wird von Christen oft ein ausschliesslich negatives Bild von Schwulen vermittelt. In der Vergangenheit gab es eine Zeit, da auch wir uns daran beteiligt haben. Wir bekennen dies als Schuld und distanzieren uns heute davon. Schwule sind nicht schlechtere oder bessere Menschen.

Ist Homosexualität eine Krankheit?

Wir können nicht länger Homosexuelle und insbesondere Christen mit homosexuellen Empfindungen weiterhin als psychisch defizitäre, krankhafte und therapiebedürftige Menschen stigmatisieren. Homosexualität ist keine Krankheit, kann jedoch wie Heterosexualität krankhafte Züge aufweisen. Die erwähnten Defizite haben primär nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun, sondern eher mit der gesellschaftlichen Ausgrenzung. Der ständige Druck anders als „normal“ zu sein, belastet den Selbstwert der Betroffenen stark. Diese Perspektive gibt einen neuen Blickwinkel und ermöglicht neue Ansätze in der Beratung und Begleitung.

 Wie kommt es zu diesem Sinneswandel? Nun, ein echter Sinneswandel ist es wohl nicht, denn immer noch wird verkündet:

Viele homosexuell empfindende Christen haben einen grossen Veränderungswunsch. Ob dieser in Erfüllung gehen kann, ist äussert individuell. Nach unserer Erfahrung besteht für die einen eine gewisse Chance von teilweiser Veränderung, bei anderen nicht. Eine totale Veränderung ist ein unrealistisches Ziel. Für alle besteht aber die Möglichkeit durch persönliche Reifung und Identitätsfindung, lebensbejahend mit der homosexuellen Orientierung verantwortlich umzugehen. Es ist uns wichtig, auf jeden einzelnen Menschen differenziert und präzise einzugehen um ihm zu helfen, seinen persönlichen Lebensentwurf zu erkennen.

Der Tatsache, dass es Dinge im Fühlen eines Mannes gibt, die nicht veränderbar sind, will man also immer noch nicht ins Auge sehen. Der insgesamt mildere Ton, der über diese nach wie vor fragwürdigen Absichten dieses Clubs verklemmter Homosexueller hinwegtäuschen soll, erklärt sich wohl eher aus dieser Mitteilung:

Zwei grosse zweckgebundene Spenden haben uns da überrascht [... ].

Für uns auch als Vorstand ist dies ein grosser Händedruck Gottes, aber auch ein Zeichen, dass unsere treuen Spenderinnen und Spender hinter uns stehen und uns auf unserem Weg begleiten.

Bleibt noch zu fragen, wer eigentlich dieser Mischa ist. Nun, es gibt Anzeichen, dass es sich dabei um Elmar Kraushaar handelt, der, offenbar nach einer Prostatamassage, sich nunmehr seiner Zwangsverpflichtung zum Analverkehr entledigt hat.

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