In Indien verrichten 700 Millionen Menschen – vor allem in ländlichen Gebieten – ihre Bedürfnisse im Freien oder in Behälter, die dann von Mitgliedern niederer Kasten eingesammelt werden. Spülklos sind im armen, ländlichen Indien auch in mittelständischen Haushalten noch immer selten.
Nach dem sich die Indische Regierung zunächst der drängenden Frage, wie man Atomwaffen baut, zugewendet hatte, will man nun die Pissflut dieser 700 Millionen Inder in geregelte Kanäle leiten.
Aus Musiri, einer Kleinstadt im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu, erreicht uns die Meldung einer Weltpremiere, verbreitet von der Times of India. An der Saliyar Road, unten am Fluss, stehen sie neuerdings Schlange vor einer öffentlichen Toilettenanlage. Es sind zwei kleine, neue Gebäude mit je sieben Kabinen, eines für Damen, eines für Herren.
Die Schlange ist vor beiden Blöcken etwa gleich lang. Es kann ja sein, dass der Ruf der Natur die Menschen in Musiri nun plötzlich häufiger erreicht als ehedem. Wahrscheinlich ist das aber nicht: Viel eher erklärt sich das Phänomen aus dem Trieb der Rupie. In Musiri wird das Wasserlassen entlohnt: Eine Rupie für zehnmal Erleichtern. Wer oft kann (oder besonders gut vortäuscht), bringt es im Monat auf umgerechnet einen Euro.
Wohin mit dem vielen gelben Saft? Nun, Bananen sind ja auch gelb:
Der Urin fließt in große Behälter – und weiter in ein Programm der Landwirtschaftsuniversität von Tamil Nadu, das die Eignung des Körpersafts zum flüssigen Düngemittel testet: für Zuckerrohr- und Bananenplantagen. Ein doppelter Nutzen also.
Über den Verbleib der festen Ausscheidungen ist nichts bekannt geworden.
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