Warum verblendet der Wahn ein jedes Volk?

Diese Zeile aus Händel’s Messias fiel mir ein, als ich von den Erkenntnissen der Bundesregierung zur Religions- und Glaubensfreiheit auf unserem Planeten las.

Offenbar gibt es kaum eine Region, in der die Menschen nicht aus Glaubensgründen, religiösen Überzeugungen, für oder gegen einen gott (häufig ein und denselben) aufeinander losgehen.

So erfüllt

in einigen muslimischen Ländern die Konversion vom Islam zu einer anderen Religion nach den Regeln der Scharia den Tatbestand der Apostasie und kann mit dem Tode bestraft werden. Im Strafrecht verankert ist das Verbot des Religionswechsels in Brunei, auf den Komoren, in Mauretanien, Oman, Saudi Arabien und Sudan; in Jemen ist das Verbot der Apostasie sogar in der Verfassung verankert.

In Iran liegt dem Parlament ein Gesetzesentwurf vor, demzufolge erstmals auch das kodifizierte Strafrecht für Apostasie die Todesstrafe vorsehen würde.

Hier und machen sich Muslime und Christen, im Hass vereint, eine Freude daraus, andere Menschen genüsslich bei ihrem Leid zu ‘begleiten’:

In einigen Ländern ist indes auch zu beobachten, dass die Ablehnung von Verhütungsmitteln und Safer-Sex-Kampagnen durch Religionsgemeinschaften staatliche Aktivitäten und Kampagnen in diesem Bereich be- oder verhindern, z.B. in Uganda angesichts der von der Regierung propagierten „ABC-Strategie“ oder in Bolivien im Zusammenhang mit einem Gesetzentwurf über sexuelle und reproduktive Rechte, der von Menschenrechtsorganisationen und dem Ombudsmann für Menschenrechte vorbereitet wurde und spezielle Gesundheitsvorsorge für gleichgeschlechtlich orientierte Gruppen in der Gesellschaft vorsah.

Für einen Außenstehende ist es manchmal schwierig, zu erkennen, wo die Unterschiede zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen sind. Das hindert jedoch die Glaubenden nicht, sich gegenseitig das Leben schwer zu machen:

Für den Irak liegen zwar keine offiziellen Beschränkungen vor, in der Praxis gestaltet sich jedoch aus Sicherheitsgründen die Errichtung einer schiitischen Moschee in einer sunnitischen Enklave und umgekehrt zunehmend schwieriger.

Antisemitismus ist nach wir vor weit verbreitet:

Nach Kenntnis der Bundesregierung ist Antisemitismus in vielen muslimisch geprägten Ländern ein Problem. Das Phänomen wird durch die israelkritische Haltung der politischen Klasse und in den Bevölkerungen verstärkt. Auch in etlichen nicht muslimischen Ländern gibt es offene oder latente antisemitische Ressentiments in Teilen der Bevölkerung sowie gelegentliche antisemitistische Aktionen, ohne dass dies aber generell als antisemitische Haltung zu interpretieren wäre. Bei derartigen antisemitistischen Aktionen handelt es sich überwiegend um Vandalismus, Graffiti oder verbale Übergriffe, selten um Gewaltdelikte. Vereinzelt wird von aggressivfeindseliger Agitation rechtsextremer und rechtsradikaler Gruppierungen mit offenkundig antisemitistischen Tendenzen berichtet.

In Russland erhebt

die Russisch-Orthodoxe Kirche einen Monopolanspruch für alle ethnischen Russen und verwahrt sich vehement gegen Missionierungsbestrebungen anderer Glaubensrichtungen. Sie wird vom Staat bevorzugt behandelt.

Im Zusammenhang mit Klagen über zunehmenden religiös motivierten Vandalismus und den Anstieg von Gewalttaten, bei denen fremdenfeindliche, rassistische und religiöse Beweggründe häufig ineinander greifen, bemängelt der Menschenrechtsbeauftragte der Russischen Föderation insbesondere ein oftmals nur halbherziges Eingreifen der Sicherheitsbehörden. Nur selten würden Täter strafrechtlich zur Verantwortung gezogen, wodurch ein Klima der Straflosigkeit für religiös motivierte Übergriffe erzeugt werde.

Die Bahai werden in Ägypten

staatlich nicht verfolgt, aber diskriminiert. Ihnen sind weder öffentliche religiöse Versammlungen noch die Errichtung und der Betrieb eigener Sakralbauten gestattet. Ein besonderes Problem ist, dass ihnen seit Einführung eines elektronischen Ausweisausstellungssystems keine Personalausweise mehr ausgestellt werden, weil darin nur die Zugehörigkeit zu einer anerkannten Religion (das heißt Islam, Christentum, Judentum) eingetragen werden kann.

Im Übrigen sind die Islamisten schnell beleidigt:

Über den Gesundheitszustand [des Bloggers] A. K. N. S. liegen der Bundesregierung keine Informationen vor. Der 22-jährige Ex-Student und Blogger, der sich Mitte Oktober 2005 im Internet in kritischer Weise zum Islam, zur Rolle der al-Azhar-Universität und Präsident Mubarak geäußert hatte, wurde im März 2006 von der Universität relegiert und im Februar 2007 in Alexandria zu einer Haftstrafe von 4 Jahren verurteilt, davon 3 Jahre wegen „Aufstachelung zum Hass aus religiösen Motiven, Beleidigung/Verletzung religiöser Gefühle“ und ein Jahr wegen Beleidigung des Staatsoberhauptes. Das Urteil wurde vom Berufungsgericht am 12. März 2007 bestätigt.

Intensives Beobachten des Iran hat der Bundesregierung zu folgender Erkenntnis über diesen Gottesstaat verholfen:

Insbesondere in wirtschaftlicher, beruflicher und sozialer Hinsicht kommt es aber immer wieder zu Diskriminierungen aller Nichtmuslime. Beispielsweise können Nichtmuslime keine höhere Positionen in den Streitkräften einnehmen (Artikel 144 der Verfassung) oder Richter werden (Artikel 163 der Verfassung). Im iranischen Strafrecht variieren die vorgegebenen Strafen für Ehebruch, Homosexualität oder auch die Höhe des Blutgeldes bei Kapitaldelikten je nach Religionszugehörigkeit von Täter und Opfer. Im Zivilrecht verbietet § 881 des Zivilgesetzbuches die Vererbung von Muslimen auf Nichtmuslime bzw. steht die Erbmasse von Nichtmuslimen Muslimen zu.

Im Irak, der wiedergeborene Christen-Bush hat es verbrochen, geht es drunter und drüber:

Trotz eines umfassenden Schutzes durch die Verfassung und offizieller Erklärung der Regierung, sie zu schützen, ist die Situation der religiösen Minderheiten im Irak besorgniserregend. Verantwortlich dafür sind die gravierende Sicherheitslage und die fortgesetzten Terrorakte religiöser Extremisten. Auch in den vergangenen zwölf Monaten wurden zahlreiche Terrorakte gegen religiöse Minderheiten verübt. Darunter fällt auch eine Reihe der al-Qaida im Irak zugeschriebenen Selbstmordanschläge gegen die yesidischen Dörfer El Khatanijah und El Adnanijah bei Mosul am 14. August 2007, bei denen schätzungsweise 500 Menschen getötet wurden, sowie die Ermordung von Priester Ragheed Azziz Ganni und zwei Glaubensbrüdern (3. Juni 2007, Mosul) und von Erzbischof Paulos Faraj Raho am 29. Februar 2008 in Mosul mit drei Glaubensbrüdern.

Hexenverfolgung in Saudi-Arabien:

Der Bundesregierung ist der Fall eines saudischen Staatsangehörigen, der seit Jahren wegen “Beleidigung des Propheten Mohammed” in Haft ist, bekannt. Berichten zufolge soll es auch eine gewisse Anzahl von Personen geben, die unter dem Vorwurf der “Hexerei” inhaftiert sind. Auch soll es Einschränkungen für Journalisten geben, die über Schiiten in Saudi-Arabien und/oder die Notwendigkeit der Öffnung gegenüber anderen Konfessionen und Religionen geschrieben haben bzw. dies beabsichtigen.

Immer wieder für negative Schlagzeilen sorgen Übergriffe von Mitarbeitern der so genannten „Religionspolizei“ (Behörde zur Verbreitung der Tugend und der Bekämpfung des Lasters), in deren Gewahrsam in den vergangenen Monaten mehrere Personen unter ungeklärten Umständen zu Tode gekommen sind. Die Behörde verfolgt unter Zugrundelegung eines strengen wahhabitischen Maßstabs Verstöße gegen die saudischen Sitten und Gebräuche (unter anderem Alkoholhandel, Kleidervorschriften, illegales Zusammensein Unverheirateter).

Und auch sonst wird in Afrika verfolgt, wer den Regierenden oder den gemeinen Glaubenden  nicht in den Kram passt:

In den afrikanischen Ländern, die „Hexerei“ und „Zauberei“ unter Strafe stellen, ist hinsichtlich der Anwendung der entsprechenden Strafrechtsparagraphen keine einheitliche Praxis festzustellen. In einigen Ländern kommt es aufgrund der entsprechenden Gesetzesvorschriften grundsätzlich zur Strafverfolgung (Gabun, Malawi, Namibia, Sambia, Tansania, Demokratische Republik Kongo und Republik Kongo), in anderen Ländern bleibt eine Strafverfolgung trotz der bestehenden gesetzlichen Grundlage in den meisten Fällen aus. In einer Reihe von Ländern werden die mit „Hexerei“ und „Zauberei“ verbundenen Handlungen nur dann bestraft, wenn diese auch strafrechtlich relevant sind, wie etwa Mord, Körperverletzung, Störung der öffentlichen Ordnung (Benin, Côte d’Ivoire, Gambia, Guinea-Bissau, Kamerun, Kap Verde, Kenia, Nigeria, Senegal, Tschad und Uganda).

Sonderfälle stellen Ghana und Sudan dar.

In Ghana kommt es trotz fehlender Strafvorschriften zur Verfolgung von Frauen aufgrund willkürlicher Anschuldigungen.

Nichtregierungsorganisationen schätzen die Zahl der in so genannte „Hexenlager“ (witch camps) deportierten Frauen auf ca. 3000. Auch in Sudan kommt es gelegentlich zu Ausschreitungen gegen Frauen, die der „Hexerei“ bezichtigt werden, ohne dass der Staat seiner Schutzfunktion ausreichend nachkommen würde.

In Eritrea saßen

Informationen des US-Außenministeriums zufolge 28 religiöse Führer und Pastoren der nicht registrierten Pfingstkirchen Ende 2007 seit über drei Jahren ohne Gerichtsverfahren in Haft. Nichtregierungsorganisationen berichten, dass sich insgesamt rund 2.000 Gefangene aus religiösen Gründen in Haft befinden.

Ghana:

Verlässlichen Quellen zufolge existieren in Ghana „Prayer Camps“ von pentekostalen Kirchen, in denen angeblich von teuflischen Mächten „Besessene“ (hauptsächlich geistig behinderte Personen) einem so genannten Reinigungsprozess unterzogen und dabei misshandelt werden. Vorgänge dieser Art wurden in den Regionen Greater Accra, Eastern, Central, Western, Ashanti, Volta und Brong Ahafo dokumentiert. Die Betroffenen – meist Kinder – werden in der Regel von ihren Familien in die „Prayer Camps“ gebracht und dort bis zum Ende des „Heilungsprozesses“ festgehalten. Letzten Untersuchungen zufolge handelt es sich derzeit um mehr als einhundert Personen.

Streit um Detailfragen in Bangladesh:

Die Ausnahme bilden die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der muslimischen Minderheit der Ahmadis (ca. 100.000) und der Mehrzahl der Muslime, insbesondere der orthodoxen Muslime, die durch den Streit darüber bedingt sind, ob Mohammed der letzte Prophet ist oder der Gründer der Ahmadi-Gemeinde als ein weiterer Prophet angesehen werden kann.

Und jetzt das zentrale Anliegen der Christen in China:

Der Vize-Vorsitzende der chinesischen Kirche, Liu Bonian, hat vorgeschlagen, dass während der Olympischen Spiele in den Vier- und Fünfsterne Hotels, wie im Westen, auch Bibeln für Gäste ausgelegt werden können.

Ich wiederhole: “Der Vize-Vorsitzende der chinesischen Kirche, Liu Bonian, hat vorgeschlagen, dass während der Olympischen Spiele in den Vier- und Fünfsterne Hotels, wie im Westen, auch Bibeln für Gäste ausgelegt werden können.” !!!

Malaysia:

Im Bundesstaat Selangor wurde Frau R. B. nach 20-jähriger Ehe, aus der sieben Kinder hervorgegangen sind, zur Trennung von ihrem hinduistischen Mann gezwungen. Auch hier galt die als interkonfessionell eingestufte Ehe als ungültig.

Im Bundesstaat Terengganu wurde gegen Frau K. A. eine mehrjährige Haftstrafe verhängt, nachdem sie über Jahre versucht hatte, aus dem Islam auszutreten und „Rehabilitationsversuche“ scheiterten.

 Haiti. Es geht doch: Christum und Voodoo gleichberechtigt!

Seit der Unterzeichnung eines entsprechenden Präsidialdekretes am 4. April 2003 durch den damaligen Präsidenten Aristide ist der Voodoo-Kult den übrigen in Haiti verbreiteten Religionen rechtlich gleichgestellt.

Düster sieht es in Kolumbien aus:

In Kolumbien sind im Zeitraum 1984 bis 2008 fünf Bischöfe, 19 Priester und ein Missionar entführt worden. Ein Erzbischof, ein Bischof, 64 Priester und fünf andere Geistliche wurden getötet. 12 Priester wurden verwundet.

Und so geht es um den ganzen Planten. Fast überall gehen Menschen mehr oder weniger heftig aufeinander los. Aus Glaubensgründen!

Auch Tiere fallen dem Blutdurst der Glaubenden zum Opfer; auch in Deutschland, wie die Bundesregierung stolz berichtet:

Diskussionen, welche religiösen Praktiken trotz bestehender Religions- und Glaubensfreiheit untersagt seien, werden in Deutschland mit großer Sensibilität und großem Respekt geführt. Deutlich geworden ist dies etwa an der Beurteilung des Schächtens, also des Schlachtens warmblütiger Tiere ohne Betäubung. Es ist nach § 4a TierSchG grundsätzlich verboten, kann aber ausnahmsweise zugelassen werden, soweit es erforderlich ist, um den Bedürfnissen von Angehörigen bestimmter Religionsgemeinschaften zu entsprechen, denen zwingende Vorschriften ihrer Religionsgemeinschaft das Schächten vorschreiben oder den Genuss von Fleisch nicht geschächteter Tiere untersagen. Die mögliche Ausnahme wurde noch 1995 vom Bundesverwaltungsgericht so verstanden, dass es nur auf zwingende Vorschriften solcher Religionsgemeinschaften ankommen könne, die sich nach außen eindeutig abgrenzen und nach innen in der Lage sind, ihre Mitglieder zwingenden Vorschriften zu unterwerfen. Das Bundesverfassungsgericht hat diese Einengung 2002 für verfassungswidrig erklärt und den Begriff der Religionsgemeinschaft in § 4a TierSchG auch auf eine Gruppierung innerhalb einer bestimmten Glaubensrichtung bezogen.

Wenn ich demnächst einmal mein Auto aus Glaubensgründen (!) queer im Hauptportal des Kölner Doms parke, werde ich wahrscheinlich von Domkapitel, Bundesregierung und Bundesverfassungsgericht in eine Zwangsjacke gesteckt, während Tierquälerei als sensibler und respektvoller Umgang mit der Glaubensfreiheit gehandelt wird. Fällt ein nacker Arsch auf dem CSD eigentlich auch unter Glaubensfreiheit? Dafür wünsche ich mir nämlich auch einen sensiblen Umgang!

Ich kann kaum fassen, dass der Wahnsinn, der vor Jahrtausenden von Menschen begonnen wurde, auch heute nicht beendet werden kann.

Ich bleibe dabei:

The existence of humans is an irrefutable evidence for the fact that there is no god!

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