Die Berliner Sektion der Deutschen Polizeigewerkschaft hat einen merkwürdigen ‘Landeschef’ an ihrer Spitze.
Vor kurzem hat er sich darüber aufgeregt, dass am Berliner Polizeipräsidium anläßlich des dortigen CSDs eine Regenbogenflagge gehisst wurde. Mit dem Gewerkschaftsboss gerieten einige homophobe Polizisten in Wallung und verschickten unter Benutzung von Staatseigentum während ihrer Arbeitszeit schwulenfeindliche eMails. Das wiederum fand der Berliner Polizeipräsident nicht so witzig. Statt jedoch die allfälligen Disziplinarverfahren einzuleiten, bat er die 29 mailenden Beamten zu einem persönlichen Gespräch.
Und nun plärrt wieder der Polizeigewerkschaftslandeschef Bodo Pfalzgraf, assistiert von Eduard Rise, Landesredakteur (von was auch immer):
Polizeipräsident Glietsch lädt kritische Mitarbeiter zum Regenbogengespräch
DPolG Berlin: Wir haben wirklich andere Sorgen; Staatsbesuche fordern uns umfassendPolizeipräsident Glietsch will 29 Polizeibeamte zum persönlichen Gespräch über ihre Kritik zum umstrittenen Regenbogenvorgang laden. Landeschef Bodo Pfalzgraf: „Wir begrüßen Gespräche des Polizeipräsidenten mit seinen Mitarbeitern grundsätzlich, aber Herr Glietsch sollte die Kirche im Dorf lassen. Er hat schließlich die Ursache gesetzt!“ Während des Staatsbesuchs aus dem Irak mit mehreren hohen Gefährdungsstufen und dem parallel anreisenden amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Obama ist die Berliner Polizei umfassend gefordert. Unsere Kollegen können nicht verstehen, dass sie nicht mehr aus den Stiefeln kommen und zeitgleich kommen und zeitgleich Gespräche über den Regenbogen geführt werden.
Bodolein, Bodolein,… es ist doch ganz einfach:
Der Polizeipräsident hat an seinem Dienstsitz eine Fahne hissen lassen. Das hat die Zeit des Präsidenten und vielleicht noch die ein paar anderer gut bezahlter Polizisten gekostet. Mehr nicht. Aber für das Fahnehissen, Hände schütteln, Sekt trinken, … sind diese Präsidenten da. Sie jagen keine Verbrecher und Verkehrssünder. Es fällt also gar nicht weiter auf, wenn der Präsident mal nicht in seinem Büro sitzt, sondern gerade eine Fahne hisst.
Dem Pfalzgrafen passt es aber offenkundig nicht, dass die Fahne bunt wie ein Regenbogen war. Eine einfarbige Fahne wäre ihm wohl lieber gewesen, vielleicht in hübschem Braun. Wie früher, als alles noch so schon einfarbig war, auch im Denken. Da waren die Schwulen die Bösen, und da konnte man ordentlich draufhauen. Und jetzt meint der freche Polizeipräsident ohne vorher den Landeschef oder den Landesredakteur um Erlaubnis zu fragen, die Berliner Polizisten sollen gefälligst mal ihren Amtseid, Grundgesetz, Beamtenrechtsrahmengesetz, Landesbeamtengesetz und Polizeigesetz ernst nehmen und deutlich machen, dass sie allen Bevölkerungsgruppen vorurteilsfrei begegnen. Dieses Ansinnen muss dem großen Landeschef natürlich unerhört erscheinen. Insbesondere, nachdem ihm der Polizeipräsident verboten hatte, mit der Deutschlandfahne umherzulaufen und seinen Nationalismus zu demonstrieren – ihm, dem Landeschef!
Der Gewerkschaftsboss und mindestens 29 Berliner Polizisten hatten offenbar alle Zeit der Welt (wie war das mit den Stiefeln?), um sich und ihre Homophobie via Presseerklärungen und eMail zu verbreiten. Gibt es bei der Berliner Polizei sonst nichts zu tun? Haben einige Herren (und Damen?) zu viel Zeit. Seit wann werden Polizisten für das Schreiben von schwulenfeindlichen eMails bezahlt?
Lieber Gewerkschaftschef, nicht der Polizeipräsident hat “die Ursache” gesetzt, sondern Sie (und ihresgleichen) mit Ihrer unsäglichen Geisteshaltung haben die Ursache dafür gesetzt, dass der Polizeipräsident einschreiten musste. Aber lassen Sie ruhig den Ruf der Polizei noch weiter den Bach runter gehen.
Nach meinem Dafürhalten müssten Sie und die 29 Polizisten sich entschuldigen. Nicht bei mir, aber bei ihren schwulen Kollegen für diese unnötigen und dummen Kränkungen, und beim Steuerzahler für die Verschwendung von Steuergeldern und für den Mißbrauch von Staatseigentum. Aber soweit, lieber ‘Landeschef’, denken Sie, nachdem Sie Ihr altes und neues Feindbild (wieder-)gefunden haben, wohl nicht.
Übrigens hat auch die Britische Polizei ihre Schwulenhasser. Einer davon reitet auf Christenticket seine eMail Attacken gegen seine schwulen Kollegen.
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