22 Jul 08

Ahmet Yildiz +

Erneut ist es der Londoner Zeitung ‘The Independent’ zu verdanken, dass das Schicksal schwuler Männer in der Islamischen Welt einer größeren Öffentlichkeit bekannt wird. Am 19.07.2008 berichtete das Blatt über die Ermordung von Ahmet Yildiz.

Was Ahmet Yildiz the victim of Turkey’s first gay honour killing?

Ahmet Yildiz, 26, a physics student who represented his country at an international gay gathering in San Francisco last year, was shot leaving a cafe near the Bosphorus strait this week. Fatally wounded, the student tried to flee the attackers in his car, but lost control, crashed at the side of the road and died shortly afterwards in hospital. His friends believe Mr Yildiz was the victim of the country’s first gay honour killing.

GGG.at hat daraus eine deutschsprachige Meldung gemacht:

Erster schwuler “Ehrenmord” in der Türkei?

Erstaunlich ist, dass in diesen und anderen Beiträgen immer wieder davon die Rede ist, das Ahmet das erste Opfer eines gegen einen schwulen Mann gerichteten Ehrenmordes sei. Das dürfte falsch sein. Ich vermute vielmehr, dass im islamischen Dunstkreis schon viele Männer wegen ihres Schwulseins von Familienmitgliedern ermordert wurden - bekanntlich fordern der Islam und dessen Matadore zur Ermorderung schwuler Menschen auf -, ohne dass die Weltöffentlichkeit davon Notiz nahm.

Es liegt nun also der Verdacht auf der Hand, das Ahmet gestorben ist, weil eine Religion, die ihre Ehre schon längst verloren hat, die Rettung der Familienehre fordert. Leider haben die Medien, westliche Menschenrechtsorganisationen und die Bloggerszene von der Gefahr, in der sich Ahmet Yildiz befand, erst Notiz genommen, als es schon zu spät war. Es bleibt nur, Aufklärung zu verlangen und die Hintergründe der Tat zu beleuchten. In diesem Sinne hat sich die Hirschfeld-Eddy-Stifung an den türkischen Botschafter in Deutschland gewandt:

[...]Nachdem kürzlich die Organisation Lambda Istanbul, die sich für die Rechte von Lesben, Schwulen und Transsexuellen einsetzt, von einem Istanbuler Gericht verboten wurde, wurde vergangene Woche Ahmet Yildiz Opfer eines Hassverbrechens. Ahmet Yildiz hatte sich bei Lambda Istanbul engagiert. Laut Presseberichten gibt es Anzeichen dafür, dass Ahmet Yildiz Opfer der als ‚Ehrenmord’ bezeichneten Praxis familiärer Hinrichtung geworden ist. Wir wenden uns mit der Bitte an Sie, sich bei Ihrer Regierung dafür einzusetzen, dass die türkische Behörden die Sicherheit von schwullesbischen Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten garantieren. Wir sind sehr bestürzt darüber, dass Presseberichten zufolge die türkischen Behörden sich trotz wiederholter Morddrohungen nicht um den Schutz von Ahmet Yildiz gekümmert haben. Angesichts zahlreicher Berichte über Gewalttaten an Lesben, Schwulen und Transsexuellen bitten wir die Regierung der Republik Türkei dringend darum, sich gegen Diskriminierung und mittels Aufklärung und Menschenrechtsbildung für den Aufbau von Vorurteilen einzusetzen. Projekte wie Lambda Istanbul, die sich um den Abbau von Vorurteilen und Hass bemühen, verdienen staatliche Unterstützung. Hassverbrechen an Schwulen, Lesben und Transsexuellen muss entschieden entgegengetreten werden.[...]

Es sollte übrigens nicht allein Sache der Hirschfeld-Eddy-Stiftung sein, hier tätig zu werden. Mehr können wir allerdings für Ahmet Yildiz nicht mehr tun.

Aber nicht nur die Türkei sollte hier im Interesse der Aufmerksamkeit stehen. Ahmet hatte einen deutschen Lebensgefährten.

His partner, who held a German passport, left the country on the advice of the consulate.

heißt es in einer Meldung von pinknews, die zwischenzeitlich auch ein Interview mit Ahmet’s Freund veröffentlicht haben. Und dieser Freund braucht unsere Hilfe. Wenn es sich tatsächlich um einen Ehrenmord handelte, ist er auch in Gefahr, denn der Glaubenswahnsinn macht nicht an Landesgrenzen halt.

Ahmet’s Freund hatte Kontakt zu deutschen Behörden. Diese Wissen, wer er ist und wo er sich aufhält. Und ich hoffe, sie haben erkannt, dass es an ihnen ist, eine Ehrenmord an einem schwulen Menschen auf deutschem Boden zu verhindern.

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